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Reviews Spring 2008 (all other reviews of the year 2008 below):

Lange hat es gedauert bis nun endlich die ersten Besprechungen diesen Jahres online sind... ein leises "Entschuldigung" vom Verfasser dieser Zeilen. Nichtsdestotrotz es gibt aber wieder viele gute Sachen zu hören! Danke an dieser Stelle auch an Konstantin für seine gelungenen Beiträge.

 

Asva "What You Don't Know Is Frontier" CD (Southern Records)



Ein wahrhaftiges Mammut-Album, das Asva Mastermind Stuart Dahlquist (ex-Burning Whitch, Goatsnake, Sunn O))) ) mit "What You Don't Know Is Frontier" vorlegt. Und ein persönliches dazu, hat es doch sehr viel mit dem Tod von Dahlquists Bruder zu tun und dem monumentalen Gefühl von Verlust. Der Titel "What You Don't Know Is Frontier" ist eine Zeile aus einem Gedicht des Bruders. Die musikalischen Weiten die auf "What You Don't Know Is Frontier" geschaffen werden, sind immens. Hier werden sämtliche Landschaften der Welt in 4 riesenhaften Epen musikalisch neu definiert und aufgezeigt. Die persönliche Katharsis auf der einen – die musikalische (Doom) Katharsis auf der anderen Seite. Hier geht es um "Wiedergeburt", um das "Licht am Ende des Tunnels", so Dahlquist. Hier werden riesige Felsen zum Einsturz gebracht. Hier gibt jeder Lebenstraum nach, unter der puren Last des menschlichen Ächzens.
"What You Don't Know Is Frontier" ist eine wilde, wüste und zerklüftete Landschaft. Ein psycho-geographischer Blick auf riesige Bergeshöhen, auf unfruchtbare Geröllfelder, Jahrtausende alt. Dreht man sich um, geht vor einem der Abgrund auf: unendlich tief und grauenhaft, wie der Blick ins Innere und die Seelenwanderung durch ein trauriges Ich. Das hier könnte das Große Werk, das musikalische Magnum opus eines Menschen sein, der tief in die Abgründe unseres Daseins geschaut hat und trotzdem die ganze Schönheit davon gespürt hat.

Rating: 8.5/10



Black Friday 29 "The Pursuit Of Happinness" (Blacktop/Dead&Gone) CD/LP
Storm & Stress "EP" (Blacktop/Cobra) CD/7"



Man kann ja zu dieser ganzen Old-School-Retro-Welle stehen wie man will; mein Ding ist das jedenfalls nicht - zumindest nicht, solange das Ganze nur simpel praktizierter Musikkonservatismus, ein musikalischer Rückgriff auf längst Bekanntes, ein Zitat eines Zitats ist. BLACK FRIDAY 29 zeigen auch auf ihrem neuen Album "The Pursuit Of Happinness" keinerlei Ambitionen irgendwie eigen zu klingen; es scheint, als gäben sie sich total mit der Wiederaufbereitung von bereits Existentem zufrieden. Dass sich das Artwork der Scheibe dann auch noch an den optischen Verkaufsargumenten der Musikindustrie orientiert, macht die Sache auch nicht angenehmer. Schmalzige Portraits und ein peinlich inszeniertes Bandfoto vor einem verpfuschten "Punks [sic!] not dead!"-Schriftzug: Die Aufmachung ist Zeugnis der Tatsache, dass es im "Hardcore the way it should be played" (Presseinfo) doch sehr viel um Äußerlichkeiten und damit generiertes Image geht. Dass die Songs, die irgendwo zwischen MOUTHPIECE (Harmonien), TRIAL (Power) und BETTER THAN A 1000 (Gesang) angesiedelte sind, eigentlich ganz lässig klingen, interessiert mich da auch nicht mehr die Bohne. Ästhetisch sind BLACK FRIDAY 29 einfach nicht herausfordernd genug, viel zu voraussagbar und unspannend.
Dass man auch wesentlich überzeugender mit dem "Alte Schule"-Ansatz umgehen kann, demonstrieren die Blacktop-Label-Kollegen STORM & STRESS aus Ibbenbüren. Auf dem bandeigenen Label haben die fünf Jungs aus dem Westfälischen eine namenlose 7-Song-EP raus gehauen, die zwar nichts weltbewegend Neues bietet, aber dafür ungemein frisch daher kommt. Die zum größten Teil in hohen Tempo dargebotenen, strukturell und harmonisch eher einfach gehaltenen Songs werden hier und da mit ein paar aus dem Metal(core) entlehnten Rhythmuspatterns und Gitarrenharmonien gewürzt. Dazu gesellt sich eine angenehm raue Stimme. Auch von der Produktion her klingt das schön knackig. Falls jemand unbedingt einen Bandnamen als Referenz braucht, so würde ich hier mal UP FRONT in die Diskussionsrunde werfen. Aber wie das natürlich immer so ist mit den Vergleichen: sie hinken fast immer schrecklich. Ganz im Gegenteil dazu STORM & STRESS: die schaffen es gänzlich ohne Gehfehler über die Ziellinie. Antesten! (Konstantin Hanke)



Boris "Smile" CD (Southern Lord Recordings)

Ohne Zweifel, Boris machen das, was sie da seit einigen Jahren machen, nicht so schlecht und der Hype um das neue Album ist recht ordentlich, aber irgendwie bin ich von der Band ziemlich angenervt, was nicht zuletzt an der Veröffentlichungspolitik der Band liegt, die auch gerne haufenweise Müll hervorbringt. Mit "Smile" ist das eine ähnlich Sache, da es wieder einmal zig verschiedene Versionen gibt. Japan vs US, CD vs Vinyl und die vorliegende Promo CD ist wieder anders. Aha.
Die vorliegenden Lieder sind wieder so eine laute, zerfahrene Angelgenheit mit verspielten Hooks und düsterer Schwere versus Melodien. Eine eigenwillige Produktion unterlegt das Ganze. Ordentlich Power und Spielfreude gepaart mit interesssanten Ideen und Ansätzen hat "Smile" auf jeden Fall. "Smile" ist sexy und könnte noch erfolgreicher werden wie "Pink". War ich anfangs eher sehr skeptisch wie das neue Album klingt, so finde ich es mittlerweile den konsequenten Schritt nach "Pink", dem bisher erfolgreichsten Album von Boris. Boris schaffen es mit "Smile" verschiedene, nicht unbedingt gängige Klänge und Einflüsse mit den allgemein akzeptierten Strukturen und Elementen von Rock und Noise und Drone zu vermengen und dadurch eigene musikalische Bilder entstehen zu lassen, die auch nicht wie eigene Kopien ihres vergangenen Schaffens wirken.

Rating: 8/10



Burning Witch "Crippled Lucifer" 2xCD (Southern Lord Recordings)

"Crippled Lucifer" ist eine essentielle und legendäre Veröffentlichung gleichermaßen, denn einerseits waren Burning Witch essentiell für die Entwicklung des heutigen Doom Metals und andererseits markiert die Band den Ausgangspunkt für das Schaffen beider Musiker und jetzigen Sunn O))) Köpfe Steven O'Malley und Greg Anderson.
Für die Unwissenden in Kurzform: Nach dem Ende der Doom/ Death Band Thor's Hammer im Jahr 1995 haben Stephen O'Malley, Greg Anderson und Jamie Sykes Burning Witch gegründet. Mit G. Stuart Dahlquist und vocalist Edgy 59 war das Lineup komplett. Burning Witch ist der musikalische Wegweiser für das ganze Southern Lord Umfeld mit Sunn O))), Khanate, Goatsnake, Teeth Of Lions Rule The Divine und im weiteren Sinne auch KTL und Asva. Anderson verliess die Band wieder relativ schnell und zog nach Los Angeles um Goatsnake zu gründen. Ohne ihn nahm die Band dann 1996 mit Steve Albini die "Towers" EP auf, die dann 1998 über Slap A Ham Records veröffentlicht wurde. Nach dem Sykes die Band verliess und durch B.R.A.D. ersetzt wurde, nahm die Band die "Rift.Canyon.Dreams" EP (Merciless Records auf. Schon bald danach brach die Band auf. Direkt als zweite Veröffentlichung überhaupt, nach Thor's Hammer, kamen beide Eps dann auf Southern Lord Records unter dem Titel "Crippled Lucifer" im Jahr 1998 heraus. Auf der jetzigen Wiederveröffentlichung sind neben diesen beiden Eps noch Bonusstücke enthalten: Einmal die Tracks von der Split CD mit Goatsnake (Hydra Head, 2000) und "Rift.Canyon.Dreams" von der Split LP mit Asva. Als Fazit kann man erkennen, dass die Musik von Burning Witch noch heute nicht unzeitgemäß klingt und von experimenteller Weitsicht zeugt. Die aufwendig und gestaltete Aufmachung von "Crippled Lucifer" stammt natürlich aus der Hand von Stephen O'Malley und das wahrhaft dicke Booklet sieht nicht nur ästhetisch hochwertig aus, sondern hat auch informativen Charakter. Es enthält unter anderem auch ein Vorwort von Aaron Turner (Isis). "When I first heard Burning Witch I laughed. And then I did not."

Rating: 9/10



Cloudland Canyon "Lie In Light" CD (Kranky)

"Lie In Light" ist das neue Album der Krautis von Cloudland Canyon um Simon Wojan und Kip Uhlhorn. Die Einflüsse sind irgendwo im deutschen Untergrund der 70'er Jahre zu finden, Harmonia lassen sehr stark grüssen. Ausserdem: add some baroque Pop here and there. Das Ergebnis ist erstaunlich entspannt, aber auch nicht wirklich spannend, mehr so zum nebenher hören, sich einlullen lassen. Rumhängen und sich von den ganzen musikalischen Farbeindrücken betören lassen. Bunte Hippiefarben überall. Die sieben auf "Lie In Light" präsentierten Stücke sind dabei wenig eindimensional, vielmehr öffnen sie viele Horizonte. Extraordinäre kosmische Schwingungen, Trance, hypnotische Tiefe und eine von Sonnenstrahlen nur so getränkte Schönheit. Schöne schimmernde Fahrt über den Regenbogen. Das Artwork fängt auf dem Cover die helle, lichte und dronige Atmosphäre des Albums ein und wirkt gleichzeitig wie eine Reminiszenz an die vergangenen grossen Tage der Musikgeschichte. Innen geht's dann ziemlich hippiemässig weiter... Party hier, party da.

Rating: 7/10



Darsombra "Eternal Jewel" CD (Public Guilt)

Darsombra ist das Soloprojekt für experimentelle Musik von Brian Daniloski (Meatjack). "Eternal Jewel" ist sein zweites Album, das in erster Linie auf einer Baritone Gitarre basiert. Strukturell gesehen ist es eine Mischung aus überlegten, komponierten Stücken und spontanen Improvisationen. Brian Daniloski beherrscht auf den fünf Stücken auf brilliante Art und Weise das Wechselspiel zwischen kraftvollem aggressivem Doom und eher lichten, schimmernden psychedelischen Dronen. "Eternal Jewel" ist eine kraftvolle Angelegenheit. Seltsame düstere Klanglandschaften, die den Hörer wie durch einen sumpfigen Märchenwald ziehen und hier und da komische Fratzen im Gebüsch entdecken lassen wechseln mit grossartig in Szene gesetzten und von langer Ruhe getragenen, weiten Sonnenplateaus. Die einzigartige Vermengung von Melodien und kalter Schwere erlaubt es Daniloski auf unbeschwerte Weise den Raum dazwischen mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Elementen, Flächen, Harmonien und Stimmungen zu füllen. Ab und an fühlt man sich gar an die Klangkonstruktionen von Steve Reich erinnert. Schönes Design des zeitgenössischen Malers Stephen Kasner.

Rating: 8/10



Fear Falls Burning "When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" LP (Tonefloat)

"When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" ist eine dezent, aber eindrucksvoll gestaltete Gatefold LP auf 180g Vinyl und limitiert auf 500 Exemplare.
Mystisch wirken die Dronen auf "When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" allemal. Zart, sanft und trotzdem mit einer Macht, der man sich nicht entziehen kann, lullen die Dronen den Hörer ein, umgarnen ihn, wollen ihn holen und einspinnen. Subtile Percussion-Variationen heben die beiden langen Stücke aus dem Drone-Einerlei heraus und machen diese Platte zu einem eher einzigartigen Hörerlebnis. Ist das Tor auf dem Cover noch verschlossen, so öffnet es sich dem Hörer zunehmend und zieht ihn unaufhörlich weiter in einen verwunschenen Garten, in dem es aus allen Ecken und Enden flimmert und schimmert. Fragile Hintergrund-Gitarren und helle Percussion, vordergründig mehr ein durchgängiges Dröhnen und brummen. Rein technisch gesehen sind einerseits auf "When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" neue FFB Dronen enthalten, und andererseits hat FFB Kopf Dir Serries die Herangehensweise an sein Schaffen etwas neu konzipiert und strukturiert. So bringen die genannten Hintergrunddetails (Percussion) eine neue Dimension in das musikalische Oeuvre von FFB ein. Es entstehen weitere Dimensionen und deutlich mehr Vielschichtigkeit, auf subtiler Ebene. Beide Stücke sind harmonisch und kraftvoll und begeistern mich einmal mehr.

Rating: 8/10



Fear Falls Burning "First By A Whisper, Then By A Storm (Special Edition)" LP (Tonefloat/ Ikon)

Dezent gestaltete LP mit rotem Siegel auf dem Cover. Zu hören ist altes, unveröffentlichtes Material von 2004, aus den Anfangstagen von Fear Falls Burning. Der FFB-Drone Charakter war damals schon vorhanden, allerdings klingen die Stücke noch etwas luftiger und leichter. Die Idee zu dieser Platte kam mit den letzten 136 Exemplaren der "First By A Whisper, Then By A Storm" CD und so fackelte man nicht lange und veröffentlichte eine kleine Spezial Edition, bestehend aus CD plus LP, die wohl inzwischen schon so gut wie ausverkauft sein dürfte. Die Liebhaber und Kenner werden langsam aber beharrlich mehr. Die Stücke klingen noch einfacher gestrickt, ohne viele Flächen und Schichten. Einerseits wirken die Dronen dadurch primitiver, andererseits aber durchaus direkter und leichter greifbar. "First By A Whisper, Then By A Storm" kann also als Dokument einer Entwicklung betrachtet werden, die zu grossartigen Alben geführt hat, wie das unten besprochene "Frenzy Of The Absolute" Album, das ja in diesen Tagen erschienen ist.

Rating: 7/10



Fear Falls Burning "Frenzy Of The Absolute" CD (Conspiracy Records)

Lange und gespannt habe ich auf das neue FFB Studio Album gewartet, denn es ist in der Herangehensweise doch etwas anderes, wie die vorhergegangenen zahlreichen Arbeiten von Dirk Serries. "Frenzy Of The Absolute" besteht aus 3 langen Stücken, die unter der Mitarbeit von Gastmusikern ihr schlussendliches Gesicht bekommen haben. Das erste Stück ist mit den Drums von Tim Bertilsson entstanden. Einerseits lebending und organisch im Klang, wirkt das Stück doch meditativ und ausladend. Die weiteren Stücke featuren Dave Vanderplas (Rubbish Heap, Ontayso) und Johannes Persson (Gitarre) sowie Magnus Lindberg (Drums) von Cult Of Luna. Die Dronen wirken mysteriös und immer wieder entstehen halluzinöse Geisterszenen beim lauten Anhören in Dunkelheit. Wie bei den vorhergegangenen FFB Veröffentlichungen ist der epische Charakter der Stücke immer noch da, und lässt sie wie ein mächtiges Band vor dem Horizont gigantisch weit ausgedehnt, hin und her wabern. Nicht mehr so licht und hell wie früher, sondern eher düster und verschlossen zeigen sich die Klanglandschaften auf "Frenzy Of The Absolute". Arktische, trockene Kälte. Das Artwork des Digipacks ist simpel und spröde aber effektiv wenn man es aus und einklappt. Es unterstreicht den statischen Unterton von "Frenzy Of The Absolute". Neben der regulären CD- Veröffentlichung, natürlich auch als auf 500 Stück limitierte Vinyl Version erhältlich, die neben einem Bonus Stück noch ein versteckten Track enthält.

