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Reviews Spring 2007 (all other reviews of the year 2007 below):


Beehoover "The Sun Behind The Dustbin" CD (Exile On Mainstream)



Dass Beehover aus Deutschland nur zu zweit agieren hört man überhaupt nicht, denn das Duo bringt ein Soundkleid zustande, das wohl kaum von "richtigen" Bands zu unterscheiden ist. Die Beschreibung, dass Beehoover wie eine "atmosphärisch-abgefahrene Mixtur aus Psychedelica, Americana und Doom" klingt, gefällt mir ganz gut. Ich würde diese Beschreibung noch mit einer kräftigen Portion "Heavy Rock" würzen und einige "Stoner- Rock" Elemente zur Verfeinerung beifügen. Die 10 Tracks strahlen etwas zerbrechlich- Trauriges, ja beinahe emotional Schwächliches aus: der Ausdruck psychotische Melancholie trifft es da ganz gut. Unterlegt von einer allumfassenden Vehemenz und Leidenschaft sind die Lieder auf "The Sun Behind The Dustbin". Ist man zuerst von der eigenwillig- spröden Ausstrahlung der Stücke zu Beginn des Albums irritiert, so stellt man etwa während dem dritten Lied fest, dass gerade dies der faszinierende und fesselnde "Groove" ist, der Beehover irgendwie ausmacht. Bereits seit vier Jahren macht das Duo um Claus- Peter Hamisch (Drums) und Ingmar Peterson (Bass) gemeinsam Musik und nun erscheint mit "The Sun Behind The Dustbin" nach zwei selbstveröffentlichten Demos das erste, richtig hörenswerte Album, welches am Anfang vielleicht der Geduld und Zeit bedarf um sich in den Kosmos von Beehover einzuleben.

Rating: 7/10



Bee And Flower "Last Sight Of Land" CD (Tuition Music)




Multiinstrumentalistin Dana Schechter veröffentlicht mit "Last Sight Of Land" ihr zweites Bee And Flower Album, welches auf allen 11 Stücken durch seine sensible, gefühlsgeladene und klare Stimmung auffällt. Die Instrumentierung klingt durchweg durchdacht und detailliert umgesetzt: Verschiedene Gastmusiker wie Thomas Wydler (Nick Cave & The Bad Seeds, oder Kristof Hahn (Les Hommes Sauvages, Angels Of Light, Swans) haben bei der Umsetzung von Dana Schechters musikalischer Vision mitgeholfen. Auch zahlreiche Streicher, Klavier, Bass und Schlagzeug, sowie fein eingesetzte Elektronik sind als erfolgreich eingesetzte Werkzeuge zu nennen. Die Produktion und Arrangements von Toby Damit sorgen für eine fast märchenhafte Stimmung die "Last Sight Of Land" umgibt. Das Album weist eine Vielzahl von Einflüssen, Arrangements und fragilen Klangcollagen auf, die nahezu ausnahmslos zu einem vielschichtigen und tief ineinander verwobenen Ganzen komponiert wurden. Weit wie das Meer öffnen sich der Pool an Stilrichtungen auf "Last Sight Of Land": Chicago-Blues, Jazz, klassische Musik, Folk-Einflüsse und orchestrale Stimmungen untermalen Dana Schechters melancholischen Gesang. Textlich geht es dabei persönlich und oft existentiell zu und so handeln die Stücke von Liebe und Hoffnung, Erneuerung und Loslassen. Im Design und Artwork des Album scheint sich die musikalische wie textliche Weite von "Last Sight Of Land" wiederzuspiegeln. Die CD ist in ein Digipack gehüllt und das umfangreiche Booklet enthält neben zahlreichen Fotos alle Lyrics des Albums. -

Rating: 8/10



Black Elk "s/t" CD (Crucial Blast)



Black Elk gehen auf ihrem Debüt recht sperrig, abgehackt und zerfahren zur Sache. Zwar sind immer wieder melodische Ansätze und Melodiebögen zu finden, diese werden aber in der Regel schnell gegen die Wand gefahren und zerhackt. Der Sänger wechselt dabei zwischen fast gesprochenem, leiserem Gesang und sprödem Gekeife hin und her. Was in diesem Zusammenhang auffällt: Die Vocals sind relativ weit in den Hintergrund gemischt, was die punkige Seite von Black Elk nur unterstreicht. Ansonsten bleibt zu sagen, dass die 10 Stücke immer wieder an den Katalog von Amp. Reptile Veröffentlichungen der frühen 90er erinnert. Also klanglich irgendwo zwischen wütendem Noise-Rock mit viel Hardcore und etwas Punk angesiedelt und sinnvoll durch psychedelische, fiebrige Elemente erweitert und gestreckt bis Melodien entstehen, die an Cave In vor ihrer "Jupiter" Phase erinnern. Wobei da noch Einflüsse von Gruppen wie Jesus Lizard, Melvins und Black Flag zu nennen wären. Das Artwork ist gelungen, es hätte aber vielleicht noch detaillierter sein können. So oder so, den verstörten und verschrobenen Eindruck der Musik weiss es wiederzugeben.