Rating: 8/10



Flu.ID "Iots" CD (Exile On Mainstream)

FLU.ID sind im Hardcore zu Hause; diese Energie spürt und hört man einfach. Eine musikalische Verortung des Trios fällt jedoch ungleich schwerer. Aus technisch anspruchsvollem Riffing und abgedrehtem Schlagzeugspiel werden atonale, komplexe, anstrengende Stücke geschmiedet, die über verwendete Dissonanzen und den fiesen "Gesang" eine ordentliche Portion Dreck erhalten. Aufgrund der verwendeten Stilmittel müsste man die Sachsen wohl am ehesten mit Mathcore und Noiserock der Marke BOTCH und UNSANE in Beziehung setzen. Leider bietet "iots" kein neues Material, sondern ist lediglich ein zusammenfassender CD-Release der bisherigen Veröffentlichungen. Dass die Songs aus zwei verschiedenen Sessions stammen, ist den Aufnahmen dabei (leider) deutlich anzuhören. Für meinen Geschmack sind die Stücke der "New Imperial Sadism" (Interstellar Records, 2007) zwar die besseren Songs, kommen aber etwas zu lasch produziert und deswegen zu wenig bissig daher. Der Sound der ersten, selbstbetitelten 10" (Modus Operandi, 2006) hingegen überzeugt auf ganzer Linie; jedoch weisen die Songs hier noch nicht diese abgedrehte Verspieltheit der späteren Stücke auf. Da die beiden Scheiben seinerzeit nur auf Zehn-Zoll-Vinyl gepresst wurden und mittlerweile ausverkauft sind, hat sich jetzt ein motiviertes, etabliertes Indie dazu entschlossen, die Songs zu remastern, auf eine CD zu packen und erneut - diesmal mit weltweiter Distribution - in die Umlaufbahn der Indie-Verwertungsmaschinerie zu schießen. Wer FLU.ID bereits kennt und die Platten schon im Schrank stehen hat, wird also nichts Neues von diesem Release mitnehmen. Allen anderen wird aber ein zweiter Aufguss präsentiert, der nicht minder lecker als der erste schmeckt. Insgesamt sicherlich kein Easy Listening, was uns das Trio da serviert, aber wer sich erstmal näher mit der Materie beschäftigt und begreift, was genau die Jungs da eigentlich machen, wird seine wahre Freude an FLU.ID haben.

-Rezensiert von Konstantin Hanke



Grey Daturas "Return To Disruption" CD (Neurot Recordings)



Grey Daturas sind ein australisches Instrumental-Trio, das ohne jegliche richtig strukturierte Songs oder Melodien arbeitet und alles praktisch improvisiert. Einigermassen "rauh" klingt dann auch "Return To Disruption" und serviert ein musikalisches "Mischmasch" von Avant-Rock, Psychedelic, Noise, Industrial, Punk, Metal und vielleicht etwas Free Jazz. "Return To Disruption" ist ein einigermassen tiefgrauer bis pechschwarzer und vor dunkler Dronen und Sludge-Riffs triefender Hexenkessel, der auch durchaus in wildem, ekstatischem und alles verneinendem Lärmchaos endet und festfährt. Keine leichte Kost und schön-Wetter-Musik ist dann doch etwas anderes. Trotzdem wirkt das Ganze oft zu schnell eintönig und langweilig, erst gegen Ende bauen sich interessantere Klangkonstruktionen auf, die nicht nur so simpel und roh improvisiert klingen, sondern sich auf einer durchaus bewussten Ebene abspielen und mehr Raum für interessante, ekstatische Momente bieten. Das Artwork passt mit seinen grauen November-Tag- Nebelschwaden ganz gut zur Musik, und trifft visuell das, was die Band mit diesem nihilistischen Batzen Musik ausdrücken möchte.

Rating: 7/10



Guapo "Exlixirs" CD (Neurot Recordings)

Freudig erwartet und auf keiner Ebene enttäuscht das neue Album von Guapo und gehört mit dem Nebenprojekt Aethenor zu den Highlights dieses Frühlings. Schon beim Anblick des ganzen Artworks ahnt man, dass dieses Album wohl kaum schlecht sein kann. Die Gestaltung des Booklets ist simpel aber grandios und zum besseren Ausdruck auf glänzendes Papier gedruckt. Musikalisch sind Guapo auch dieses Mal unverwechselbar zu erkennen, denn waren die Vorgänger Alben zwar stilistisch immer unterschiedlich, so sind die Eigenheiten von Guapo auch dieses mal deutlich zu hören. Die Einflüsse sind auch die selben: Zeuhl, Prog wie Univers Zero, die noisigen Elemente und natürlich dies und das Elektronische. "Elixirs" ist nicht mehr so lautstark wie "Black Oni", dafür aber von mystischer Ruhe durchdrungen. Die Produktion klingt lebendig und homogen. Es gibt viel zu entdecken, denn die Musik ist durchaus geheimnisvoll und detailliert gestaltet. Kammer-Prog, atmosphärischer Post-Rock mit orientalischen Elementen. Meist eher langsam und quellend treten die gerade einmal 6 Stücke in einer Stunde Spielzeit aus den Boxen und verteilen sich schlangenartig im Raum. Mystische Philosophien von Athanasius Kircher, Conan Doyle oder Ragnar Hyltén-Cavallius werden auf "Elixirs" musikalisch verarbeitet und veranschaulicht. This Heat, Magma, Popol Vuh und der Miles Davis der frühen 70'er Jahre... alle fanden Einlass auf diesem, nun mehr sechsten Album von Guapo. Der Raum an dieser Stelle reicht nicht aus um die geniale musikalische Vielfalt von "Elixirs" noch weiter zu beschreiben. Gelungene Gesangseinlagen von Jarboe und Alexander Tucker gibt es auch noch zu hören. Jeder muss dieses seltsam-mystische musikalische Reich selber betreten und die vielschichtigen Ebenen und Farben selber erfahren und entdecken.

Rating: 9/10



Junkboy "Three" CD (Enraptured Records)



Nachdem die Brüder Hanscomb vom beschaulichen Seebad Southend-On-Sea in die lebendigere Südküstenstadt Brighton umgezogen sind und sich vornehmlich mit ihrem Emo-Folk-Projekt SHINRI beschäftigt haben, legen sie nun, drei Jahre nach "Lost Parade", ein neues JUNKBOY-Album vor. Der Veröffentlichungs-Termin zeugt von exzellent Timing: "Three" ist ein passender Soundtrack zum Frühling. Das komplett in den Schlafzimmern der Jungs aufgenommene Album, ist wunderbar gutgelaunt und enorm facettenreich geworden. Der beinahe neunminütige, postrockige Opener "Volcano Mono" etwa überzeugt mit entspannter Atmosphäre und brillanter Klarheit. Mit seinem jazzigem Schlagzeugspiel, Bläsereinsätzen und eigenwilligen, aber wunderschönen Chören hebt er sich von gängigen Genre-Standards wohltuend ab. Mit dem zweiten Track werden JUNKBOY dann indie-traditionalistischer. Die erhabene Schönheit des ersten Stückes wird mit eingängigeren Songstrukturen verknüpft und mit träumerischem, süßlichem Gesang versehen. "There Is Light" erinnert in seiner Leichtigkeit an das 2001er DISMEMBERMANT PLAN Album "Change". Den Beweis dafür, dass auch ein gewisser Elliott Smith sehr hoch in der Gunst des britischen Duos stehen dürfte, liefert dann das überzeugende "Seconds": Der Song weckt durch seine Gitarren- und Chor-Arrangements, als auch durch seine düstere Intimität überaus deutliche Erinnerungen an Smiths Arbeiten. Sogar das kurze Outro-Solo klingt, als wäre dieser höchstpersönlich bei den Aufnahmen dabei gewesen. Insgesamt verfügen die Hanscombs über ein äußerst geschicktes Händchen im Umgang mit und bei der Zusammenführung von verschiedenen stilistischen Elementen. Auf (Anti-)Folk-Fundamenten installieren JUNKBOY fragile Postrock-Parts sowie schrullige Krautrock-Versatzstücke und verzieren diese mit latenten Elektronik-Spielereien. Der unterschwellige Hang zu jazzigen Arrangements und experimenteller Schrägheit positioniert JUNKBOY leicht außerhalb der üblichen Indie-Weichspül-Gemeinde. Immer wieder versuchen die Briten klassische Indie-Songstrukturen aufzubrechen, bleiben aber stets enorm catchy. Entspannt, federleicht und gutgelaunt musizieren sich die Brüder durch ein großartiges, sanft herausforderndes Album. Link: www.enrapturedrecords.com
(Konstantin Hanke)



Mystified "Subdialogue" CD-R (Verato Project)

Wieder einmal schöne, exkuisite Aufmachung, wie fast ausnahmslos bei allen Veröffentlichungen von Verato Project. Diese CD-R ist auf nur 60 Stück limitiert.
Musikalisch geht es bei diesem Release von Mystified um Dronen, Dronen und noch mal Dronen. Um jede Art von Dronen. Diese können melodisch, hell und irgendwie fast lieblich sein. Schimmernd. Oder eben dissonant, herzlos, kalt, hohl und leer. Auf "Subdialogue" liegt der Fokus eher auf der zuletzt genannten Art. Was man für "Subdialogue" sagen kann, ist, dass diese 10 Stücke sehr bewusst und beabsichtigt sind und klingen, so auch die Produktion. Sie mag vordergründig nicht perfekt sein, aber es steht eben eine Absicht dahinter. "Subdialogue" ist eine psychedelische Reise ins Innere der Dinge, auch für all jene, die lieber nüchtern bleiben. Hier werden tonale Erfahrungswerte geschaffen, die in ihrer Art und Weise direkt und kompromißlos, verständlich wie widersprüchlich und manchmal so simpel greifbar erscheinen, was aber schlussendlich doch nur eine Fata Morgana war, auf dem trocknen Weg zu einem höheren musikalischen Verständnis.

Rating: 8/10



Purge "Thirst" (Forgotten Empire Records)

Purge ist die musikalische Vision von Andrew Phillips, der mit der Hilfe von befreundeten Gastmusikern "Thirst" eingespielt hat. Klangen die früheren Demo-Arbeiten von Phillips noch ungleich unstrukturierter und experimenteller, so schleicht sich auf "Thirst" schon das Gefühl ein, es mit einem fein strukturierten Konzeptalbum zu tun zu haben. So ist Purge dann auch atmosphärischer Rock mit herausragendem klaren Gesang. Treibende Rhythmen voller Depression und Dunkelheit und feinere, lichtere Momente machen "Thirst" zu einem speziellen Kleinod. Elemente von Bands wie Tool, Isis oder Jesu kommen in den Sinn, verblassen aber wieder schnell, denn damit hat Phillips' Purge doch auch irgendwie nicht so viel gemein. Ich mag dieses spezielle, feine Gefühl von gepresster Finsternis und Einsamkeit, welches den 7 Stücken unterliegt. Diese Schnittlinie von "laut" und "leise", von feinen Emotionen und harscher, offener Aggression, überschreitet Andrew Phillips mit Purge präzise und gekonnt. Die Produktion ist gelungen, wenngleich sie etwas erdiger und lebendiger klingen könnte, nicht so statisch und Industrial-mäßig. Das Artwork ist dunkel und recht simpel gehalten. Mehr Infos auf: http://www.purgeme.co.uk/

Rating: 8/10



Robots And Empire "Omnivore" CD (Trip Machine Laboratories)


Robots And Empire haben sich im August 2004 gegründet, als die Bands When Dreams Die und Drowing Room auseinandergingen. Nach den Alben "Crawling From The Wreckage" und "Cast Shadows On Dragons" auf Glacial Records ist die Band mit ihrem neuen Album "Omnivore" auf dem New Yorker Label Trip Machine Lab. gelandet. Schon nach den ersten Sekunden hört man sofort, dass die Band wohl den ganzen Post-Hardcore Kram, der Mitte und Ende der 90'er Jahre gespielt wurde, einmal zu oft angehört hat. Im positiven Sinne. Die 14 Stücke sind kraftvoll und fahren gekonnt und eigenwillig irgendwo im musikalischen Viereck dieser Zeit und Bands wie Quicksand, Cave In, Cast Iron Hike, Only Living Witness, Orange 9mm, Vision Of Disorder, Deftones etc herum. Melodiös, laut und im mittleren Tempo- Bereich ackern sich Robots And Empire durch ihr Terrain und bauen dabei auch ordentlich schwere und harte Soundwände auf. Neben direkteren, einfachen Rock Stücken sind auf "Omnivore" auch ordentlich spacige Parts sowie sludige, doomige Jam-Batzen zu finden. Robots And Empire haben jede Menge Potential, nur schafft es die Band nicht, das konsequent und bestimmt umzusetzen. Das gelang zum Beispiel Cave In immer weitaus besser, obwohl die ja bekanntermassen auch jeden Menge Schwierigkeiten hatten. Weniger in Langatmigkeit verlieren, dafür präziser und genauer auf den Punkt spielen. Aus den 14 Stücken hätte man auch fast zwei Platten machen können, vielleicht würde dann mehr und besser hängenbleiben. So bleibt als Eindruck: Robots And Empire? Da war doch was, stimmt die hatten doch zig gute Ideen, aber welcher Song nochmal genau? Man behält keinen so richtig klar in Erinnerung. Das Artwork trifft den Gesamteindruck von "Omnivore" erstaunlich direkt: Einerseits so passend und aussagekräftig, andererseits so verwirrend und nichtssagend.

Rating: 7.5/10



Sirens "In Circles" CD (Clarity Records/ Cobra Records)

Schon das "Elch-Artwork" des Digipacks sieht sympathisch unkonventionell und frisch aus, es stammt vom bekannten Tatoo Künstler Jürgen Eckel (Times Of Grace Tattoos). Musikalisch sind die13 Stücke auf "In Circles" auch frisch und ungezwungen, sie greifen zwar mancherlei Elemente der melodischen Hardcore Geschichte auf, aber ohne in zu flache Gewässer zu schippern. Bands wie Youth of Today, Shelter oder auch Endstand kommen in den Sinn. Sirens schlagen auf "In Circles" im Gegensatz zum Vorgänger "Calling" etwas progressivere Wege ein, die der Band insgesamt mehr Spielraum für Variationen gibt und für Abwechslung sorgt. Entweder als CD mit 2 Bonustracks oder als limitiertes farbiges Vinyl mit Gatefold-Verpackung erhältlich.

Rating: 7/10



Skullflower "Desire For A Holy War" CD (Utech Records)

Was Matthew Bower da in den Wuthering Heights von West Yorkshire, UK ohne da wieder einmal für Krachterrorismus konzipiert und aufgenommen hat, verblüfft mich einmal mehr. Übelste Feedback-Tiraden prügeln völlig entartet und monoton, erbarmungslos auf die Gehörgänge des Hörers ein. Morbider, musikalischer Wahn in seiner freiesten und schönsten Form. Rabenschwarz ist die Musik, so schwarz wie die Welt. Black Noise. "Desire For A Holy War", grandioser Titel für ein Album, das nach "Orange Canyon Mind" und "Tribulation" kaum besser sein könnte. Es steht da, als freies Synonym, für den uralten Traum von hunderttausenden verlassenen Seele, die tausende und abertausende von wütenden Flüchen über die Welt nur so auskotzen. Sie sind steinalt und schreien nach Vergeltung. Immer und immer wieder.
Dies ist der erste von neun Teilen der Ursk Serie von Utech Records, die in allen Teilen vom zeitgenössischen Künstler und Maler Stephen Kasner visuell begleitet und gestaltet wird. Es stehen Veröffentlichungen an, von unter anderem The Vulture Club, Aluk Todolo, Fuyuki Yamakawa etc. Das Artwork zu "Desire For A Holy War" ist durchweg düster und trifft den Charakter der Musik in vielen Facetten. Das auf dem Cover abgebildete Gesicht wirkt mystisch-traumhaft und maskenhaft, gleichsam wie die Musik. Man weiss nicht, was sich hinter der Maske oder diesem Vorhang aus lautem, von Repetitionen durchsetztem, krankem Krach befindet. Jede CD der Ursk Serie ist von Hand zusammengesetzt und auf 750 Stück limitiert.