Rating: 7/10



Dälek "Abandonded Language" CD (Ipecac Recordings)



Nun, nach 2 Jahren erscheint Däleks Nachfolger von "Absence" mit dem Titel "Abandoned Language". Und irgendwie ist (oberflächlich) alles beim alten geblieben, Stichwort: dunkler Hip- Hop. Hört man das Album die ersten Male, so findet man sicher Zugang dazu über die Melodien und Rhythmen. Hört man sich aber tiefer in "Abandonded Language" ein, so nimmt man nach und nach die Vielschichtigkeit und tiefe Tragweite, die Verstörtheit des Albums wahr, beziehungsweise wie "fucked up" es ist, wie es der gleichnamige MC des Duos, Dälek, nennt. So gesehen umschliesst das Album den Hörer und zieht es in seinen Bann von einer seltsamen, entarteten Welt. Was man da sieht und was da ins Blickfeld wandert, sieht man vielleicht nicht gerne. Dunkler Hip- Hop, dunkle Botschaft, so die kurze wie prägnante Formel. Dass ist es, was "Abandonded Language" ausmacht: einerseits ein fast auf die Masse ausgerichteter offener, leichter Zugang über Melodien, Groove und was- weiss- ich. Andererseits bietet es genug zerfahrene Vielschichtigkeit und Komplexität um jeden "Ich- bin- so- avant-blablabla" zu beeindrucken. Gute Sache, und viel besser als die alten Sachen. Weiter so!

Rating: 8/10



Deerhunter "Cryptograms" CD (Kranky)



"Cryptograms" ist das zweite Album der Band und das Debut für Kranky. Deerhunter haben im Jahr 2001 angefangen, Musik mit dem Ziel zu machen, die einlullenden und hypnotischen Momente von Ambient und minimalistischer Musik einzufangen und mit den rauheren Tönen des Garage Rock zu kombinieren. Genau betrachtet besteht "Cryptograms" aus zwei EPs, denn das Gesamtergebnis entstand komplett an zwei Tagen in zwei Sessions. Und so ist auch das Ergebnis dieser beiden Aufnahmen ein unterschiedliches: Der eine Tag war geprägt von meist instrumentalen, hypnotischen Aufnahmen und der andere beschwingt-leicht und poppig. Interessant dabei ist die Kombination von Pop und Drone/ Noise und Ambient artigen Klangcollagen. Beide Teile ihrer CD wissen zu überzeugen und sind interessant in Szene gesetzt. Tanzbar versus Noise. Bekiffter Pop versus Drone. Der Hörer bleibt entrückt und... ja beglückt zurück.

Rating: 8/10



Do Make Say Think "You, You're A History In Rust" CD (Constellation Records)




Tolles 5. Album von Do Make Say Think und wieder so eine Pflichtscheibe von Constellation, natürlich auf 180g Vinyl in schöner Aufmachung, der es gelingt, einige der Stimmungen von "You, You're A History In Rust" einzufangen und zu visualisieren. Akustikgitarren, Percussion, warmer, träumerischer Gesang und angenehme, entspannte Stimmungen. Frühlingsnacht in der Großstadt. Hier klingt nichts akademisch, am Reisbrett aufgezogen und geplant. "You, You're A History In Rust" klingt mehr nach Lust auf gemeinsam musizieren und mal sehen was bei rumkommt. Dass die Band dabei vollkommen organische, nicht-lineare Songs entdeckt ist kaum verwunderlich für den Hörer, der den Backkatalog der Band kennt. Man spielt und komponiert gemeinsam, nimmt zusammen auf und mischt und mastert anschliessend alles in Eigenarbeit. Völlig losgelöste Stimmungen und Stücke entstehen dabei mit einer Vielzahl an Klangfarben und Nuancen. Hier ist Musikmachen noch lebendig.

Rating: 8/10



Farewell To Words "Tear Down This Wall" MCD (Bastardized Recordings)




Wenn man weiss, dass Farewell To Words aus Berlin kommen, gewinnt der Titel des dieser EP eine bedeutungsschwangere Tiefe, die eigentlich nicht sein müsste. Musikalisch holzen 6 Berliner auf den 5 Stücken von "Tear Down This Wall" eine durchaus gekonnt umgesetzte und gar "massentauglichen" Mischung von (Nu)Metal, Doom, New School Hardcore und Emo herunter, die vor Power strotzt und knallig produziert und eingespielt ist. Der klare, teils weibliche Gesang erinnert streckenweise an die Grossen wie System Of A Down. Ansonsten müssen Bands wie Walls Of Jericho, Boy Sets Fire oder Evanescence herhalten. Für eine EP gut und kurzweilig genug, aber für ein komplettes Album müssen noch mehr Variationen und strukturelle Unterschiede her. -

Rating: 6/10



Fear Falls Burning "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" LP (Equation Records)




Der optische Eindruck von "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" ist ein starker: Das Vinyl dick und schwer, natürlich 180g, und die Farbe auch eine eher besondere: dreckiges, fast grünliches Gold. Eingepackt ist dieses auf 50 Stück limitierte Schmuckstück (weitere 349 existieren auf silbernem Vinyl) in eine Gatefold LP- Hülle aus dickem Karton in der noch eine weitere bedruckte LP- Hülle sitzt. Rein optisch gesehen, die beeindruckendste Verpackung aller bisherigen Fear Falls Burning Vinyl Veröffentlichungen, die alle ein hohes Qualitätsbewusstein vermitteln. Die Fotografie von Martina Verhoeven tut ein übriges um das gesamte Artwork von "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" als ein hochwertiges, ja detailverliebtes erscheinen zu lassen. Die LP enthält zwei lange, epische Stücke, die insgesamt rund 40 Minuten von träumerischer- lichter Drone Musik mit harten Gitarren Akkorden und vielen aufeinander aufbauenden und sich steigernden Repititionen ausmachen. Schimmernd wie die Wasseroberfläche eines Sees glitzert und blinkt es auf "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace", der Hörer wird zum Spielball der Elemente und gibt sich der Traumreise voll und gerne hin. Um mit Vergleichen hausieren zu gehen: die endlosen Loops von Eno und die harten Takte und Akkorde von Sunn O))), verschmolzen zu einer ganz eigenen minimalistischen Klanglandschaft in die der Hörer wie in ein helles, blendendes Lichterbad eintaucht und wegschlummert. Die Produktion ist vital und neben dem vielschichtig- flächigen Charakter der Dronen besticht sie durch die stimmige und griffige Natürlichkeit der beiden auf "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" präsentierten Stücke.

Rating: 9/10



Fear Falls Burning "Woes Of The Desolate Mourner" 7" EP (Tonefloat/ Ikon)




Dirk Serries' Fear Falls Burning gehörte im letzten Jahr konstant zu den Projekten die mich durch das ganze Jahr begleitend, qualitativ auf hohem Niveau, live wie auf Polyvinylchlorid, zu überzeugen wussten. Man erkennt, sofern man zu dieser minimalistischen Musik Zugang findet, einfach den roten Faden und das, was da mit aller Konsequenz, Leidenschaft und Professionalität verfolgt wird. "Woes Of The Desolate Mourner" ist ein aus 2 atmosphärischen Drone- Stücken bestehender Mitschnitt der ersten Hälfte eines Konzerts in Nijmegen, Holland vom vergangenen Oktober. "Woes Of The Desolate Mourner" erscheint in minimalistischer aber dennoch extravaganter Aufmachung auf aussagekräftigem, durchsichtigem Vinyl und ist streng limitiert.

Rating: 7/10



Hacride "Amoeba" CD (Listenable Records)




Hacride sind ein ganz schöner Sturm oder sollte ich Blitzkrieg sagen? Zumindest sehen es die Presseinfos so. Es gibt manchmal Tage, da läuft man durch die Gegend und würde gerne jedem, der einem begegnet und einen dummen Spruch loslässt, gerne eine... ähm ja, falscher Anfang. Es gibt da so Wintertage an denen es den ganzen Tag nicht viel heller wird wie morgens um 8 Uhr. Nebel, Dunkelheit und da! Am Waldrand lauter Fratzen! Nein, sind beim näherkommen wohl doch nur die Äste und irgendwelche abgestorbenen Bäume. Moorlauf. Angst im Sumpf zu verrecken. Und was ist das jetzt schon wieder? Doch Blitzkrieg? Abflussrohr oder doch ein im Dickicht versteckter Panzerlauf? "Amoeba" ist das zweite Album der Brutal- Metaller von Hacride und ist tatsächlich ein kleiner Panzer, eine Sounddampfwalze geworden, die sich nicht verstecken muss. Musikalisch direkt, innovativ und das ABC des Metals beherrschend, so dass genug Raum und Können bleibt, "Amoeba" zu einer durchweg interessanten Platte zu machen, die mit ihrer Durchschlagkraft und dem Sinn für Melodien und verschiedene Elemente zu einem homogenen Ganzen zu fusionieren dem Metaller sicher Laune nach mehr macht.

Rating: 7/10



Hella "There's No 666 In Outer Space" CD (Ipecac Recordings)




Das Duo des Gitarristen Spencer Seim und des super fit agierenden Schlagzeugers Zack Hill hat schon über 10 Veröffentlichungen hinter sich und veröffentlicht nun, zum Quartett angewachsen, ein neues Album, welches nicht mehr nur ein Zwei- Köpfe- Chaos- Gewitter ist, sondern voll in die The Mars Volta Kerbe einschlägt. "There's No 666 In Outer Space" ist ein super dynamisches und druckvolles Album, mit Einflüssen aus dem Prog- Rock genauso wie aus ihren "Mathrock"- Zeiten. Hörgenuss für gehobene Ansprüche sozusagen. Es ist dabei weder der Gesang, die Gitarre oder die Drums als das agilste Element des Vierers herauszuheben, nein, denn ein Jeder ist hier der den anderen absolut ebenbürtige Protagonist. Und so kann das Fazit auch nur lauten: Hier hat sich gefunden, was zusammengehört. Der Gesang, ist druckvoll wie variationsreich und erklimmt erstaunliche Melodiebögen ohne grössere Schwierigkeiten. Der Gitarrist arbeitet ebenso wie der Bassist absolut präzise und überzeugend und ja da ist dann noch das Getrommel... Nun, es klingt einfach wie von einem anderen Stern und scheint alle menschlichen Grenzen der Instrumentenführung zu sprengen, ihr zu widersprechen. Einfach durchweg einschlagend und gekonnt. Wo jeder The Mars Volta Fan am Ende seiner Träume angekommen zu sein scheint und wunschlos wie sprachlos dem gegenüber steht, was er da vorgesetzt bekommt, legen Hella noch einmal zu, ziehen das Tempo an und überrennen diesen Punkt völlig locker und zurückgelehnt, als gäbe es kein Morgen mehr. Grosse Rock- Lektion in 11 Teilen!