Rating: 9.5/10



Sludge "Lava" CD (Mighty Music)

Hier ist der Name wohl Programm. Sludge sind ein ordentlich schwerer Brecher aus der Schweiz und walzen ganz schön voran und machen direkt nach den ersten Klängen alles platt. Sludge mischen die Einflüsse von Bands wie Celtic Frost, Cathedral und Entombed und kochen daraus ihr eigenes höllisches, metallisches Süppchen. Die Band besteht schon recht lange und hat mit verschiedenen Platten und Konzerten seit Mitte der Neunziger immer wieder von sich Reden gemacht. Nach zwei Besetzungswechseln ging die Band gestärkt mit Makro, dem Gitarristen von Samael, ins Studio und hat ein beachtliches Werk an Heaviness eingespielt. "Lava" ist kompromißlos in der Härte und knallhart im Klang. Die absolut dicke und dichte Produktion ist ein Machwerk von keinen Unbekannten: Aufgenommen von Makro (Samael), abgemischt von Serge Morattel (Knut, Shora etc.) und gemastered von Alan Douches (Mastodon, Converge etc.). "Lava" ist neunmal Feuerspucken, ist neunmal massive Eruption, ist neunmal Vulkanausbruch der gewaltigen Art.

Rating: 7/10



Sofy Major/ One Second Riot "s/t" Split 10" (Irae)

Dass es derzeit im frankophonen Europa eine ganze Armada von Bands gibt, die diesen modernen, doomigen Hardcore spielen und dass das Qualitätslevel der Veröffentlichungen dabei auch noch extrem hoch liegt, bewiesen u.a. AMEN RA, YEAR OF NO LIGHT und TIME TO BURN mit ihren Album-Releases in den vergangenen Monaten eindrucksvoll. Nun, die Metaphorik mit der Spitze des Eisberges dürfte ja hinlänglich bekannt sein; die tradierte Annahme, dass der unter dem Wasserspiegel verborgene Teil der Unheilsbringer sei wird jedoch von der vorliegenden Split 10" von SOFY MAJOR und ONE SECOND RIOT widerlegt. Beide Bands, die sich außerhalb Frankreichs bisher noch unterhalb der Wahrnehmungsoberfläche befanden, stehen der besagten Spitze eigentlich in nichts nach. Am Anfang etwas sperrig anmutend, öffnen sich die Songs von SOFY MAJOR mit jedem Hördurchgang. Screamo-Anleihen bei GANTZ werden mit leicht chaotischen Elementen der Marke CONVERGE und Co. verdrahtet und mit einem Schuss fieser Düsterkeit der URANUS-Schule angereichert. Den Jungs aus Clermont-Ferrand in Zentralfrankreich gelingt es vorzüglich, das so abgesteckte Feld höchst Ertrag bringend zu beackern, ohne der Frucht nicht einen eigenen Geschmack verliehen zu haben. ONE SECOND RIOT aus Lyon gehen etwas dynamischer und verspielter als die Split-Partner, aber nicht minder intensiv zur Sache. Hier werden Math- und Noise-Elemente mit experimentellem Kram à la MILEMARKER (zu "Future Isms"-Zeiten) oder THE RED SCARE verknüpft. Die Songs beider Bands klingen höchst eigenwillig und spannend. Die schlechte Nachricht deshalb: von beiden Bands gibt es auf der vorliegenden EP jeweils nur drei Stücke zu hören. (Konstantin Hanke)



Sons Of Alpha Centauri "s/t" (Sound Devastation Records)

Die schier endlose Weite eines Ozeans, ein gewelltes, vor Kraft strotzendes Monstrum, blaugraue, fast schwarze Ungewissheit bis zum Horizont und auch dahinter kein Licht. Stattdessen nur grauer Himmel, dicke Wolken. Darin versunken, schwimmend, stehend: von Menschenhand geschaffener, vor sich hin rottender Tand. Diverse futuristisch anmutende Konstrukte in post-apokalyptischer Inszenierung: mit Munition gefüllte Kriegsschiffswracks, rostige Bojen, verwaiste Bohrinseln. Ein Ausschnitt aus dem aktuellen Zustand der Welt wird als Warnung und allumfassende Zukunftsvision dargeboten. Ein bedrohliches Szenario, eine schallende Ohrfeige für die Menschheit - und doch wohnt dem ganzen eine gewisse Ästhetik und Anziehung inne, die vielleicht aus der Hoffnung auf eine vom Zerstörer befreiten Welt erwächst. In etwa so wie das Artwork gestalten sich auch die Songs auf dem selbsbetitelten Album von SONS OF ALPHA CENTAURI. Die Stücke bewegen sich nah an der Motivik der im Booklet verwendeten Fotografien. Der eher rockige, als episch-flächige Postrock der Briten greift die dort abgebildete Düsterkeit und die Urgewalt des Meeres auf. Die Stücke sind sperrig, wellig und verdreht. Sie winden sich, sind unruhig und unbequem. Insgesamt musikalisch sehr solide, aber sicher keine herausragende Leistung. Was dennoch verblüfft und schlussendlich überzeugt, ist die Tatsache, dass es den Jungs aus der Grafschaft Kent vortrefflich gelingt über die Verbindung von Artwork und Klang nonverbal Inhalte zu kommunizieren. (Konstantin Hanke)



The Winchester Club "Britannia Triumphant" CD (Exile On Mainstream)


Bereits im Jahr 2000 begannen THE WINCHESTER CLUB aus London mit den Aufnahmen zu diesem Longplayer. In der Folgezeit ereigneten sich dann aber Dinge, an denen andere Bands wahrscheinlich zerbrochen wären: Zweimal gingen sämtliche Aufnahmen durch Laptop-Raub und Festplatten-Crash komplett verloren! Zwischen Berufen und anderen musikalischen Aktivitäten schaffte es die Band dann dennoch - sieben Jahre später! - "Britannia Triumphant" fertig zu stellen. Alle Beteiligten haben wirklich langen Atem bewiesen - und das völlig zu recht: es wäre schade gewesen, wenn diese Klänge nie den Weg in unsere Gehörgänge gefunden hätten. Langer Atem ist allerdings auch bei der Rezeption des Albums von Vorteil: Stücke von beeindruckender Länge (3 Songs in 40 Minuten!) schlängeln sich entspannt und grazil durch Ambient-/Post-Rock-Atmosphäre der Marke GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR. Flirrende Gitarren, dröhnende Bässe, dezent akzentuierte Drums, Field Recordings und vereinzelte Spoken Words sind die Zutaten, die in den spannungsgeladenen Crescendi der Briten verarbeitet werden. Alles sehr einfach gehalten, aber gewissenhaft und wirkungsvoll inszeniert. Schade eigentlich, dass dieses Album erst jetzt im Frühling erscheint und mir nicht bereits im Winter etwas Wärme hat spendieren können. "Britannia Triumphant" kommt in einer schicken Holzbox und ist weltweit strikt auf 1200 handnummerierte Exemplare limitiert. (Konstantin Hanke)



To Blacken The Pages "None" CD (Colony Records)

To Blacken The Pages ist Paul McAree. Nach zwei CD-R Veröffentlichungen ist "None" nun die erste richtige CD Veröffentlichung für Colony Records und den Künstler gleichermaßen. "None" enthält 30 Minuten und 3 lange Klangforschungen mit der Gitarre. Anfangs noch in der Nähe von Stimmungen die gut zum Dead Man Soundtrack (Neil Young) passen, verschiebt sich nach und nach der Fokus zu mehr verschrobeneren Ambiancen, die dann immer wieder im Verlauf der 3 Stücke zum Dead Man Thema zurückkehren und das gekonnt umgarnen, umspielen und uminterpretieren. Die dunklen Akkorde variieren in feinen Nuancen und werden über weite Minuten getragen und immer wieder neu unterbrochen und anschliessend wieder aufgebaut. Es ergeben sich dabei düster- dunkle Stimmungen. Visuell auch ganz dunkel und eher einfach ist das Artwork gestaltet, das dem Gesamteindruck noch mehr an Einsamkeit und Tristesse verleiht.

Rating: 8/10



Tournament "Swordswallower" MCD (Trip Machine Laboratories)

Tournament aus Brooklyn, NY spielen auf "Swordswallower" fünfmal spastischen Hardcore-Punk, der so lieblich-nett dahin gerotzt klingt, mit so einem 80'er Jahre Dischord Feeling dabei. Ausgangslage zur Gründung von Tournament im Sommer 2006 war und kann nur der Spass an der Sache gewesen zu sein. Sommer, rumhocken, Bier trinken, Mucke machen... just relaxing and having fun. Bands wie Drive Like Jehu, Karp, The Jesus Lizard, Hot Snakes, Wipers... kommen in den Sinn. "Swordswallower" ist wirklich ganz charmant gemacht und enthält 5 mal schweren, verspielten Punk Rock. Die braune Kartonage Verpackung macht sich ebenfalls gut und die "Swordswallower" EP ist auf 500 handnumerierte Exemplare limitiert.

Anspieltip: "Traveler", "Nightlion"

Rating: 7/10



Reviews Summer/ Fall 2008:

Neue Album Besprechungen nicht einmal mehr nach den Jahreszeiten. Der Verfasser dieser Zeilen kann da nur leise um Entschuldigung bitten, er bemerkt es ja: Das Interesse ist immer noch da. Wieder sind Konstantins Besprechungen ein gelungener Beitrag und eine willkommene Hilfe. Viel Spass mit der "neuen Musik", denn die vorgestellten Alben sind vielseitig und eine Beschäftigung damit lohnt sich auch dieses Mal.

A Storm Of Light "And We Wept The Black Ocean Within" CD (Neurot Recordings)



A Storm Of Light ist ein Trio aus Brooklyn, NY und die neue Band von Josh Graham (ex-Red Sparowes, Battle Of Mice, Blood And Time). Musikalisch ist "And We Wept The Black Ocean Within" ein schwerer, sich über den dunklen Ozeangrund hinschleppender Algenteppich mit jeder Menge doomigem und sludigem Tiefgang. Die Liedstrukturen sind in den 10 Stücken meist groß und mächtig angelegt. Langsam und zäh ziehen sich die Rhythmen wie die mächtig-wogende Ozeanströmung dahin. Einerseits durchaus hypnotisch, andererseits irgendwie lahm und zu statisch. Immerhin, obwohl man in Richtung Neurosis schielt und "And We Wept The Black Ocean Within" sicher auf die gleiche Hörerschicht abzielt, zu sehr wird nicht versucht wie Neurosis zu klingen oder sich deren Methodik zu bedienen. Das poetische Artwork mit Fischen und Walen passt zur Musik und lässt nicht zuletzt die oben genannten Assoziation zu Algen etc. aufkommen.

Rating: 7/10



Bird Show "s/t" CD (Kranky)



Dies ist das dritte Album von Ben Vida unter dem Namen Bird Show und der Nachfolger von "Lightning Ghost" (2006). Eingespielt wurde dieses neue, unbetitelte Album mit einer Reihe von Musikern, darunter Greg Davis, der ja auch schon bei Kranky veröffentlicht hat. Die zahlreichen Instrumente mit denen Vida diese Neo- und Free Folk vs Psych Platte eingespielt hat, sorgen für eine warme, dichte und sphärische Klangfarbe.
Die 10 Stücke stecken dann auch ein weites Feld von verschiedenen Stilen und Elementen ab, von eher simpler gestrickten "Field Recodings" zu "Kosmischer Musik", gepaart mit den verschiedensten Ethno-Musik Einflüssen. Ben Vida gelingt es dabei nicht aufgesetzt, im Sinne von "New Age" oder "Multi-Kulti" zu klingen. Vielmehr sind die Stücke ein feingewobener Teppich, der aus zahlreichen farbigen Mustern und Linien besteht, die zwar sehr gegensätzlich sein können, an den entscheidenden Schnittpunkten sich aber dezent überlappen und vermengen. Im Gesamtbild wird dann der Eindruck vermittelt, daß Bird Show in der Lage sind ein "Großes Ganzen" zu überschauen und es entsprechend intelligent darzustellen. Das passende Artwork zeigt dann auch die Vielzahl der verwendeten Instrumente und Klangkörper.

Rating: 8/10



Boduf Songs "How Shadows Chase The Balance" CD (Kranky)



Nach seinem Debut "Lion Devours The Sun (2006) folgt nun "How Shadows Chase The Balance", ein Album, das in eine ähnliche Kerbe schlägt wie das Debut. Sympathisch macht den Mann dahinter, Mathew Sweet, dass er sich nicht im geringsten um ein "Musik Geschäft" oder eine "Szene" zu scheren scheint. Mikrophon, Akustikgitarre und wenige andere Instrumente und Feldaufnahmen sind die Mittel mit denen sich Sweet in der Welt hörbar macht und daheim im Schlafzimmer, irgendwo in England, 8 neue Stücke aufgenommen hat. "How Shadows Chase The Balance" ist keine laute Platte, nein, bedächtig und melancholisch klingen da die Lieder mit dem sachten Gesang aus dem Nebel herüber. Es fällt nicht schwer zu glauben, dass Mathew Sweet die schwarzen Lieder meist des Nachts aufgenommen hat, aber, dass hat so banale Gründe wie weniger Lärm im Hintergrund durch die Nachbarschaft. Und wer ganz genau hinhört, kann dann und wann im Hintergrund immer noch Geräusche hören. Regentropfen die gegen das Schlafzimmerfenster prasseln oder auf der nassen Straße vorbeifahrende Autos... "How Shadows Chase The Balance" ist unkonventionell, dunkel und persönlich. Mathew Sweet zeigt uns eine leise düstere Innenwelt voller Angst, Isolation, Hass und Tod, aber untypisch und unaufdringlich.

Rating: 8/10



Color Haze "All" CD (Elektrohasch)



Das simpel "All" betitelte neue Album ist bereits die neunte Scheibe des seit 1994 existenten Rock-Trios COLOUR HAZE. Damit dürfte klar sein, dass das hier musikalisch kein Kindergeburtstag ist. Die Münchener Band präsentiert sich auf dem neusten Werk routiniert, abgeklärt und beeindruckend souverän. Die Platte ist auf dem Label von Sänger/Gitarrist Stefan Koglek publiziert, welches sich bezeichnenderweise Elektrohasch Records nennt! Darin lässt sich eine ungefähre musikalische Ausrichtung ableiten. Zu hören gibt es schwer Stoner infizierten Rock, der sich allerdings nicht auf plättende, geplättete oder gar platte Ergüsse beschränkt. Mit einem leicht jazzig verspieltem Ansatz und teilweise komplexen Arrangements schaffen sie es das Stoner-Klischee zu dekonstruieren und bewegen sich stilistisch eher in post- bzw. krautrockige Gefilde. Durch zusätzlichen Hammond- und Sitar-Sounds bekommt das ganze dann noch einen gewissen 60s-Psychedelic-Touch. Insgesamt sehr variabel, vielschichtig, ohne, dass dabei je der Zusammenhang verloren geht. Die Platte wurde von Koglek höchst persönlich produziert und gemischt. Der Sound ist ungemein erdig, hat fast eine bluesige Schwere. Absolut chillige, runde Platte, die auch nach wiederholtem Hören noch spannend ist. Vinylversion kommt als Doppel-LP auf 180g-Vinyl. (Konstantin Hanke)



Deadbird "Twilight Ritual" CD (At A Loss Recordings)



Im Jahr 2002 von zwei Brüdern gegründet, hat die Band schon rund ein Jahr später ihr erstes Album "The Head And The Heart" veröffentlicht um jetzt mit ihrem neuen 6 Track Monster "Twilight Ritual" nachzulegen. geboten werden dann auch rund 47 Minuten Höllenqualen voller schwarzer Psychedelia, dickem Metal mit einer kräftigen Portion Stoner, Doom- und Southern Rock. Das allein macht aber "Twilight Ritual" nicht aus, immer wieder finden ruhige Ambiancen, dronig-verträumte Momente mit klarem Gesang statt. "Twilight Ritual" poltert also nach vorne, verhackt sich, tritt auf der Stelle und driftet verträumt ab. Klar, insgesamt liegt der Fokus auf lauten, rohen und brutalen Rock-Schemen mit viel Tiefgang und Groove. Das Artwork Digipacks fügt sich in dieses Bild nahtlos ein und geht darin auf. deadbird waren unter anderem schon mit den folgenden Bands auf Tour und wem diese gefallen, der ist auch hier bestimmt gut bedient: Municipal Waste, Kylesa, Torche, Harvey Milk, Black Cobra, Weedeater.