Rating: 8/10



Loren Dent "Empires and Milk" CD (Contract Killer Records)




"Empires and Milk" ist die zweite Veröffentlichung des aus Austin, TX stammenden Loren Dent. "Empires and Milk" nahm Loren über Monate hinweg auf und hat damit ein richtig schönes, episches Drone/ Ambient/ Field-Recordings Werk in 15 Akten geschaffen. Wer Growing, Tim Hecker, Belong und Brian Eno mag, wird an "Empires and Milk" kaum vorbeikommen, denn seine Stücke sind in sich stimmig, voller Stimmung. Wohlig warme Klangflächen mit meditativem wie manipulierenden Charakter heben den Hörer in Trance. Das ist Musik, die nachts im Dunkeln ebenso wie tagsüber beim Sonnenbad gehört werden kann. Sie wirkt wie das anziehende Parfüm einer Frau, die einem nicht aus dem Kopf gehen will und über den Tag seine Wirkung am Körper verändert, aber niemals die Magie und Anziehungskraft von solchen Momenten verliert...

Rating: 7.5/10



Last Grain In The Hourglass "s/t" CD-R (self released)




Last Grain In The Hourglass sind eine deutsche Band die im Frühjahr 2006 gegründet wurde und zum Ergebnis von Ideen und Visionen der Freunde wurde. Mit an Board ist auch der Sänger der Münchner Chaos- Kapelle Rapture am Gesang. Im Proberaum aufgenommen und selber Abgemischt weisen die 3 Stücke der selbstbetitelten MCD ursprünglichen und rauhen Charakter auf, was mir insofern gut gefällt, dass mich Last Grain In The Hourglass an Emo- Hardcore Kapellen aus den frühen 90er Jahren erinnert. Musikalisch fliessen aber auch dezente Einflüsse aus der Progressive- Rock Ecke mit ein, die mit weiteren Elementen aus dem "Heavy- Rock" gepaart, eine gesunde Mischung ergeben: einerseits klingen die 3 Stücke (auch durch den Gesang) rauh, erbarmungslos und andererseits ist da Raum für Ruhe und Atmosphäre, wie man sie bei nur ein bei Bands wie Isis, Transmission0 etc. findet. Auch Integritys "Closure" Album kommt mir in den Sinn, denn streckenweise werden ähnliche Stimmungen transportiert und kreiert. Ein guter Anfang. Das komplette Demo gibt es auf der Band Homepage kostenlos zum Download inklusive ausdruckbarem Cover: lastgraininthehourglass.de

Rating: 6/10



Light Yourself On Fire "s/t" MCD (Kiss Of Death Records)



Light Yourself On Fire entstammen dem sonnigen Florida, wo bekanntlich ja auch die saftigsten Orangen wachsen. Nicht ganz so sonnig ist der durch emotionale Facetten angereicherte (Death) Metal. Aggressiv, komplex und mit viel Kraft spielen sich Light Yourself On Fire durch 7 Stücke, womit wir beim Stichwort "Power" sind, denn die Band um den ehemaligen Reversal Of Man Sänger Ken Karg nennt ihre Musik "Power Death", zusammengesetzt aus den Stilrichtungen "Power Violence" und "Death Metal". Ich will ehrlich sein: zwar schwingt bei den Stücken dieser typische Florida- Vibe mit, der mir damals bei Bands wie Morning Again oder Bird Of Ill Omen ein feuchtes Höschen bescherte, mich heute aber leider kaum mehr zu überzeugen weiss. Zu abgegriffen und durchschaubar wirkt das einst grosse Gütesiegel Floridas. Und woanders wachsen ja auch schöne Orangen.

Rating: 6/10



Maserati "Inventions For The New Season" CD (Golden Antenna)




Maserati machen seit nunmehr fast 6 Jahren konsequent Instrumentalmusik und sind, trotz 8 Veröffentlichungen an mir komplett vorbeigegangen. Hätte ich nur gewusst, wie gut das US-amerikanische Quartett ist. Vielleicht ein wenig zu glatt und poliert aber super "tight" und geschmeidig präsentieren Maserati ihre 8 neuen Stücke. Die Art und Weise, wie die einzelnen Lieder konzipiert sind, ist meist relativ: Lichte und klare Gitarrenriffs schrauben sich kontinuierlich nach oben, wirken dabei fast wie eine Loop-Maschine und der Bass wummert angenehm mit. Schliesslich platzt die Situation und die sich minutenlang aufgetürmte, melodische Klangwelle zerfliesst in alle Richtungen und flacht wieder rhythmisch-pulsierend ab. Dann beginnt das Spiel wieder gekonnt von vorne unter Beihilfe aller möglicher Variationen. Also langweilig wird einem definitiv nicht. Im Songwriting der Band sind definitiv Reminiszenzen an Bands wie Ash Ra Tempel, Can, Harmonica etc. Was aber wie oben angedeutet Maserati von den genannten Bands der wilden 70'er unterscheidet, ist die "Glätte" der Stücke. Damals war man wesentlich ungeschliffener, unruhiger und auf abgedrehte musikalische Momente aus. Maserati hingegen schaffen da Räume, Luft und sphärische Weiten, die mich an Bands wie Red Sparowes erinnern. Die Durchschaubarkeit von Maserati liegt im (zu)polierten Sound, die Unvorhersehbarkeit hingegen im Songwriting, das vergleichbar mit einem Laubwirbel ist: Man weiss nie genau wohin und in welche Richtung der Wind ihn dreht. Die Produktion ist kompakt-vielschichtig, warm und klar. Auch Aufmachung und Artwork in gelben und roten Farbtönen sind stimmig und so fügt sich "Inventions For The New Season" zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Erhältlich auch als 2xLP.

Rating: 8/10



Microwaves "Contagion Heuristic" CD (Crucial Blast)




Microwaves sind ein absolut nervtötendes "sci-fi no wave thrash/ freakout trio" aus Pittsburgh, PA und mit "Contagion Heuristic" erscheint bereits das dritte Album der Band. Mit der zitierten Soundbeschreibung ist eigentlich tatsächlich alles gesagt; treffender und kürzer geht es kaum. Musikalisch irgendwo zwischen Shellac und Mathematik- Core wie ihn Bands wie Don Caballero oder Ruins zelebrieren. Verzerrt, verschoben, nervende Gitarren und "Bleeps", untermalt von röhrendem Bass und störrischem Schlagzeug, so kommen die Mikrowellen den Gehörgängen absolut schadend daher. Aber auch das kompromisslose Schaffen von schweren, wabernden, tiefgestimmten Tönen wie im instrumentalen "Ruin The Night" beherrscht die Band. Dissonante Stimmungen, thrashige Rhythmen, nerviges Quicken und Quitschen machen "Contagion Heuristic" zum interessanten wie... ja fast zynischen Gehörgangmonster und der Sänger klingt doch irgendwie gut paranoid und wie auf Pillen. Hier wird jeder Blick zum gekonnt inszenierten Schielen einer bis zur Unkenntlichkeit entrückten synthetischen Welt voller musikalischer Abnormalitäten.

Rating: 7/10



Moerta "Below The Stones Of Healing" CD (Freakstone Records)




Die deutsche Band Moerta besteht aus vier Musikern, die sich schon seit den 80ern mit harter Musik beschäftigen und die vor vier Jahren den Weg zueinander gefunden haben. Moertas kleines Monster an experimenteller Rock Musik mit fast 60 Minuten Spielzeit und "nur" 6 Stücken erinnert mich zu allererst stark an Neurosis. Die Band schafft ähnliche Stimmungen, strukturelle Spannungsbögen – und Räume und Melodien, wie sie auch die einzigartige Rock Band aus San Francisco seit gut 20 Jahren aus dem Boden stampft oder aus dem Äther schröpft. Mit etwas Abstand dazu lassen sich auch noch kleinere Elemente von Bands wie Isis oder Tool ausmachen, wobei diese keinesfalls kopiert oder aufgesetzt wirken. Überhaupt, fallen mir da im Direktvergleich einfach nur Neurosis ein. Die langatmigen, ausufernden Klanglandschaften von Moerta wirken oft melancholisch und verletzlich, doch auf eine episch- grossartige Art verstehen sie es, dem Hörer all ihre Macht und Monstrosität aufzuzeigen und zu vermitteln. Dafür hat man ja auch Zeit bei den langen Spielzeiten der 6 Songs. Surreales wie Psychedelisches unterliegt den Stücken, so dass sich die tiefe Wirkung und Atmosphäre von "Below The Stones Of Healing" schnell als hypnotische Fesseln ums Gehör schlingen. Einzig der etwas zu sakral klingende Gesang wirkt streckenweise zu künstlich und aufgesetzt, was den Vorbildern aus San Francisco nie passiert.
Dahin geht dann auch mein Rat: noch mehr für Natürlichkeit und Homogenität und gar eine alchemistische Herangehensweise im Songwriting sorgen, wer mich hier versteht... Aber, diese Note aus dem Blues im Gesang überzeugt mich ganz, sie sorgt auch für eine gewisse Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit, die der Band gut zu Gesicht steht. Abschliessend: "Let Mind Wander" – der Slogan der Band sei jedem Hörer von "Below The Stones Of Healing" mitgegeben, er könnte von Wichtigkeit sein. File under: Psychedelic Doom Rock. Website: moerta.de

Rating: 7/10



Monikers "Eat Your Young" MCD (Kiss Of Death Records)



Angewidert vom Artwork war ich gespannt, was mich erwartet und na ja, überzeugt bin ich nicht. Die Monikers spielen rockenden und streckenweise treibenden Punk Rock, der sich nur leider insgesamt zu durchschaubar durch die 5 Stücke "fräst" und natürlich die Live- Energie einfangen will, was für mich die gelangweilte Ausrede des Pressefritzen ist, der die Presseinfos schreiben und zusammenstellen muss und eigentlich auch nicht wirklich weiss, was er da eigentlich schreiben soll. Fazit, schon nett, interessante Ansätze im Gitarrenspiel, der Gesang schön rauh, wie gesagt, schön treibend und nach vorne.

Rating: 5/10



Nurse With Wound "An Awkward Pause – Special Edition" 2xCD (United Jnana)



Mit "An Awkward Pause" wird die legendäre Platte von Nurse With Wound, kurz NWW, neu veröffentlicht. Nurse With Wound sind eine britische Gruppe, die 1978 von Steven Stapleton, John Fothergill und Heman Pathak ins Leben gerufen wurde. Nurse With Wound machten sich schnell einen Namen durch Musik, die von freien Improvisationen und Krautrock geprägt war. Und so gibt sich auch diese 2xCD wild, frei und ungezügelt. "An Awkward Pause" wurde ursprünglich 1999 veröffentlicht und featured u.a. auch David Tibet, den man ja von Current 93 kennt. Zusätzlich zum ursprünglichen Album ist hier eine weitere CD mit 13 unveröffentlichten Stücken der Band enthalten. Essentielle Wiederveröffentlichung.