Rating: 7/10



Deep + June "I Mog Deep (Deepinjune – The Abraxas Tapes" CD-R (Verato Project)



Ich kann ja nicht müde werden zu erwähnen, wie geschickt, toll und mit viel Liebe für's Detail die Veröffentlichungen von Verato Project immer aufgemacht sind. Auch diesmal: Bei diesem Release handelt es sich um eine 3" CD-R, bestimmt wieder limitiert auf 60 Stück, die in ein aus Stoffherz eingenäht ist. Das Innencover zeigt ebenfalls ein Herz, so eins dieser zum umhängen aus Lebkuchen oder so, die man auf dem Rummel mit weißem "I love You" Schriftzug kaufen kann. In diesem Fall steht da geschrieben: I mog deep.
Musikalisch bieten Deep and June eine elektro-akkustische Erfahrung. "I mog deep" ist eine gelungene Melange aus Rückkopplungen, Dronen und eher versteckten Melodien. Die Klänge wurden durch Bass und Gitarre live auf dem Let There Be Rock Konzert im Februar 2007 eingespielt. Fängt "I Mog Deep" eher verhalten an, so werden die Sounds nach und nach impulsiver und steigern sich zu massiven Vibrationen.

Rating: 7.5/10



Dianogah "Qhnnnl" CD (Southern)



Immerhin sechs Jahre sind seit "Millions Of Brazilians", dem Vorgänger des etwas kryptisch "qhnnnl" betitelten neue Albums von DIANOGAH, vergangen und es hat sich doch einiges verändert bei der Band aus Chikago. Der Anteil von Gesangsparts wurde zum Beispiel drastisch erhöht; fast möchte man meinen als trotzige Reaktion auf die derzeitige Instrumental-Band-Schwemme. Die Vocals werden dabei von Bassist Ray Ryan bzw. Gastsängerin Steph Morris (The Pawners' Society, Scotland Yard Gospel Choir) übernommen. Des Weiteren hat sich die Band, die eigentlich aus zwei Bassisten (Ray Ryan, Jason Harvey) und einem Drummer (Kip McCabe) besteht, Billy Smith (Gitarre), Andrew Bird (Violine) und Mark Greenberg (Keyboard) als Gäste ins Studio geladen, um den Gesamtsound anzureichern und die strikte Bass/Drums-Monotonie zu brechen und zu beleben. Der Mathrock-Ansatz wird dabei um ein paar angeschrägte Dischord-Anleihen, postrockige Ideen und wenig verzerrten Soundgebilden zwischen Rock und Jazz erweitert. Die daraus resultierenden, mal vertrackten, mal melodisch zuckersüßen Songs, die zwischen Sanftmut und kraftvollem Ausbruch pendeln, lassen mich immer wieder an RILO KILEYs "The Execution of All Things" (Gesang, Leichtigkeit), MILEMARKERS "Ominosity" (Schrägheit) und ganz besonders an REIZIGER denken. Genau wie jene Belgier bewegen sich nämlich auch die drei Chicagoer Burschen mit ihrem Sound zwar mittendrin in diesem ganzen Underground-Indie-Rummel, sind dort aber zwischen allen Stühlen positioniert. Sehr unkonventionell und leicht, ohne dabei trivial zu sein. Definitiv eine Platte die Spaß macht. (Konstantin Hanke)



Ehnahre "The Man Closing Up" CD (Sound Devastation)



Unfassbar diese Scheibe! EHNAHRE knallen uns hier eine derart abgefahrene Mischung aus jazziger Improvisationsästhetik, quälender Langsamkeit und purem Death-Metal-Wahnsinn um die Ohren, dass einem sämtliche Körperfunktionen auf der Stelle zu versagen drohen. Die fünf Bostoner, die u.a. bereits bei KAYO DOT und FORCEFEDGLASS (so eine Art CONVERGE-Vorgänger) ihr musikalisches Geschick unter Beweis stellten, bewegen sich mit ihren collagenhaften Krachkonstrukten immer ganz nah an der Schwelle zur Unhörbarkeit. Was immer ein wenig beliebig und zufällig wirkt ist in Wirklichkeit aber gut organisierter Wahnsinn. Die fünf namenlosen Stücke (von "Songs" zu sprechen geht in diesem Kontext irgendwie gar nicht) sind dermaßen voll gepackt mit Lärm, Breaks, Wendungen, Dynamik, Hooks und Klangschichten, sind so reich an Ideen, Sounds, Stimmungen und Gefühlen, dass man einfach wie gebannt die ganzen 40 Minuten über mit dem Ohr am Noise-Inferno hängt und gespannt zuhört, wie sich dieses Biest weiter entwickeln wird. Am Ende findet man sich dann entweder völlig entnervt oder absolut begeistert wieder; eine Position dazwischen ist hier fast nicht möglich. Der pure Wahnsinn! (Konstantin Hanke)



Eric Chenaux "Sloppy Ground" CD (Constellation Records)



"Sloppy Ground" ist nach "Dull Lights" (2006) das zweite Album von Eric Chenaux. Schon optisch scheint es eine recht liebliche Angelegenheit zu sein, mit allerlei Herzchen auf dem Artwork. Auch der erste Track, die Ballade "Am I Lovely", festigt diesen Eindruck. Die sanften Säuselmelodien mit Geigen und sanftem Gesang und einer allgemeinen Drone-infizierten Stimmung lassen "Sloppy Ground" von Anfang an leicht zugänglich erscheinen. Wer gerne Bonny Prince Billy, A Silver Mt. Zion oder auch Carla Bozulich zuhört, ist hier goldrichtig. Schöne, süsse Melodien und ein ebenso sanfter Gesang wabern dem Hörer um die Ohren, wollen ihn locken und in eine weiche, wolkig-neblige Welt entführen. Die Ballade "Rest Your Daylights" gehört dabei zu den Highlights des Albums. "Sloppy Ground" ist Chenaux' bislang stärkste Arbeit, denn der offene Zugang zu den 9 Stücken und eine dynamische Herangehensweise beim Songwriting, zeigen das Talent kleine, spezielle und farbige Kompositionen zu entwerfen, die sich in diesem Fall alle um das Thema Liebe zu drehen scheinen.

Rating: 7/10



Hesus Attor "Sonic Gastronomy Volume 1" CD (Monlee Records)



Hesus Attor ist eine erstaunliche Band aus Kroatien, die sich 2003 gegründet und in den Folgejahren mit vielen verschiedenen musikalischen Genres experimentiert hat. Mit "Sonic Gastronomy Volume 1" präsentiert die Band nun nach verschiedenen, selber veröffentlichten Platten, ihr wahres Gesicht. Gleich vorne weg: Hesus Attor würden ganz hervorragend zu Mike Pattons Ipecac Label passen, denn die Einflüsse auf "Sonic Gastronomy Volume 1" reichen von Mr. Bungle, The Dillinger Escape Plan, Melvins und allen sonstigen wahnwitzigen Experimentalisten auf Ipecac. Auch Ruins, die Boredoms, John Zorn kommen einem in den Sinn. Mathematisch höchst exakt und auf hohem technischem Niveau agiert das Quartett und attackiert die Hörnerven des Hörers penetrant und ohne Kompromisse. Die Songstrukturen sind vielseitig und vereinen viele verschiedene Stile, mit diesen bricht die Band dann immer wieder, ironisiert sie und zieht sie zwar gnadenlos aber auf sympathische Art und Weise ins Lächerliche. Ausgangsbasis ist dabei immer Metal und Hardcore, was aber immer recht schnell durch die verschiedenen Stil-Attacken unkenntlich gemacht wird. Für mich ist "Sonic Gastronomy Volume 1" durchaus eine kleine Überraschung!

Rating: 7.5/10



Kiss The Anus Of A Black Cat "The Nebulous Dreams" CD (Conspiracy Records)



Das dritte Album der Belgier mit dem beschissenen Namen. Glücklicherweise kann man getrost vermelden, dass nur der Name nichts taugt, denn die Musik ist gelungen und wird jedem Psych/Free/Doom-Folk Kenner gefallen. Die 3 Stücke sind minimalistisch instrumentiert, strahlen aber eine hypnotische und apokalyptische, düstere Stimmung aus. Vergleiche zu ziehen fällt nicht allzu schwer, und wir geben dem Leser die einsamen und stimmungsgeladenen Visionen von Current 93, Woven Hand oder Richard Youngs zur Hand. "The Nebulous Cat" ist ein gespenstisches, demonisches Konzept Album, das sich mit den dunklen Seiten der Globalisierung und der Modernen Gesellschaft beschäftigt. Zwar einerseits etwas zu theatralisch wirkend, andererseits wirkt da die minimalistische Auslegung der Songs wieder beruhigend und kontrastierend. Auch das Artwork ist eher spärlich und spröde gehalten, ganz in Schwarz und Weiss. Einzig das psychedelisch-verschlingende Cover macht da eine leise Ausnahme.

Rating: 7/10



Melvins "Nude With Boots" CD (Ipecac Recordings)




Etwa zwei Jahre nach "(A) Senile Animal" erscheint nun das neue Album der Melvins und macht einfach Spaß. Im Prinzip ist auch alles beim Alten geblieben und "Nude With Boots" ist eine zurückgelehnte, entspannte Rock Platte.
Fast 25 Jahre dabei und mehr als 25 Platten veröffentlicht und immer noch nicht genug und den Hörern nicht langweilig. Beachtlich. Vordergründig wirken die 11 Stücke einfach strukturiert und durchschaubar, aber immer wieder entdeckt man subtilere Songstrukturen, welche den Hörer in die Irre führen sollen, um es ihm mit dem typischen Melvins Witz nun nicht doch zu einfach zu machen. Durchaus schwer, noisig auch. Die Melvins haben es immer noch drauf. Sehr.

Rating: 8/10



Mills Of God "Call Of The Eastern Moon" CD (Modus Operandi)



Nach ihrer DemoCD vor über drei Jahren, erscheint nun endlich das erste "richtige" Album von Mills Of God über Modus Operandi. Zuerst fällt das Artwork auf, das bestimmt einigermaßen kontrovers aufgefasst wird und nicht jedem gefällt. Wir meinen es passt zur Musik, wie auch zum Titel. Gezeichnet hat es Tom Denney, der auch schon Bands wie Black Cobra, Deadbird, Kylesa, oder Sourvein mit Artwork ausgestattet hat.
Musikalisch gibt es auf "Call Of The Eastern Moon" 2 episch-lange, ausladenende, "tighte" und monumentale Stücke zu hören. Immer noch allesamt Instrumentals, was sich aber bei der nächsten Platten ändern soll, so hört man. Ich bin gespannt. Beide Stücke haben zusammen eine Spielzeit von über 40 Minuten, womit klar wird, welche Kiffer-Dimensionen sich hier eröffnen: 70'er Jahre getränkter, psychedelischer Doom-Rock. Ein schwerer Batzen. Aufgenommen in den Rogue Studios und gemastert von Bob Weston, dem Bassisten von Shellac. Am Sound gibt es daher nichts zu meckern. Als Bonus wurde auf die CD noch der 25 minütige Kracher "The Seed" vom Demo mit draufgepackt, gute Idee, den ich höre den Song immer noch gerne. Beide Formate, CD und LP, sind erstmal auf je 300 Stükck limitiert, also schnell sein...

Rating: 8/10



Modern Day Urban Barbarians "Sludgemouth" CD (self released)



Die Modern Day Urban Barbarians aus Brooklyn, New York mit ihrem nächsten spastischen Streich. "Sludgemouth" klingt kaputter und roher wie der Vorgänger "The Endless Retreat". Das Duo schafft völlig kaputte Trash Rock Melodien, voller wilder, manischer Energie, bestehend nur aus Bass und Drums. Auch so ein Fall von man irgendwo eine Gitarre entdecken möchte, aber nirgends eine finden will. Der panisch treibende Charakter ist immer noch da, eindringlicher wie je zuvor. "Sludgemouth" klingt erfrischend zielstrebig, brutal und primitiv entrückt. Das Duo ist sich seiner Stärken und Schwächen wohl bewusst. Es kokettiert damit, zieht sich ins lächerliche, dreht alles wieder um und macht daraus eine Stärke, bildet eine Klangwand die dann doch jeder ernst nehmen muss. Auch wenn es weh tut. Das ist Musik die "Nein" sagt, No Rock, Musik die sich verweigert und vor einem aufbaut und die Mißstände der Gesellschaft direkt ins Gesicht keift und darauf aufmerksam machen will. Großstadtleben in New York, 11. September 2001, älter werden etc. das sind auf "Sludgemouth" die Themen. Artwork natürlich totale Grütze und hässlich.

Rating: 7/10



The Mass "Holocene #6" CD-R EP (self released)



The Mass haben mit der "Holocene #6" CD-R eine auf 200 Stück und im Handel gar nicht regulär erhältliche limitierte EP veröffentlicht, die ohne viel Computer Aufnahmegedöns direkt eingespielt wurde. Die 4 enthaltenen Stücke wuchtig und rauh, roh, abgefuckt und mit dem für The Mass typischen Punk-Appeal und einem metallischen Unterton . Ihre unorthodoxe Herangehensweise beim Songwriting, was auch den Einsatz eines quäkenden Saxophons beinhaltet, und eine offensichtliche "Fuck You-Einstellung" was musikalische Trends und Stilrichtungen betrifft, machen Holocene #6" zu einer gern gehörten, spastisch-erfrischenden Angelegenheit. Die hässliche Aufmachung des Full-Glossy-Artworks passt zur Musik.

Rating: 7/10



Raglani "Of Sirens Born" CD (Kranky)



Zeitgenössische kosmische Electronica haben wir hier, in schöner Form. Mutige Dronen, die sich weit in das Hinterland des Geistes ausbreiten und auf ruhige, epische Weise verteilen. Elektronische und akustische Elemente vermengen sich zu majestätischen Klangwellen, die zwar in ihrem Ursprung erkennbar sind, aber deren Weg unvorhersehbar und eigenartig schön ist. Und so wachsen am Ufer dieses ruhigen und breiten Klangflusses allerlei kosmische und alienartige Blumen, die plötzlich von wüsten gestrandeten Schiffswracks und Maschinenlärm unterbrochen werden. Das unruhige Spiel von Dronen und post-industrialen elektronischen Maschinenmeditationen klingt gelungen. Artwork und Aufmachung wirken psychedelisch verzerrt und geben den Höreindruck stellenweise wieder.

Rating: 8/10



SardoniS "s/t" 7" (Electric Earth)



SardoniS kommen aus den Tiefen des Instrumental Rock aus Belgien. Zwar nur ein Duo bestehend aus Gitarrist und Schlagzeuger, aber mit der Durchschlagkraft einer kleinen Armee. Eigentlich schwer vorstellbar, dass nur zwei Leute so ne Kraftwumme fahren, von der gleich der erste Track "Nero D'Avola" Zeuge ist: Schwarzer Doom Rock mit Einflussen von schwarzen Kapellen wie St. Vitus oder Cathedral und den Retroklängen von Black Sabbath. Hier schauffelt der Yeti noch selber Schnee. Auch der zweite Track, "Skullcrusher AD" macht seinem Namen alle Ehre und spaltet ein Schädel nach dem anderen. Die Atmosphäre ist dicht und dunkel. Sludge Monster. "MOR", der dritte Track dieser unbetitelten EP walzt etwas schneller den Highway runter, mit einem Riffing, welches nicht unähnlich Eyehategod ist. Das finale Stück "Sick Horses" hat auch alle Maschinen am Dampfen, volles Rohr nach vorne walzt der Mammuth durch den Schnee. Wirkt etwas trashiger wie der Rest. Auf dem Cover ist natürlich obligatorisch der Sensemann abgebildet. Die Frage wie das Ganze in Albumlänge klingt und ob man da die Spannung über die ganze Dauer hochhalten kann, bleibt bis zum erscheinen des Debut Albums 2009 auf Electric Earth fraglich. Zu haben ist dieser Siebenzöller in einer limitierten Auflage von 250 Stück, wobei die 50 weißen Kopien mittlerweile schon ausverkauft sein dürften.