Rating: 8/10



Oren Lavie "The Opposite Side of the Sea" CD (Tuition Music)



Mit "The Opposite Side of the Sea" hat Oren Lavie eine Platte geschaffen, die so gut zu folgendem Szenario passt: Es ist Sonntag morgen, so etwa 9:45 Uhr, und man schält sich noch verschlafen aus den Tiefen des Bettes. Man fährt sich über's Gesicht, Haare fettig und Dreitagebart. Aha. Rasieren? Kein Bock. Erstmal schnell ins Bad, verdammt,über die Türschwelle gestoplert, der Zehennagel zieht wie sau. Egal. Ok, Wetter checken. Scheisse man, es regnet in Strömen. Gut, was jetzt? Küche, Kaffee machen. Damn it, Milch ist leer. Egal, die Sahne geht auch. Ist eh offen, von der Lasagne gestern, deren Reste noch farblich die triste Stimmung der Küche beleben. Kaffee ist auf dem Herd und jetzt die Zeitung von gestern schnappen und erstmal aufwachen und lesen. Was fehlt? Richtig, Musik. Machen wir mal die neue von Oren Lavie rein, passt irgendwie. Und ausserdem, der kommt ja auch von hier, ist aus New York hergezogen. Diese Situationen kennt jeder und zu solchen "Sonntagsstimmungen" passt die teilweise bombastische Musik von Oren Lavie ganz gut. Sauber, vielleicht zu sauber produzierte 10 Stücke, die schönen Gesang mit halbakustischer Instrumentierung enthalten. Orens Stimme klingt voll und warm und trägt seine poetischen Texte erstaunlich leicht und luftig. Dennoch, beinahe jedes Stück auf "The Opposite Side of the Sea" wirkt wie ein kleines romantisches Bild, facettenreich gemalt, aber von einer, das Album durchziehenden Bombastik in den Arrangements geprägt. Hier die leise Kritik des freudigen Hörers: Hin und wieder etwas dreckiger, wie Berlins Strassen, dürften die Kompositionen sein.

Rating: 7/10



Seconds In Formaldehyde "II" CD (Gears Of Sand)



"II" steht nun also für den Zweitling des hinter dem Pseudonym "Seconds In Formaldehyde" stehenden Martin Fuhs. Ruhige, langatmige Drones ziehen den Hörer über sich in die Weite üppig ausdehnende Klangfelder, die wie die pure Entspannung nach einem Sturm wirken. Für den unerfahrenen Hörer mag das aber durchaus wie ein monotones sich- in- der- Welt- verlieren klingen, dass mehr Schrecken wie Genussfreude beziehungsweise imaginative Kräfte ausstrahlt und verbreitet. "II" erscheint im März diesen Jahres auf dem US- Label Gears Of Sand. Gängige Gitarrenklänge sind diesmal noch schwerer und spärlicher auszumachen. Die streckenweise eingestreuten und verzerrten Akkorde (auf "And I Dissolved Into Small Particles Of Dust) bilden im Spiel von Ruhe und struktureller Gelassenheit einen angenehmen Kontrapunkt, der hierbei sicherlich nicht zufällig gewählt ist und auf Fuhs' Gespür für sensiblen Forschungsgeist am Kern der Musik hindeutet.

Rating: 7/10



Seconds In Formaldehyde "Inaudible" CD (Suggestion Records/ Verato Project)


(no cover available)

Auch "Inaudible" besticht wiederum durch die angenehm- zurückhaltende Art des Künstlers, musikalisch, wie auch im persönlichen Auftreten. "Inaudible" beginnt mit sanften Drones die irgendwo da zuhause sind, wo die Grenze zwischen Himmel und Ozean am Horizont verschwimmt. Grenzgang wie Naturerfahrung gleichermassen. Lange Akkorde tragen den Hörer durch weite, spärliche Klangfelder. Die wohl grösste Neuerung diesmal sind die minimalen, auf leichten Füssen daherkommenden Beats, sowie die Percussion Loops, die an minimalistische Elektronische Musik erinnern. Ich mag es, wenn sich Künstler, die sich einem bestimmten Genre zugehörig fühlen, trotzdem den Mut haben, neue Schritte zu gehen, andere Wege zu beschreiten. Wer würde bei Fear Falls Burning, Aidan Baker und Konsorten damit rechnen, dass eine Platte plötzlich Beats aufweist? Wohl eher niemand. Um so interessanter dies nun bei Seconds In Formaldehyde verfolgen zu können. Die Beats sind sehr dezent und gekonnt zurückhaltend gestreut, was den typischen ruhigen Drone-Klangforschungen keinerlei Abbruch tut. Dennoch, es ist hier Vorsicht geboten, denn die Beats haben leicht die Tendenz, zu artifiziell und generiert zu klingen. Etwas mehr erdig-lebendiges ist hier gefragt, um die eben oben genannten Naturerfahrungen im Geiste entstehen zu lassen und weniger das Gefühl von, auf die Schnelle, ganz pauschal: "Computermusik. "Inaudible" erscheint in einer Kleinstauflage von 60 handgemachten Digipacks auf dem Suggestion Underlabel Verato Project.

Rating: 7/10



Sofy Major "s/t" MCD (Argghh!! Records)




Der Fünfer Sofy Major kommt aus Frankreich und hat sich 2005 gegründet um "Noise Hardcore" zu spielen, so brandmarkt sich die Band selber. Musikalisch geht es durchaus noisig zur Sache und zum Beispiel Breach standen beim Sound von Sofy Major Pate. Aber auch abgehackte Rhythmen, wie man sie von Fugazi kennt sind hierbei als Einflüsse festzuhalten. Im Prinzip eine interessante Angelegenheit, allerdings schwächelt die Stimme des Sängers durch ihr Pseudo- Gefühl gewaltig. Rohes, brutales Geschrei wie es dir die wirklichen Breach immer gnadenlos geboten haben wäre hier wesentlich angebrachter und würde für die Durchschlagkraft der Band sprechen. Stattdessen gibt man sich fast verzweifelt, dem heutzutage als Einheitsbrei verkommenen und degradierten "Screamo" hin, was den Charme einer lokalen Schüler- Hardcore- Combo hat. Immerhin, das Artwork ist halbwegs gelungen und erinnert in seiner ganzen Schwäche an den Grossen Derek Hess.

Rating: 6/10



The Hidden Hand "The Ressurection Of Whiskey Foote" CD (Southern Lord)




Legende Scott "Wino" Weinrich und Bruce Falkinburgh melden sich mit "The Ressurection Of Whiskey Foote" mit Hilfe des Drumm-Neuzugangs Evan Tanner zurück. Wie eine sich rückwärts drehende Spirale ackert, stampft und rockt sich "The Ressurection Of Whiskey Foote" durch 10 neue Stücke. Mit Wino hat man ja die Referenz für den Sound gleich zur Hand: St. Vitus, The Obsessed, Spirit Caravan und Place Of Skulls. Allesamt Projekte von und um Wino. Schöner Doom-Rock voller Agonie, Depression und leichten psychedelischen Anleihen. Gerade die, in Verbindung mit den kernigen Gitarren, machen meiner Meinung nach das besondere Feeling des Album aus. Brachiale Rhythmen und steile Gitarrenwände werden hier erklommen und gleichermassen zum Einsturz gebracht. Dieser Tick Classic-Rock in den Stücken macht sich ebenso gut wie der Titel des Albums. Artwork passt natürlich auch zur "Southern-Rock-Stimmung" von "The Ressurection Of Whiskey Foote". Hier beweisen Southern Lord endlich mal wieder, dass sie immer noch grundsolide und grundgute Platten veröffentlichen können.

Rating: 7/10



Titan "s/t" CD (Paradigms Recordings)




Dies ist die erste offizielle Veröffentlichung der "Rough-Magic-Kraut-Mystics aus Brooklyn, New York. Zuerst fällt die schöne, komplexe Aufmachung auf und dass diese CD auf 750 Stück limitiert ist (wie üblich für Paradigms Recordings). Musikalisch wird eine kosmische Freakout Parade in 3 Akten aufgeführt. Nicht nur namentlich (alle Titel sind deutsch) wird der Krautrock- Vergangenheit unseres Landes Tribut gezollt, denn musikalisch klingen und erinnern Titan an eine schwere Version von Acts wie As Ra Tempel, Klaus Schulze und Konsorten. Auch das Spiel mit ruhigeren, schimmernden und verträumten Klangpassagen versteht die Band und lässt so das letzte Stück "Die Sonne Ist Fast Am Untergehen" dezent ausklingen. Als aktuellen musikalischen Bezug fallen mir Zombi ein. Also wer mehr als 45 Minuten voller Sinn und Verstand erweiternder kosmischer Musik hören will, ist hier genau richtig.

Rating: 8/10



Titan "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You & You..." CD (Tee Pee Records)



Stilistisch schon etwas anders als noch das Debut kommt "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You & You..." daher und beeindruckt mich schwer. "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You & You..." ist sicher die im laufenden Jahr von mir am meisten gehörte Platte und schon der Hippie-Titel ist ein kleiner Knaller. Musikalisch einordnen würde ich "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You & You..." dann auch irgendwo zwischen ausuferndem, episch-schwerem Stoner/Prog-Rock mit einer klaren psychedelischen Linie zu den Klassikern des Genres wie Can, Hawkwind und schwereren, pompöseren Einflüssen von Uriah Heep. "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You & You..." ist ein Spiel von nur 4 Stücken in guten 41 Minuten. Das "Dudel-Potential" ist damit klar. Das Album ist sauber und kompakt produziert, die Lieder klingen dadurch homogen und das Gesamtbild ist ein schön organischer, krautig-schwerer Jam des Vierers aus Brooklyn, NY. Wilde Trommelwirbel, Acid-Gitarren-Jams , windige Synthie-Attacken und ein tiefes knochiges Bass machen "A Raining Sun Of Light & Love, For You & You & You..." zu einem dynamischen, verspielten und die Galaxy erfüllenden kosmischen Farbenknall an dem der geneigte Hörer nur schwer vorbeikommen wird, und erst recht nicht wenn er morgens Pilzmarmelade auf dem Brot hatte!