Rating: 8/10



The Dead Science "Villainaire" CD (Constellation)



Das US-Amerikanische Trio THE DEAD SCIENCE greift auf seinem neusten Werk den Ansatz der drei Vorgänger-Alben auf, treibt diesen aber in puncto Filigranität und Bizarrität absolut auf die Spitze. Expliziter als je zuvor gelingt Sam Mickens, Jherek Bischoff und Nick Tamburro auf "Villainaire" der Bruch mit bis in gähnende Langeweile gezwängten Hörgewohnheiten und eine Absage an den kleinbürgerlichen Spießer-Mief, der sich mittlerweile im Musik-Business breit gemacht hat. Hier wird sich ein Scheiß darum gekehrt was man machen darf, kann und soll; im Vordergrund steht eine möglichst integre Symbiose aus künstlerischem Ausdruck und möglichst breit vermittelbaren Klangkonstruktionen. Das ganze funktioniert dabei nicht nach irgendeiner Formel, sondern schlicht nach Gefühl. Strikt ungradlinig, könnte man sagen. Trotzdem bleibt das Trio mit seinen verschrobenen Kompositionen stets unerhört eingängig und hörbar. Soll heißen: die künstlerische Integrität bleibt trotz des eingegangenen Kompromisses "höchst genießbar" zu bleiben vollständig intakt. Auf extrem hohem musikalische Niveau werden unglaublich präzise, treffend und feinfühlig polyrhythmische Drumpatterns mit groovigsten Bassläufen und schräg-filigranem Gitarrengefummel verbunden. Bizarr und bisweilen frejazzig verwöhnen die Jungs aus Seattle den Zuhörer mit dermaßen extravaganten, fast operettenhaftem Klanggebilden, das einem beim Zuhören ganz schwindelig wird. Bei Zeiten wird das ganze orchestral intensiviert, wobei sich dann ein leichtes BRIGHT EYES Feeling breit macht. Mickens fallsettartiger Zittergesang, der an eine Mischung aus Prince und Conor Oberst erinnert, erhält in Verbindung mit den düster-skurrilen Lyrics eine ungeheuer surrealen Charakter. Den Jazz-Roots der Musiker sind zu jedem Zeitpunk deutlich hör- und spürbar, werden aber mit dem alternativen Indierock-Ansatz von BLONDE REHEAD und der Rock‘n‘Roll-Dekonstruktions-Attitüde von U.S. MAPLE zu einem schrulligem Avantpop-Gebilde verschraubt. Abgedrehte Instrumentierung (Harfe, Cello, Trompete, Posaune), schräge Arrangements, unkonventionelle Vortragsweise: THE DEAD SCIENCE leisten sich einen ziemlich eigen(artig)en, in Wort und Klang ungemein freiheitlichen Sound, der etwas sehr glamouröses, an einen 70er-Jahre-Bowie erinnerndes an sich hat. Insgesamt unheimlich kunstvolle Musik, die aber nie so verkrampft oder verkopft daher kommt, um als "Kunstkacke" diffamiert werden zu können. Sicher nichts um sich bei Kaffee und Kuchen davon berieseln zu lassen; aber wer nicht mit einem Brett vor dem Kopf zur Welt gekommen ist sollte sich diese Teil einfach besorgen und Spaß daran haben. Wie von Constellation zu erwarten, kommt das Ganze natürlich höchst exquisit aufgemacht, mit ausführlichem Lyric-Sheet und Gold-Coverdruck auf ökologisch wertvollem Papier. Eine umwerfende Scheibe! (Konstantin Hanke)



The Evpatoria Report "Maar" CD (Get A Life)



Das Schweizer Label Get A Life entwickelt sich so langsam zu einer äußerst interessanten Adresse in Sachen Postrock-Publikationen. Schon das im Mai 2008 dort veröffentlichte "Eutheria" von EQUUS wusste zu begeistern und musste fortan mein Tonträgerabspielgerät nur noch selten verlassen. Doch dann flatterten mir eines Tages THE EVPATORIA REPORT mit "Maar" ins Haus und okkupierten spontan den fest an die Labelkollegen vergeben geglaubten Platz. Das Album beginnt bedächtig und verlangt vom Hörer zunächst schon etwas Geduld; es dauert gute 5 Minuten bis zur ersten Eruption. Spätestens dann hat sich die Combo aber in einen betörenden Rausch gespielt, der den Zuhörer in seiner Intensität und Vielschichtigkeit fasziniert und  fesselt. Im Gegensatz zu den Labelkollegen EQUUS, die mit sehr mit filigraner, subtil variierter Monotonie agieren, setzen THE EVPATORIA REPORT doch eher auf Abwechslungsreichtum und Verspieltheit, ohne dabei wiederum je den Faden zu verlieren. Locker, geschmeidig und ohne irgendwo anzuecken bewegen sich die Schweizer gekonnt und grazil durch wunderbare, eingängige Klanglandschaften. Ausgesprochen kunstfertig schaffen sie es breite, warme Klanggebilde zu erzeugen, beherrschen Pianissimo wie Fortissimo. Erinnert von der Anlage her, in seiner "Geschichten-Erzählenden" Art, an SPARROW SWAR AND SING Aufnahmen. Rein klanglich geht das Ganze wegen seines großen Dynamikumfanges eher in Richtung Postrock a la MOGWAI, als an ein sirrendes "Kontinuum" der Marke GODSPEED YOU! BLACK EMPERRO zu erinnern. Zwischendurch schleichen sich sogar PINK FLOYD mäßige 60s-Experimental-Passagen ein ("Mithridate"), so dass "Maar" auch eine historischen Dimension erhält, durch die es eigentlich nie Gefahr läuft das Postrock-Blueprint der letzten Dekade zum x-ten Mal zu Tode zu reiten. Klar, THE EVPATORIA REPORT machen insgesamt nichts wirklich spektakulär Anderes; sie machen es hier nur einfach mal extrem gut! Das Album erinnert mit Verpackung sowie Inhalt stark an die Ästhetik von Constellation und schafft es auch qualitativ mit dort publiziertem Material mitzuhalten. Meiner Meinung nach eine Veröffentlichung, die das Referenzniveau in diesem Genre für die Zukunft ordentlich nach oben schraubt. (Konstantin Hanke)



Transitional "Nothing Real, Nothing Absent" CD (Conspiracy)



Das schlichte, aufgeräumte Design des vorliegenden TRANSITIONAL Albums suggeriert im ersten Moment: Elektro-Release. Schnell stellt sich heraus, dass diese Assoziation zwar nicht vollkommen zutreffend, aber im Endeffekt dann auch gar nicht so abwegig ist. Es geht sehr synthetisch zu auf "Nothing Real, Nothing Absent", dem ersten Release des neuen Projekts um Produzent und "Live Elektroniker" Kevin Laska (NOVATRON) sowie Dave Cochrane (JESU, GREY MACHINE). Die maschinenhaft monoton vor sich her stampfenden Rhythmen, die düsteren Melodien und die Sterilität des Klangbildes vermitteln in Kombination eine unbehagliche Kühle. Immer wieder breiten sich Endzeit-Szenarien oder Weltraum-Sci-Fi-Bilder vor dem geistigen Auge aus. Das dazu bemühte musikalische Material fällt äußerst spärlich aus; sägende Distortion-Sounds von Laskas Gitarre und ein derbe bissiger Bass von Cochrane, dazu programmierte Drums und Flächen. Auch wenn alles recht harmonisch zusammengebastelt wurde, ist die Scheibe auf Dauer dann doch etwas arg monoton und unspannend. Über eine halbe Stunde lang werden hier verschiedene Soundscapes relativ zusammenhangslos ausgebreitet. Es erscheint fast so als bestünde jedes der sechs Stücke aus je nur einer Idee, einer Phrase, auf der dann minutenlang herumgeritten und variiert wird, ohne die Parameter Dynamik, Melodik und Rhythmik auch nur annähernd zu berühren. Die Scheibe besitzt eher Soundtrackcharakter, als dass sie wie ein autarkes Musikwerk wirkt. Fühlt sich irgendwie unfertig an. (Konstantin Hanke)




Trees "Lights Bane" CD (Crucial Blast)

Gnaw Their Tongues "An Epiphanic Vomiting Of Blood" CD (Crucial Blast)

Nadja "Desire In Uneasiness" CD (Crucial Blast)

Crucial Blast kommt gleich mit einer ganzen Reihe neuer Publikationen um die Ecke, die die Herzen der Fans von sirrenden, experimentellen Heavy-Klängen höher schlagen lassen werden. Das Portland-Quartet TREES zelebriert auf seinem ersten Album "Lights Bane" dronemäßig vor sich hin wabernden Doom, der dermaßen an den Nerven zerrt, dass man Gefahr läuft nach Durchlauf der Scheibe sich selbst in der Anstalt abzugeben. Die beiden etwa viertelstündigen Tracks sind relativ abstrakte Anhäufungen noisiger Distortion-Texturen und Rythmus-Patterns, zu denen sich beizeiten ein Angst einflößendes Gekeife gesellt. Quälend langsam, verstörend düster, ungeheuer Nerven aufreibend. Geht richtig an die Substanz, das gute Stück! Ähnlich intensiv und ungeeignet sich dazu eine schöne Zeit zu machen ist "An Epiphanic Vomiting Of Blood", das neue Album von GNAW THEIR TONGUES. Schon der Titel suggeriert, dass es hier nicht besonders gemütlich zur Sache geht. Das niederländische Krachensemble generiert aus Kombination von mörderischen Doom-Basics und nihilistischen Orchester-Arrangements eine droneartige Klangkollage, die irgendwo zwischen simpler Horrorfilm-Effekthascherei und Unkonventionalität Neuer Musik zu verorten ist. Atonaler, walzender Shoegazer-Metal, der mal mit operettenhaftem Gesang, mal mit fiesestem Gekeife und dann wieder mit riesigen, düsteren Chören verziert wird. Etwas vielschichtiger und verspielter als bei den Labelkollegen TREES und GNAW THEI TONGUES geht es auf dem neuen Machwerk des kanadischen Duos NADJA von statten. Zwar gibt es auch hier wabernde, monotone Texturen galore, allerdings schieben sich hier auch immer wieder mal unterschwellig feine Melodien durch das Geräuschdickicht. Der übliche Shoegazer-Doom wird mit etwas feinfühligerem Ambient-Feeling zu brutalem, subtil variierenden Soundscapes verwoben. Wühlt innerlich ziemlich auf. Wie man es von Crucial Blast gewöhnt gibt es auf den drei Alben sehr künstlerisch intendierte Metal-Derivate, die für ungeübte Ohren allerdings eher nach einer Mischung aus Knistern und Rauschen klingen dürften. (Konstantin Hanke)



Unhold "Gold Cut" CD (Subversiv)



Es machte mir fast den Anschein als seien UNHOLD irgendwie nicht nur aus meiner, sondern auch aus der öffentlichen Wahrnehmung komplett verschwunden gewesen; nur noch blass sind die Erinnerung an eine "irgendwie gute Platte" die irgendwann "vor längerer Zeit" mal veröffentlicht wurde im Hinterkopf vorhanden. Und jetzt stehen die Schweizer Jungs urplötzlich quicklebendig mit neuem Album wieder auf der Matte. Vier Jahre haben sich UNHOLD mit dem Nachfolger zu dieser "irgendwie guten Platte" Namens "Loess" Zeit gelassen. Vier Jahre, die es den Jungs und dem musikalischen Material ermöglichte, sich ganz natürlich weiterzuentwickeln. Dass dieser jahrelange Reifungsprozess nur berechtigt war, beweisen die auf dem Album enthaltenen neun Songs, die es immerhin auf eine Gesamtspielzeit von 52 Minuten bringen. Mit Erfahrung, Witz und Spielfreude werden eingängige, einfache Heavy-Hooks mit sehr routiniert anmutendem Groove kombiniert. Sie sind damit gar nicht allzu weit weg von der doch simplen, aber niemals trivialen Catchyness der DEFTONES (z.B. "Sugarbread", "Hunger Doesn't Learn"). Auch vor größeren Spannungsbögen (z.B. "Zeroend") schrecken die Jungs aus Bern nicht zurück; kriegen aber immer noch die Kurve, kurz bevor es auszuufern droht. Dabei tauchen auch immer wieder stark an ISIS erinnernde Riffings auf ("Time Won't Tell", "Commissioner"), die aber so in den UNHOLD-Kontext eingebunden werden, dass sie nicht zum Plagiat verkommen. Die recht klare, druckvolle Produktion steht den aufgeräumten Songs äußerst gut. Trotz der teilweise überdeutlichen Referenzpunkte, haben UNHOLD auf "Gold Cut" eine in seiner Gesamtheit recht eigenständige Song-Sammlung zusammengebastelt, die zwischen aktueller ModernHC-Schwemme und Sludge/Doom-Hype eine angenehme Trendresistenz erkennen lässt. Schönes Artwork und Verpackung außerdem; enorm ambitioniert. Antesten! (Konstantin Hanke)



US Christmas "Eat The Low Dogs" CD (Neurot Recordings)



Bizarr, treibend und eigenwillig ist "Eat The Low Dogs" von US Christmas und nicht ganz so durchschaubar, was dem Labelprogramm von Neurot auch gut tut, wie ich meine. Freier, lauter und psychedelischer Rock der 70'er, Space Rock, Sludge, Stoner, Blues, Country... alles das findet man auf "Eat The Low Dogs" wieder und langweilig wird die Mischung nicht wirklich. Musik wie ein Drogenrausch. Irgendwo prall in der weiten Bergnatur North Carolinas herumliegen (daher kommt die Band). Da hat man viel Zeit und Raum um auf komische Ideen zu kommen. Zu Neurot kamen US Christmas übrigens über die Internet Radio Show von Scott Kelly (Neurosis). Das Artwork ist leider weniger gelungen und schwach und einfallslos, es wirkt wie von einer uninspirierten Vorstadt Hardcore Band.

Rating: 7/10




Reviews Fall 2008:

Der Herbst hat uns fest im Griff und die Flut an Veröffentlichungen auch. Sie wird auch nicht weniger in letzter Zeit. Unzählige, teilweise recht verschiedene Platten lagen hier stapelweise in den letzten Monaten herum. Erst eine sorgfältige Auswahl brachte Ordnung und die ein oder andere lohnende Platte zum Vorschein, welche im Folgenden besprochen und vorgestellt werden...



Ala Muerte "Santa Elena" CD (Public Guilt)



Im New Yorker Stadtteil (Queens) wohnhaft, und in eher zarten Klanggefilden beheimatet ist die unter dem Pseudonym ALA MUERTE antretende Musikerin Bianca Bibiloni. Auf ihrem Album "Santa Elena" geht es ein wenig experimenteller daher, als auf der neuen Lia Ices Scheibe. Aufgenommen wurde bei Bibiloni daheim, direkt in den Laptop. Alle Instrumente wurden dabei von ihr selbst eingespielt, alle verwendeten Field-Recordings selbst aufgenommen. Dissonante Sound-Collagen und zerrissen wirkende Gitarrenschnipsel legen das Fundament für die super reduzierte, latent düstere Musik, zu deren melancholischen Charakter auch der warme, klagende Gesang Biblionis beiträgt. Vom musikalischen Ansatz und von der Vortragsweise her erinnert mich das ALA MUERTE Album am ehesten an Scheiben von Kathy Cashel, ohne deren Stilistik auch nur im Ansatz zu imitieren. (Konstantin Hanke)



Akimbo "Jersey Shores" CD/LP (Neurot Recordings)



Anfangs ist nur ein seichtes Wellenrauschen zu hören, dazu ein meditativ-repetitives Bassriff, das irgendwie unehrlich Entspanntheit vortäuscht. Ein wenig später setzt die Gitarre mit einer unruhig, naiv-unschuldig wirkenden Tonfummelei ein, die gekonnt mit dem Bass kontrastiert und dadurch der Eindruck von falscher Ruhe noch verstärkt. Das dann wiederum etwas später einsetzende, etwas fahrig verspieltes Schlagzeug bringt eine nervöse Unruhe in den Klangraum, bevor das Stück "Matawan" dann nach etwa anderthalb Minuten zu den Worten "Don't forget the tide, she asks a heavy toll, her beasts dressed in blue" in ein bedrohliches Rockmonster erupiert. AKIMBO befassen sich auf "Jersey Shores" inhaltlich mit einer zwölf Tage andauernden Serie von Hai-Attacken an der Küste New Jerseys im Jahre 1916. Es ist ihnen auf vorzügliche Art und Weise gelungen die unheimliche Atmosphäre, beklemmende Angespanntheit, die Angst, die Brutalität und die Ungewissheit dieses Ereignisses adäquat in Klang zu transformieren. All die Unbedarftheit, Unschuldigkeit und naive Hilflosigkeit der Menschen, aber vor allem die Eleganz und Brutalität des Tieres finden fast leitmotivisch ihre musikalischen Entsprechungen im Konzeptalbum der Jungs aus Seattle. Diese Scheibe ist, wie der Protagonist der inhaltlichen Handlungsebene, ein wahres Biest! Wie gewohnt verbinden AKIMBO 70s-Heavy-Rock-Riffing mit Stoner-Feeling und einer gehörigen Portion Dreck. Neu im AKIMBO-Klangkosmos ist die atmosphärische Tiefe. Das Album besitzt eine wahnsinnige Dynamik. Mit unglaublich wenig Instrumentarium (ja, die Jungs sind tatsächlich noch immer nur zu dritt, benutzen lediglich Gitarre, Bass und Schlagzeug) werden enorm unterschiedliche Stimmungen erzeugt, dass einem schon allein von dieser Leistung schwindelig werden könnte. Durch das Hinzufügen des thematischen Sinnzusammenhangs, erhalte die Stücke dann noch zusätzlich eine Deutungsebene. Es ist unglaublich welche assoziative Kraft der Klang mit dem Wissen um die konzeptionelle Ebene besitzt. "Jersey Shores" ist keine lose Songsammlung, sondern ein konzeptionell und musikalisch absolut stimmige Vertonung von Naturgewalten, Emotionen und Gedanken. Die quälend beklemmende Grundstimmung der Platte lässt auch den Wechsel von Alternative Tentacles zu Neurot Recordings plausibel erscheinen. AKIMBO scheinen ein extremes Bedürfnis zu haben, sich auszudrücken: in schöner Regelmäßigkeit und in relativ kurzen Abständen veröffentlicht die Band aus dem Nordwesten der USA nun schon seit 2001 ihre Alben. Die hier vorliegende ist bereits die sechste in besagtem Zeitraum. Meiner Meinung nach auch die beste, weil ausgereifteste und stimmungsmäßig spannendste AKIMBO-Platte bisher. (Konstantin Hanke)



Beatglider "Witches" CD (Enraptured)

Ein etwas sonderbares und komplexes Album, das BEATGLIDER hier abliefern. Es sind nicht die Songstrukturen, die es so schwer fassbar machen, sonder seine ungeheure Vielschichtigkeit und musikalische Breitbandigkeit. "Witches" besitzt die gleiche fluffige Leichtigkeit, die etwa das Anfang des Jahres erschienen Album "Three" der britischen Südküsten- und Labelkollegen von JUNKBOY inne hatte. Zugleich wohnt aber allen Stücken auch eine fast greifbare Beklemmung inne. Shoegazing-Verträumtheit und narkotische Melodien werden mit Folk-Elementen zu mal glückseligen, mal unheilsverkündendem Dreampop verschnürt. Das ganze klingt sehr typisch englisch, ohne dass ich genauer beschreiben könnte, was ich damit meine. Neben einem unverkennbaren Folk-Einschlag, ist auch ein gewisser Syd-Barret-Psychedelic-Einfluss nicht zu verkennen. Das Album ist insgesamt vielleicht mehr Post-Rock (in der ursprünglichen, rock-dekonstruierenden Bedeutung) als es die unzähligen süßlich-klebrigen SIGUR ROS-Imitate oder derben MOGWAI-Nacheiferer jemals sein könnten. "Witches" macht vielleicht nicht beim ersten Hördurchgang "klick", offenbart aber mit jedem weiteren Durchlauf eine ungemeine Tiefe. Eher eine Platte zum Hinhören, als zum nebenbei Hören. (Konstantin Hanke)



Benea Reach "Alleviat" CD (Tabu Records)

Eine der besten skandinavischen Hardcore Bands der letzten Jahre war meine Meinung nach SELFMINDEAD. Vor all der in den späten 1990er Jahren losgetretenen Hysterie um Bands wie REFUSED, ABHINANDA und BREACH gingen die Releases der Schweden jedoch irgendwie unter. Als sich die Band 2003 nach fast zehn Jahren auflöste, beschlossen die beiden Gründungsmitglieder Ilkka Viitasalo und Marco Storm (aka Marko Hautakoski) es noch einmal mit einer anderen Band zu versuchen, zogen nach Oslo, Norwegen und stellten eine Band namens BENEA REACH auf ziemlich solide Füße. Schon mit ihrem 2006er Debüt “Monument Bineothan” konnten sie mit ihrer fiesen Mischung aus Skandi-Groove und düsterem Sludge überzeugen. Während sie in heimatlichen Gefilden dafür immerhin für den Spellemannprisen ("Norwegischer Grammy") nominiert wurden, erhielten sie in Mitteleuropa aber eigenartigerweise keine breitere Aufmerksamkeit. Das könnte sich jetzt ändern, denn mit "Alleviat" haben sie ein unwahrscheinlich überzeugendes Argument aufgenommen. Auf einem dicken Metal-Fundament ruhend und mit einer entsprechenden Produktion im Rücken, musizieren sich die Skandinavier frei von irgendwelchen Genrebeschränkungen munter durch alle Krachsegmente. BENEA REACH haben den saucoolen Skandi-Groove und die treibenden Direktheit, die SELFMINDEAD so auszeichnete, rüber gehievt ins Metal-Lager und verknüpfen diesen mit düsterer NEUROSIS-/ISIS-Beklemmtheit und einer schwerfälligen Heaviness à la MASTODON oder TIME TO BURN. Trotz viel Pose und “dicker Hose” macht sich die Scheibe so unwahrscheinlich gut in den Gehörgängen; weil hier nicht ständig sich selbst zitiert bzw. anderweitig bekanntes kopiert wird. Statt dessen wird unwahrscheinlich frisch, unverkrampft und progressiv mit dem ausgelutschten Genre "Metalcore" umgegangen. "Alleviat" ist definitiv eine der besten Scheiben in diese Richtung seit Langem! (Konstantin Hanke)



Benoît Pioulard "Temper" CD (Kranky)

Multiinstrumentalist Benoît Pioulard, der eigentlich Thomas Meluch heißt, veröffentlicht mit "Temper" sein zweites Album. Vordergründig ist alles beim Alten geblieben: Pioulard geht den auf "Précis" eingeschlagenen Weg konsequent weiter und baut ihn zu seinem Markenzeichen aus. Die bekannte, warme und sanfte Stimme und die leicht schrammelig wirkenden, lichten Kompositionen, die allesamt auf Akustikgitarrenmelodien basieren, werden immer wieder durch kleine Zwischenspiele durchbrochen. Diese hat Pioulard daheim analog aufgenommen, und das ist es auch, was seine Musik ausmacht: Ungeschönter quasi-Pop in seinen Gesangsstücken und weite, helle Klangcollagen in den Zwischenspielen. Die flächigen Field-Recording-Methoden, derer sich Pioulard dabei bedient haben ein erstaunlich hohes Niveau und weisen immer wieder zahlreiche Texturen auf, die nur beeindrucken können. Die Fotografien des Artworks stammen von Benoît Pioulard persönlich und sie scheinen direktes Abbild der 16 Stücke auf "Temper" zu sein: Überbelichtet, pixelig, ausschnittartig, farbig. Schöne Platte.

Rating: 8/10



Black Elk "Always A Six, Never A Nine" CD (Crucial Blast)

Geisha "Die Verbrechen Der Liebe" CD (Crucial Blast)

Noism "±" CD (Crucial Blast)

Hier die neuesten Veröffentlichungen aus dem Hause Crucial Blast in einem kurzen Abriss. Schon das Debut Album von Black Elk aus dem Jahr 2006 war gelungen, aber was die Band nun mit "Always A Six, Never A Nine" raushaut, schlägt die erste Platte konsequent. Black Elk spielen hektischen, aggressiven, wie schweren Noise-Rock mit komplexen Strukturen und abgefahrenen, bis zum Himmel reichenden Harmonien. Paranoide Rhythmen und abgefuckter Gesang und immer durchwoben von vielschichtigen Ambiancen mit atmosphärischen Elementen. "Always A Six, Never A Nine" ist beeinflusst von den Großen des Untergrunds wie Jesus Lizard, Melvins oder Hammerhead.
Die nächste Band sind Geisha aus Bristol, UK mit ihrer CD "Die Verbrechen Der Liebe". Was man da zu hören bekommt, ist schon eine seltsam-interessante Angelegenheit. Über eine Stunde dauert dieses düstere, monolithische Monster. Schwarzer, psychedelischer, noisiger Rock mit Elementen des Sludge, White Noise und allerlei Klangverzerrungen. Dann, nach 5 Stücken folgt ein Wechsel mit dem finalen, über 30 Minuten dauernden Track "Theme From Diana". Langsam steigert sich dieser epische Brocken aus Drone, Voice Samples, schweren Gitarren und Industrial Elementen. Kurz vor Schluss, implodiert diese Klangkonstruktion dann in einer Skullflower würdigen Noise Wand.
Noch härter und verrückter geht es bei Noism aus Tokyo, Japan zur Sache. 1999 hat Tomoyuki Akiyama Noism gegründet, um hochkomplexe, zerstörerische Metal/ Grind Attacken zu schaffen. Programmierte Highspeed Drums, verrückte Riffs und schräge Klangattacken scheinen die Lautsprecher in die Knie zwingen zu wollen. Noism schafft den ultimativen Metal Breakdown. Alles wirkt wie kurz vor dem Bersten. Maschinengewehrfeuer durchgehend. Lange hält man das aber nicht aus. Man denkt beim Hören in etwa an eine Pig Destroyer CD die fehlerbedingt weiter skippt. So verrückt wie das einerseits anmutet, so stumpf wird es bereits nach wenigen Minuten, was aber mit Sicherheit von Tomoyuki Akiyama bewusst intendiert ist.

Rating: 7/10



Christina Carter "Original Darkness" CD (Kranky)



Deutlich mit Kathy Cashel Reminiszenzen ausgestattet ist "Original Darkness", das dritte Kranky-Soloalbum von Christina Carter. Carter, die auch Mitglied der Texanischen Psych-Improv-Folk-Band CHARALAMBIDES ist, zelebriert auch auf ihrem neuesten Werk eine Folk basierte, super minimalistische, schräge Impro-Musik, die sich fast ausschließlich auf Gitarre (akustisch und elektrisch) und Stimme beschränkt. Arrangement der Stücke und Gesagsstil erinnern dabei frappierend an den Cashelschen Ansatz. Die Gitarreneinsprängsel sind dabei keineswegs tragende Elemente der Musik; sie liefern nur einen lockeren Boden, über die sich Carters mal zärtliche, mal energische, mal flehend winselnde Gesangsbeiträge legen. Das ganze klingt sehr zerbrechlich, verletzlich, im Endeffekt beklemmend, ja fast verstörend. Die reduzierten, monotonen Stücke sind in der Rezeption nicht ganz einfach, entfalten jedoch eine ungeahnte Kraft und Schönheit, wenn man sich nur darauf einlässt. (Konstantin Hanke)



Crisis Never Ends "Kill Or Cure" CD (Prevision)

Klischeehafter hätte etwas, das freiwillig in die Metalcore-Ecke gestellt werden will, nicht gemacht werden können. Vom Artwork, über das Geplänkel-Intro bis hin zum süßlich-klebrigen, ungeheuer zahmen Kuschelmetal ist hier alles zwar in sich stimmig, ab so ekelhaft typisch. Wer sich zum zigtausendsten Mal die selben Riffs, die selben stupide stampfenden Drumpatterns, die immer gleich klingenden Songs, die selben Gehalt vortäuschenden Texte anhören will bekommt wonach er verlangt. CNE klingen anbiedernd wie Sau, erfüllen jedwede Erwartungshaltung, betreiben pure Geschmacksbefriedigung. Nischen-Entertainment in Reinform, welches versucht über den Image-Trick mit der Hardcore-Maske halbwegs bodenständig zu wirken. Es bleibt hier beim Versuch. So einige Kids werden sicher ihre Sportübungen dazu machen und die Scheibe abfeiern, eine lange Halbwertszeit hat "Kill Or Cure" trotzdem nicht. (Konstantin Hanke)



Darsombra "Nymphaea" CD (Public Guilt)

"Nymphaea", ein einzelner Track, ist bereits seit mehreren Jahren im Live-set von Darsombra gewesen und als Studioversion nur auf einer CD Compilation im letzten Jahr erschienen. Nun wurde vom originalen Song, der auch auf der CD enthalten ist, extra für diese, auf 250 Stück limitierte CD von 12 verschiedenen Künstlern Remixe angefertigt. Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen und ist fast durchweg interessant zu hören, aber so ganz erschließt sich der Sinn dieser Veröffentlichung nicht. Enthalten sind auf "Nymphaea" folgende Künstler: Max Bondi & Bleeding Heart Narrative, Pulsoc, The Guilty Connector, Ala Muerte, Perfekt Teeth, Magicicada, Strotter Inst., Destructo Swarmbots, Blood Fountains, Decimation Blvd. And Darla Hood, The Heirs Of Rockefeller , sowie Le Knell. Die Aufmachung überzeugt voll und ganz und wurde von Chase Middaugh gestaltet, der ja durch seine Arbeiten bei Suishou No Fune, Aidan Baker & Beta Cloud oder Heavy Winged, bekannt ist. -

Rating: 7/10



Dirk Serries "Microphonics" LP (Tonefloat Records)



Nachdem Dirk Serries im Jahr 2005 VidnaObmana zu den Akten legte und Fear Falls Burning ins Leben rief, präsentiert er uns mit "Microphonics" nun die ersten Aufnahmen unter seinem Geburtsnamen. Rein technisch gesehen, sind die Stücke auf "Microphonics" unter leicht anderen Vorraussetzungen entstanden: Mit einer anderen Gitarre (1976 Gibson Les Paul Custom aka Black Beauty) und einem kleineren Verstärker. Auch die Effekte sind reduzierter als bei Fear Falls Burning. Trotzdem ist die Herangehensweise ähnlich loopbetont, jedoch viel pointierter und dichter in ihrer Gesamtheit. Die vier Stücke auf "Microphonics" sind ausladend und ins Weite rollend, offen, meist licht und dezent fein gewoben. Sie wirken verletzlich, warm und im Gegensatz zu FFB sehr persönlich. Nicht verwunderlich, so stellt diese Art des Musizierens für Dirk Serries doch die Basis und Essenz von all seinem Schaffen als Musiker dar. Der Charakter von "Microphonics" ist in keiner Weise so mystisch-düster, beklemmend und drückend wie es oft bei FFB der Fall ist. Hier ist der Blick auf den Horizont weit und offen, man steht auf einer Anhöhe, betrachtet die untergehende Sonne über einem Gewässer, monumentale Baumschatten und Vögel die sich vom Wind treiben lassen. Ur-Erfahrung. "Microphonics" ist eine entspannende, sanfte wie runde und voll klingende Platte, die sicher auch Liebhaber im Drone Bereich finden wird, denen FFB bislang nicht allzu spannend vorkam.
Natürlich ist diese LP wie bei Tonefloat Releases üblich mit aller Sorgfalt und Liebe zum Detail gestaltet: 180g Vinyl, Gatefold Cover mit minimalistischer Aufmachung und schönen Großstadtaufnahmen von Martina Verhoeven. Neben der Standard Ausführung auf schwarzem Vinyl (350 Exemplare), auch limitiert (150 Exemplare) auf durchsichtigem Vinyl zu haben.

Rating: 8.5/10



Enablers "Tundra" CD (Exile On Mainstream)

Mit ihrem neuen Album "Tundra" sind die Enablers nun in Europa auf Exile On Mainstream gelandet und veröffentlichen das neue, 10 Song Album in einer auf 1300 Stück limitierten Holzbox, die handnummeriert ist und ein Booklet mit sämtlichen Lyrics und Sticker enthält. Für eine gelungene äußere Präsentation ist also gesorgt. Musikalisch dreht sich immer noch alles um die einprägsame Erzählerstimme von Pete Simonelli, die durch die 10 Stücke auf "Tundra" führt. Der poetische, narrative Charakter ist es, der die Enablers ausmacht und entweder man findet daran gleich Gefallen, oder es wird sich eben nie erschließen, worum es bei dieser Art von Musik geht. Stimmungsvergleiche zu Slints "Spiderland" kommen einem in den Sinn. Intensiv, emotional und dunkel geht es auf "Tundra" zu. Faszinierend ist, dass mir eigentlich keine Band aktuell bekannt ist, die in einer ähnlichen Richtung so gekonnt agiert. Beim Namen "Enablers" weiß man sofort worum es geht: Dramatische Soundlandschaften, die immer um die Spoken Word Lyrics von Simonelli kreisen, sich darum herum schlängeln, Kontrapunkte setzen und ab und an ausbrechen. Das allgemein übliche Konzept von Lyrics, die sich der Musik unterordnen, wird bei den Enablers durchbrochen, was zu einem interessanten Spannungsbogen über eine Spielzeit von über 30 Minuten führt.

Rating: 7/10



Ensemble Economique "At The Foot Of Nameless Roads" CD (Digitalis Industries)



Ein besseres Artwork könnte es wohl für diese Veröffentlichung kaum geben. Außen hohe Berge, eher Vulkan und innen das "mentale Auge" in einer alten Abbildung wie sie gerne aus esoterischen Kreisen kommt. Diese monumentalen Eindrücke offenbaren sich auch beim Hören von "At The Foot Of Nameless Roads", einem Titel der auch gut in diese Bilder und Symbole passt, wie mir gerade beim Schreiben dieser Rezension auffällt. Ensemble Economique ist das Solo Projekt von Brian Pyle, besser bekannt durch die Starving Weirdos. "At The Foot Of Nameless Roads" ist von der sogenannten modernen Welt weit entrückte Musik, in der Technologie überhaupt keine Rolle zu spielen scheint. Der Klangeindruck von "At The Foot Of Nameless Roads" weckt beim Hören Assoziationen an einen Berganstieg im Urwald, den man im Fieberwahn bestreiten muss: Schwitzen bis zum Erbrechen und links und rechts des Pfades immer wieder unruhige Bewegungen, Gestalten die umherhuschen. Vodoo-Kult. Ensemble Economique ist durchaus Musik, die einen verfolgt und unruhig macht, gleichzeitig aber hypnotisiert und fesselt. "At The Foot Of Nameless Roads" ist voll von zwar kakophonischen Melodien, die aber gleichzeitig unheimlich faszinieren und meditativ erscheinen. Das Artwork stammt von Jefre Cantu-Ledesma von Tarentel. Limitiert auf 500 Stück.

Rating: 8/10



From Monument To Masses "Beyond God And Elvis" (Golden Antenna) MCD

Nach langer Abstinenz (zuletzt vor drei Jahren gab es zwei frische Stücke auf dem Remix-Album "Schools Of Thought Contend"; das letzte Studioalbum liegt gar fünf Jahre zurück) gibt es nun dieses kleinformatige Lebenszeichen von FROM MONUMENT TO MASSES. Dieses fungiert gleichzeitig als Appetizer für das im Januar 2009 erscheinende neue, dritte Album des US-Trios. Musikalisch bewegt sich das Ganze wie gewohnt durch einen fummelig-verspielten Klangraum, werden angeschrägter Indie- und Instrumental-Rock mit elektronischen Versatzstücken und Sprachsamples verbunden. Was im vergleich zu früherem Material auffällt, ist die fröhliche Leichtigkeit, die Einzug im Hause FMTM gehalten hat. Das Titelstück "Beyond God And Elvis", welches hier in der Original- sowie in zwei Remix-Varianten enthalten ist, wird auch auf dem Album zu finden sein, während "The Role Traverse" exklusiv auf diesem Release erscheint. Die CD-Version enthält außerdem zwei Live-Video-Clips. (Konstantin Hanke)



Impure Wilhelmina "Prayers And Arsons" CD (Get A Life! Records)

Lange schon besteht die Schweizer Band, seit 1995 um genau zu sein, und hat zahlreiche Besetzungswechsel hinter sich, was aber der hohen Qualität und Spielfreude, der 9 auf "Prayers And Arsons" vorgestellten Stücke keinen Abbruch getan zu haben scheint. Von der ursprünglichen Besetzung ist dabei nur der Gitarrist und Vokalist Michael Schindl übrig geblieben. Dies ist bereits die achte Veröffentlichung der Band. Wirklich bekannt bin ich mit den anderen Alben der Genfer nicht wirklich, aber "Prayers And Arsons" überzeugt durch eine Vielzahl an Stilrichtungen und Melodiebögen, die geschickt und intelligent ineinander verwoben sind und dabei alles abgrasen was von noisigem Hardcore und Metal, bis Doom und Rock, reicht. Dieser große Bogen führt sogar immer wieder zu einem sensiblen Pop Gefühl, das den Stücken immer wieder unterliegt. Stücke wie "Travel With The Night" oder "The Rope zeigen das hohe Potential der Band und die lange songschreiberische Erfahrung von, vermutlich, Michael Schindl.
Stimmungsmäßig bleibt man insgesamt irgendwo zwischen Melancholie, Wut und Trauer hängen. "Prayers And Arsons" ist alles andere, aber nicht stumpf und plump. Leider muss man aber auch festhalten, dass Impure Wilhelmina eher Insiderstatus genießen und sich das auch durch dieses gelungene Album nicht ändern wird, was einem irgendwie schon leid tut, bei soviel guten Ideen, Spannungsbögen und einer Gitarrenarbeit die durchweg überzeugt. Das Artwork des Digipacks ist zwar nicht sonderlich aufregend gestaltet, aber gelungen.

Anspieltips: "Travel With The Night", "The Rope"

Rating: 8/10



iM.G.R. y Destructo Swarmbots! "Amigos De La Guitarra" CD (Neurot Recordings)


Michael Gallagher von Isis und Mike Mare, bekannt als Destructo Swarmbots haben sich letztes Jahr in Brooklyn verbündet um "Amigos De La Guitarra" zu werden und dies auf einem über 42 Minuten dauernden Einzeltrack namens "Amor en el Aire" zu zelebrieren. Dass Ergebnis dieser Kollaboration erstaunt erstmal wenig und fügt sich nahtlos in das Oeuvre von Mike Gallaghers Solosachen und dem Mustard, Gas & Roses Decknamen ein. Ruhige Gitarren und nachdenkliche Ambiancen in Abendstimmung eben. Man muss Zeit mitbringen um die beiden "Amigos De La Guitarra" zu verstehen und um zu begreifen, was sie da eigentlich auf "Amor en el Aire" treiben. Langsam baut sich der Track mit Akustikgitarren auf und wird lauter, schwellender, dröhnender... fast noisig, um dann wieder merklich abzunehmen, sich beinahe gar gänzlich zu verlieren. Dies geschieht dann aber doch nicht, vielmehr schlägt das Stück eine andere Richtung ein, aber mit der selben melancholischen Grundmelodie. Das zieht sich dann wiederum über Minuten hin, in denen vordergründig kaum mehr passiert, wie zartes Gitarrenspiel. Aber irgendwann kehrt die Flut wieder zurück, und umspült alles umso lauter und dröhnender... verliert sich diesmal fast in übersteuerter Lautstärke und Rückkopplungen. Maschinelles Klackern lässt den Hörer am CD-Spieler zweifeln. Nein, nichts ist kaputt. Die Gitarren peitschen im Hintergrund laut weiter, während im Vordergrund das Wummern und übersteuerte, noisige Dröhnen dominiert. Gegen Ende läuft das Stück schimmernd aus... Layout ist gelungen, und man darf daher auf die Vinyl Euro Version gespannt sein. Wobei, dann müsste man ja einen Seitenwechsel vornehmen...

Rating: 8/10



Lia Ices "Necima" CD/LP (Rare Book Room Rec)

Lia Ices ist eine zierliche Junge Dame aus Brooklyn, NY, die auf sämtlichen Fotos so zerbrechlich aussieht, wie ihre Musik klingt. Im Fokus der Stücke steht ganz klar das Miteinander von Piano und Gesang. Dezente, aber sinnvolle Additionen von Streichern, Akkordeon, Klarinette und anderen Instrumenten verleihen den Stücken etwas mehr Tiefe und setzen prägnant Akzente. Der mit einer kratzigen Schwermütigkeit ausgestattet Kammerpop der New Yorkerin erinnert in seiner Fragilität, Schrägheit und spärlichen Instrumentierung an Stücke von Julie Doiron oder Chan Marshall (aka CAT POWER). Inspiriert und ermutigt durch ihre Ausbildung an der "Tisch School in the Experimental Theatre Wing" an der New York University, begann sie ihre Stimme als Transportmittel für Emotionen und als Ausdrucksmittel zu benutzen. Demzufolge müsste ihr Leben ein von eher düsteren Aspekten dominiertes sein, denn Ices leidet, schmachtet und hofft während der acht dahin fließenden Stücken auf "Necima" dermaßen, das man den Eindruck gewinnen könnte es hinge ihr Leben davon ab. (Konstantin Hanke)



Lusca "st" CD (diy)

LUSCA, das sind zwei Bass spielende Menschen aus dem Fränkischen, die mit Hilfe von Drumcomputern und Samplern einen zähen Soundbrei kreieren. Das selbst aufgenommene und in Eigenregie veröffentlichte erste Album beinhaltet insgesamt fünf Stücke, die sich irgendwo zwischen doomigem Sludge und fast Drone-artigem Noise bewegen. Aufgrund der zahlreich eingesetzten Maschinen, haben die Songs auch ein gewisses Industrial-Feeling. Insgesamt unendlich schleppend, unendlich düster. Die Stücke verbreiten eine derartige Hoffnungslosigkeit, dass ich in der Herbst-Dämmerung schon Beklemmungen bekomme. Wer an so geartetem Klangmaterial seine Freude hat bekommt hier aber guten Stoff. (Konstantin Hanke)



My Sleeping Karma "Satya" CD (Elektrohasch Schallplatten)

Schon am Artwork des Digipacks merkt man, dass es hier nicht aggressiv und verkrampft zur Sache gehen wird. Buddha lässt grüssen. Einen Moment später bestätigt mich der Pressezettel mit meinen Vermutungen dann auch: Inhaltlich geht es auf "Satya" um die Konflikte und Menschenrechtsverletzungen in Tibet. Die Grundmotivation der Band ist dabei Entspannung und Euphorie miteinander zu verbinden. Dieser Vorsatz findet sich auch musikalisch auf "Satya" verwirklicht: Liebe für kleine, unscheinbare Details, feine und spannende Melodiebögen, die sich schimmernd auf und ab bewegen und für eine positive Grundstimmung beim Hörer sorgen, obwohl über den Songs eine feine Melancholie zu schweben scheint. Der Sound dieser psychedelischen Rockplatte ist warm und dicht. Bis auf wenige Ausnahmen sind die 12 Stücke instrumental gehalten und "Satya" wirkt wie aus einem Guss. Dynamisch, organisch und ruhig pulsierend. Das Album gibt sich in keinem der Lieder eine Blöße oder schwächelt. Die Arrangements sind mit Bedacht gewählt und zeugen von einem entspannten, intelligenten Songwriting. My Sleeping Karma haben mit "Satya" ein schönes Album eingespielt, das sich bestens eignet, um sich mal eben hinzulegen und seinen Gedanken nachzuhängen. Werde ich öfter anhören.

Rating: 8/10



Jonas Reinhardt "s/t" CD (Kranky)

Ist Jonas Reinhardt eigentlich der Sohn von Django Reinhardt? Ich weiß es nicht, ist aber auch nicht so wichtig, denn unabhängig davon: Diese Platte ist gut! Bewaffnet mit einer Reihe analoger Synthies und alten Drum Maschinen nimmt uns Jonas Reinhardt mit auf die Reise in eine krautige, 70er Jahre inspirierte Klangwelt, in der die Grenzen unklar und sanft verwischt sind. Viele, meist warme Farben, leichte Konraste. Das Album ist eine durchaus hippe Klangmeditation zum Zusammenspiel von Zeit, Mensch und Maschine. Wabernd, licht, einlullend mit vielen Kraut Einflüssen. Cluster sprechen zu uns, Harmonia auch. Reinhardt lebt in Kalifornien und da passen seine Sounds auch gut hin. Nach einem Strandtag mit offenem Verdeck über den Highway eine Stunde heimfahren. Die Sonne ist noch warm, hat aber ihre Mittagshitze bereits verloren. Trotzdem spürt man noch ihre ganze Energie, und parkt beim Bier holen doch besser im Schatten. Angenehm undurchschaubar ist die Platte, obwohl man ohnehin nicht mit großen Überraschungen rechnet, denn viel zu entspannt geht es da zur Sache. Arwork schön "artsy" und gelungen, ich brauch' nicht mehr, um Fan zu sein.

Rating: 8/10



KK Null "Oxygen Flash" CD (Neurot Recordings)

Richtig beschäftigt habe ich mich nie mit KK Null aka Kazuyuki Kishino aus Tokyo, Japan, allerdings ist mir sein Schaffen bei Zeni Geva bekannt. Umso überraschter war ich dann, wie gelungen "Oxygen Flash" ist. Vielleicht liegt es daran, dass KK Null nach über 20 Jahren Beschäftigung mit Gitarrensounds und über 100 Veröffentlichungen nun einen Schritt hin zu mehr elektronisch animierten Soundkollagen getan hat. Gebrochene Rhythmen, zersetzt von fieseren Noise Attacken und minimalistischen elektronischen Klangspielereien sorgen dafür, dass "Oxygen Flash" eine spannungsgeladene, abwechslungsreiche Angelegenheit ist, die man bei den ersten Hördurchgängen kaum durchschaut. Zu undurchsichtig, gebrochen und vielfältig sind die tonalen Experimente, angesiedelt in den weiten Feldern von Electronica, Noise, Drone und Ambient. Störgeräusche wie Detonationen, Knacken, nerviges Fiepen schrecken ab, aber lassen immer wieder offenbar werden, wie erstaunlich zugänglich "Oxygen Flash" trotzdem gehalten ist.
Zwar ist die Aufmachung des Albums nicht sehr spannend und aufwändig gestaltet, aber die Visualisierung der Klangwelten auf "Oxygen Flash" schafft sie dennoch: Man fühlt sich an fremde Welten aus alten Science-Fiction Movies erinnert. "Cosmic noise maximal/ minimalism", treffend formuliert.

Rating: 8/10



Maarten Van Der Vleuten "High Intolerance Towards Low Energies" LP (Tonefloat Records)



Maarten Van Der Vleuten ist ein niederländischer Musiker und Produzent, der bisher unter 26 verschiedenen Künstlernamen Detroit Techno, Electro, House und eher Experimentelles und Ambient aufgenommen hat.
Van Der Vleuten, 1967 geboren, veröffentlicht mit der "High Intolerance Towards Low Energies" LP sein erstes Album unter seinem Geburtsnamen, den er fortan für seinen musikalischen Output verwenden will. "High Intolerance Towards Low Energies" ist eine von Tonefloat sehr ansprechend gestaltete LP, limitiert auf 500 Exemplare, und auf 180g Vinyl gepresst. Das luxuriöse Gatefold Cover mit einem eher rostig anmutenden Artwork trifft gut den submarinen Charakter des Albums: Man meint von der Wasseroberfläche des Meeres langsam abzutauchen, Druck baut sich auf, je tiefer man sinkt. Dröhnen in den Ohren und plötzlich sieht man in der Tiefe ein altes, mächtiges Schiffswrack auf dem Grund liegen. Der Rost zeigt, dass es da schon gar Jahrhunderte liegt. Neugierig und interessiert umkreist man es, aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Flüstern und Murmeln, wabernde Stimmen und rhythmisches, maschinelles Stampfen. Nervöse, pulsierende Bass- Frequenzen und seltsame, gebrochene Melodiefetzen. Halluzinationen? Tiefenrausch? Man weiß es nicht. Maarten Van Der Vleuten gelingt es auf "High Intolerance Towards Low Energies" ein eigentümlich dichtes Gewirr aus Drohnen und Ambiancen zu schaffen, das in seiner Gesamtheit zu überzeugen weiß. Dass Van Der Vleuten mit dieser LP ein anderes Bild im Kopf hatte als mein submariner Eindruck, ist nicht weiter schlimm. Er legt den Fokus der Interpretation eher auf eine radikale Darstellung unserer sich immer schneller beschleunigenden Umwelt und will diesen Eindruck mit "High Intolerance Towards Low Energies" eingefangen haben. Diese Intention passt auch wunderbar zu dem unruhigen, fast bedrohlich wirkenden Charakter des Albums. Die enthaltenen 4 Stücke offenbaren eine nervöse Welt in der man entweder immer wieder ob der Bildhaftigkeit paralysiert und staunend stehen bleibt oder eben wie im Fieberwahn durch einen Irrgarten voller unruhiger, fremder Stimmen stolpert.

Rating: 8/10



Milton Cross "Light In The West" CD ( Digitalis/ ACE)

Milton Cross ist ein Teil der nicht ganz unbekannten Band Tarentel. Er veröffentlicht mit "Light In The West" eine experimentelle Soloplatte die weitestgehend auf seinem Studium von Geige und Harmonium beruhen. Dass es nicht irgendein Herumexperimentieren ist, wird beim Hören schnell klar. Nicht weiter verwunderlich, denn Milton Cross hat eine musikalische Ausbildung hinter sich. "Light In The West" ist dementsprechend eine vielschichtige Sache, mit vielen organischen Details, die man bei jedem Hördurchgang neu und an anderer Stelle entdeckt. Das Album ist wohl durchdacht, simpel und direkt, was eine dichte Atmosphäre und viele Ebenen ermöglicht. Die dicke, aufklappbare braune CD Hülle passt gut in dieses Bild. Sie wurde dezent, aber passend von Eden Hemming Rose gestaltet. "Light In The West" ist auf 500 Stück limitiert. Insgesamt ein angenehm bescheidenes, unorthodoxes Album.

Rating: 7/10



Monno "Ghosts" CD (Conspiracy Records)

Schon das eintönige, schwarz-graue Artwork macht deutlich: Hier führt der Weg durch dunkle Nebelschwaden und schwarzen Frost. "Ghosts" macht sicher keinen Spaß und positive Gefühle oder Stimmungen wollen beim Hören auch nicht gerade aufkommen. Röhrende Gitarren, meditativ hallende Stimmen, und metallene, statische Drums... so geht das minutenlang. Brutal, eiskalt, schwere Riffs... psychotische Panikattacken, kranke Vocals... so stellt sich "Ghosts" dar.
Zwar ist die banale Kälte und die eintönige Schwere der 5 Stücke durchaus beeindruckend, aber schon nach kurzer Zeit sehnt man sich dann doch nach mehr, worauf man aber auf "Ghosts" vergeblich hoffen darf. Hier wird ein Lebensgefühl vermittelt, das sich dann doch noch einige Etagen tiefer befindet als die großen Seemonster aus den Fabeln des Mittelalters, die sich in unseren Zeiten als Riesenkraken entlarvt haben und immer wieder tot ans Ufer gespült werden oder Fischern ins Netz gehen.

Rating: 7/10



Oblong Box "13th Floor" 3" CD-R (Public Guilt)


Die Klanglandschaften auf dieser nur auf lächerliche 100 Stück limitierten 3" CD-R ziehen ihre Einflüsse aus alten 60er Jahre Horror Kinostreifen. Ist das menschliches Röcheln was man da leise vernimmt? Subtile Schwingungen, leises metallenes Klappern, geistig krank wirkende Sprachsamples und klaustrophobe Stimmungen ziehen die Psyche des Hörers an dunkle Orte und bannen sie dort... bis sie regungslos und starr in der Dunkelheit verharrt, unfähig sich zu rühren und zu regen. Gegen Ende wird es lauter, zerfahrenes Dröhnen und schwarze Noiseschwaden. Lieber mal Licht anmachen.
Oblong Box ist Bill Henson, der Mann hinter Housepig Records und die eine Hälfte des Duos von Juhyo aus Minneapolis.

Rating: 7/10



Sirens "The Sound Of Fire" 3" MCD (Let It Ride Records)

Zuerst fällt die nette Verpackung von "The Sound Of Fire" auf: Die 3" MCD liegt in einer kleinen Metallbox, die außen mit dem Bandlogo versehen wurde. Musikalisch werden dem Hörer in knapp 13 Minuten 3 eigene Hardcore Kracher und ein Beyond Cover ("Effort") um die Ohren gehauen. Die Stücke sind treibend, auf den Punkt gespielt und haben alle samt den für Sirens typischen, leidenschaftlichen Gesang. Die Produktion ist ein richtiges Brett und klingt laut und dicht. So erinnere ich mich mal wieder gerne an die Zeit als ich noch dem Hardcore verfallen war. Besonders auffällig sind dieses Mal die starke Gitarrenarbeit mit dem ein oder anderen Solo. Macht Spaß. "The Sound Of Fire" ist auch als 7" Vinyl EP über Cobra Records zu bekommen.

Rating: 7/10



The Eightfold Model "s/t" LP (Tonefloat Records)

Hinter The Eightfold Model verbergen sich keine Unbekannten: Es sind Schneider TM's Michael Beckett und Dirk Serries (Fear Falls Burning). Was haben die beiden uns aus ihrer E-Mail Zusammenarbeit anzubieten? Es sind teilweise sperrige Collagen aus Feld Aufnahmen und FFB-artigen Gitarren, die im Gesamtbild zwar nicht unbedingt immer harmonisch zusammen passen, doch das müssen sie auch nicht. Sie offenbaren vielmehr den rohen, ungehobelten Charakter dieser Zusammenarbeit, der nichts beschönigen oder gar glattschleifen will. Abstrakte Klangskelette reiben sich mit feineren Soundtexturen, die allesamt dunkel aber nicht bedrohlich wirken. Die Zeichnungen des Artworks von Ilan Katin mit all ihren Windungen und kurvigen Formen entspricht und greift ganz gut den verschlungenen, undurchsichtigen Charakter dieses Albums, der vordergründig scheinbar nur über einfache Linien funktioniert. The Eightfold Model entwickeln ihre Vorstellungen gemeinsamer musikalischer Kommunkation sicherlich nicht für jeden, der sich sonst so im Bereich von Feld Aufnahmen oder Ambient tummelt, aber Serries und Beckett haben ein Album geschaffen, welches das Offene Ohr reizt und herausfordert. Man will The Eightfold Model und ihrem E-Mail Code auf die Spur kommen und ihn entschlüsseln, um die versteckten Botschaften direkt und unmittelbar zu lesen. Das 180g Vinyl kommt in einer Gatefold Verpackung und ist limitiert auf 500 Exemplare.

Rating: 8/10



The Kings Of Frog Island "2" CD (Elektrohasch Schallplatten)


The Kings Of Frog Island haben ihre Instrumente für die Aufnahmen ihres zweiten Albums runtergetunt bis zum Anschlag und es dabei aber geschafft, eine warme, fast bluesige Atmosphäre zu schaffen. Die 10 Stücke sind pechschwarz und psychedlisch-verspielt. Zeitweise fühlt man sich an die frühen Monster Magnet erinnert, oder an Black Sabbath und Aphrodities Child. Zwar wird der Hörer auf eine intensive, dunkle Reise mitgenommen, aber er fühlt sich dabei geborgen und behütet aufgenommen in diesem warmen und fein gewobenen, schweren Rock. Doom Elemente und Blues tragen daran ihren Anteil. Am besten spätabends bei diffusem Licht hören, natürlich mit einem Glas Whisky in der Hand und die Flasche immer griffbereit...

Rating: 7/10



Treachery "s/t" CD (Czar of Crickets Productions)

Treachery sind der Eingang zur Hölle. "Verachtung für die heimtückischen und schwachen Eigenschaften der menschlichen Rasse hat zur Bildung von Treachery geführt", so heißt es im Pressezettel. Man ist fast geneigt das zu glauben. Musikalisch wird ein scharfkantiges Pentagramm aus Industrial, Black Metal, Doom und Ambient gezeichnet (ok, wir bleiben bei einem Quadrat...). Es klingt fies und so kaputt und abgefuckt dunkel. Die Teufelszacke hat dabei Frontfrau Rachael Kozak aka Hectate in der Hand, die sie ja auch schon bei Belphegor eingesetzt hat. Ihre Vocals sind derb, schneidend und brennen sich unbarmherzig ihren Weg durch diesen Höllenschlund in 5 Akten. Auch das Artwork spricht Bände.

Rating: 7/10



V/A: Living Bridge 2xCD (Rare Book Room Records)



Guter Einstand für das neue Label aus New York, das sich mit der Living Bridge Compilation auf zwei CDs mit 25 Songs eindrucksvoll als abwechslungsreiches Label vorstellt. Natürlich sind nicht alle enthaltenen Bands und Künstler auf Rare Book Room Records, vielmehr handelt es alles um Musiker, die in den Rare Book Room Studios aufgenommen haben und bis auf ein Stück, alle Tracks extra für diese Compilation aufgenommen haben. Jeder Act wurde einen Tag ins Studio eingeladen und vor der Aufnahme wurde die Bitte mitgegeben, lange Intros und Outros in die Songs einzubauen, so dass die Compilation im Endergebnis homogen und wie aus einem Guss wirkt. Hat größtenteils funktioniert. Mir persönlich gefällt die Compilation sogar viel besser, wie die eigentlichen richtigen Veröffentlichungen von Rare Book Room Records. Enthalten sind auf Living Bridge folgende Acts: Avey Tare, Telepathe, Palms, Black Dice, Tara Jane O'Neil, Samara Lubelski, Blood On The Wall, Silver Jews, Charles Gansa, The Naysayer, TK Webb, Lisa Ices, Theo Angell, Rings, Deerhunter, Enon, Fischerspooner, John Wolfington, La Lus, Doldrums, Silent City, Sam Jayne & The Simpson, Sound System, Tomorrow's Friend, Kapow, sowie The Jewish.

Anspieltips: Palms, Black Dice, Samara Lubelski, The Naysayer

Rating: 7/10



Valerio Cosi "Heavy Electronic Pacific Rock" CD (Digitalis Industries)

Zwar ist Valerio Cosi erst 22 Jahre alt, aber sein Talent ist nicht von der Hand zu weisen: Er spielt in erster Linie ganz wunderbar Saxophon, arbeitet aber außerdem mit verschiedensten Instrumentierungen und Klangerprobungen. Cosi "Heavy Electronic Pacific Rock" ist Cosis erste CD Veröffentlichung und gleich eine monströse wie anstrengende Angelegenheit geworden. Fast eine Stunde dauert dieser Kraut infizierte Ritt, durch den experimentellen, zeitgenössischen Free-Jazz, zerwaschen und vermahlen mit Dronen, Noise und eher östlichen Rhythmen. "Heavy Electronic Pacific Rock" ist streckenweise eine durchaus abgedrehte Angelegenheit, die aber ebenso den Sinn für feinere Strukturen bewahrt, wie zum Beispiel auf dem letzten Stück. Valerio Cosis Instrumentierungen sind eine frische, spannende Angelegenheit, für die man allerdings die nötige Aufmerksamkeit und Nervenstärke mitbringen muss.

Rating: 7/10



Within Walls "Set Me Free" CD/LP (Blacktop!/Cobra X)

Seed Of Pain "First And Last And Always" CD (Let It Ride/Cobra X)

WITHIN WALLS aus dem österreichischen Dornbirn (am Bodensee) spielen relativ direkten Hardcore, der - mal schnell geknüppelt, mal moshig, mal melodisch rockig - angenehm abwechslungsreich daher kommt. Die zwölf Stücke auf "Set Me Free" bewegen sich irgendwo zwischen TRIAL, DAMNATION A.D. und (frühen) SNAPCASE, weisen aber auch Spuren von frühem Good-Life-Kram (LIAR, KINDRED, CONGRESS) auf. Mit der Nennung der Anknüpfungspunkte wird recht klar, dass sich die Österreicher eher rückwärts gewand orientieren. Dem zu Folge gibt es auf dem Album musikalisch wie inhaltlich (Zitat aus der Labelinfo: "frustration [...] caused by the increasing competion on social status, carreer pressure and material wealth we all have to face"; wie oft hat man so was schon gelesen...) wenig überraschendes zu hören. Alles so schon Mal da gewesen, alles so schon Mal gehört. Bezeichnenderweise gibt es im zehnten Song in Form von "Still I Believe"-Chören ein (verdrehtes) BATTERY-Zitat, bevor dann mit dem wiederholten "A revoltion starts within" REFUSED Respekt gezollt wird (Gut geklaut!). Insgesamt ist die Scheibe durchaus gut gemacht; beim ersten Hördurchgang hatte ich richtig Spaß daran. Nach mehrmaligem Hören stelle ich mir nun aber die Frage, wer denn so eine Platte überhaupt braucht, wenn man auch die "Originale" hervor kramen könnte? Ganz klar: die Leute, die der "guten, alten Zeit" sehnsüchtig nachblicken, eine "Szene", die sich selbstgefällig immer wieder selbst zitiert und dabei borniert und steif wie ein Spaten ist, sowie die nächste Generation, die das ganze hier nochmal brühwarm und in leicht verdaulichen Häppchen vor die Nase gesetzt bekommt. Kulturelle Selbstreferenz und Wiederverwertung als Indikator dafür, dass HC längst in der Popkultur angekommen ist.
Auch SEED OF PAIN aus der Schweiz scheinen sich mit selbsgenannten Referenzen BURN, 108 und OUTSPOKEN eher musikkonservatorisch zu betätigen. Beim Hören der alle bisherigen Releases zusammenfassenden Scheibe "First And Last And Always" erhält man jedoch eine Ahnung, dass die Referenzen allenfalls als ästhetische Orientierung gelten und nicht als Kopiervorlage. SEED OF PAIN bewegen sich zwar ganz klar in der musikalischen Tradition von oben genannten Bands, schaffen es aber ihrem rauen, aggressiven HC wenigstens latent eine eigene Note zu verleihen. Neue musikalische Horizonte werden hier zwar nicht erklommen, aber die Stücke sind passig und wirken ehrlich. Sympathisch auch die erkennbare Moderesistenz. Insgesamt bleibt aber noch viel Luft nach oben, so dass man gespannt auf Zukünftige Ergüsse der Eidgenossen sein darf. (Konstantin Hanke)



Windy & Carl "Songs For The Broken Hearted" CD (Kranky)



Da präsentieren uns die beiden diesmal also 10 Liebeslieder. Nun gut, lassen wir das einmal so stehen und konzentrieren uns auf das Musikalische. Was hat sich verändert seit der letzten 2xCD auf Kranky namens "The Dream House/ Dedications To Flea (2006)? Die Grundstruktur aus Drohnen und Ambiancen ist jedenfalls gleich geblieben, allerdings sind die Stücke wesentlich kürzer und der Gesang von Windy ist auf "Songs For The Broken Hearted" ein dominanter Bestandteil. Ihre Stimme klingt zwar einerseits sanft, aber andererseits ist sie stark, hallend. Sie wirkt nicht auffallend und "menschlich" vordergründig, sondern wie ein Teil der Gesamtkomposition, eine Ebene der vielen schimmernden Klangschichten. Überhaupt, das ganze Album wirkt wie ein fein gewobener Klangteppich aus Gitarren, Keyboard... warm und umhüllend kreisen die Drohnen dem Hörer um das Gemüt und wollen in diese verletzliche "Liebeswelt" entführen, um ihm sämtliche Stadien der Liebe vorzuleben, ihn daran teilhaben, und seine eigenen Erfahrungen mit einbringen zu lassen. Man ist im Gesamtergebnis hin- und her gerissen: Entweder im Hintergrund laufen lassen und sich weiter dem Tagesgeschäft widmen, oder bewusst innehalten und dieser Klangreise ruhig und konzentriert folgen. Windy & Carl wollen vermutlich Letzteres erreichen, vielleicht sogar "Songs For The Broken Hearted" den verletzten und gebrochenen Herzen unter uns als heilenden Balsam reichen...

Rating: 7/10


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