Rating: 9/10



Trencher "Lips" (Southern Records)




"Casio- Grindcore" nennt man das also. Wieder was dazu gelernt. Trencher sind ein Trio aus London , das eben diesen "Casio- Grindcore" spielt. Zerfahren, brutal und brutal schnell, komplex und irgendwie streckenweise lustig klingen die 9 kaputten Stücke auf "Lips". Trencher bestehen aus Bass, Drums und einem Spielzeug Keyboard, das für die Sounds zuständig ist, mit denen die kleinen Grindattacken unterlegt sind. Seit 5 Jahren betreiben die 3 Londoner dieses kontrollierte Kinderzimmerchaos und haben schon verschiedene limitierte Veröffentlichungen hinter sich gebracht. "Lips" ist das zweite Album der Band und für jeden interessant, der auch schrägen Vögeln wie den Daughters, The Locust oder Discordiance Axis gerne beim Lärm machen zuhört. Zum Schluss ist noch in aller Kürze festzuhalten, dass das Artwork hässlich ist und die Spielzeit knapp 25 Minuten beträgt. -

Rating: 6/10



Voodooshock "Marie's Sister's Garden" CD (Exile On Mainstream Records)



Gar vier Jahre hat es gedauert bis das zweite Album der deutschen Doom-Rocker von Voodooshock nun erscheint. Auf "Marie's Sister's Garden" präsentiert die Band 11 melodische Stücke, die den grossen Helden wie Pentagram, Saint Vitus, The Obsessed etc. Tribut zollt. Volle, satte und groovende Basslines und jammernder, leidenschaftlicher Gesang steht langsamerem Zeitlupen-Rock gegenüber, der wiederum einen angenehmen Kontrast zum psychedelischeren "Feeding Flames With Letters" bildet. Voodooshock verstehen es, verschiedene Einflüsse und Stilrichtungen geschickt und durchaus homogen in ihre Stücke einzuweben, und dabei immer in der selben melancholischen Stimmung zu bleiben. Dabei stagniert die Band in keinster Weise. Doom mit Blick über den eigenen Tellerand. Besonders die langsamen, mächtigen Walzen wie "Funeral Farewell", "I Need A Rest" und Diamond Queen" wissen durch ihre zähen Strukturen zu begeistern. Hier fliesst die Lava zäh und glühend heiss den Hang hinunter, brodelnd und zischend ins Meer.

Rating: 7/10

 

Reviews - Late Spring 2007:

Einiges hat sich in den letzten Wochen angesammelt und die Bereiche und Nischen an guter Musik sind wieder reichlich besetzt. Auffällig ist, dass labelspezifisch mehr als nur ein gutes Album zu finden ist. Es wird für fast jeden Geschmack etwas dabei sein, ob es sich dabei um zeitgenössische elektronische Musik, Noise und Drone oder mehr die gitarrenorientierte Musik handelt. Viel Freude beim Lesen auch diesmal.

Aidan Baker "Candescence" CD-R (Verato Project)



"Candescence" hat eine dezente, einfache Aufmachung die in einen braunen Frauennetzstrumpf eingefasst ist und damit beim ersten Anblick für Verwunderung sorgt.
"Candescence" sind sechs Stücke vom Drone und Ambient Wunderkind Aidan Baker, der ja praktisch laufend neue Alben veröffentlicht. Baker ist auch bekannt durch die Band Nadja, die in eine ähnliche Richtung, aber härter, mehr Indrustrial und Doom orientiert arbeitet. Auf den Tracks dieser CD sind schöne, ruhige Ambient Stücke, der erste Song basiert direkt auf einem Autechre Stück. Zur Aufnahme wurde kein Computer verwendet, sondern alle Sounds mit Gitarren und Bass eingespielt. Trotz der Ruhe der Stücke wirken sie mächtig und voluminös und erhaben.

Rating: 8/10



Andreas Bertilsson "Paramount" CD (Komplott)



Andreas Bertilsson (ehemals Son of Clay) hat einen Soundtrack ohne Film gemacht. Das ist insofern angenehm, als die Musik nicht einem allermeistens hohen Tempo eines Filmes folgen muss.
Die Musik: Ist das jetzt ein Ruderboot, das ich da plätschern hör- obwohl, das Stück heißt „Plains of the Buffalo“ vielleicht sind es eher schlabbernde Kühe an denen jemand zieht? Später: wir befinden uns in einer ehemaligen Garage, eher noch in einer inneren Garage, also in einem Teil der Seele, den ich z. B. noch ganz gut im Griff hab`. Hier wird dem Sound nach geschabt, geschreddert, geschliffen, eben wie es sich anhört wenn man eines der Biester in sich hart ran nimmt. Schließlich, im letzten Teil, hat einer gewonnen (auch egal wer, sind ja alle ich) und es breitet sich Versöhnung aus.

Rating 8/10

-Rezensiert von J. Jaschke



Austin Lucas "The Common Cold" CD (Sabotage Records)



Dass Austin Lucas seit seiner Zeit in der Wiege von Musik umgeben war, merkt man ziemlich schnell. Sein Vater war Musiker und bei jeder Gelegenheit quasi machte die Familie gemeinsam Musik, singen beim Auto fahren etc. Ihr kennt das Spiel. Ausserdem begleitete der kleine Austin alljährlich seinen Vater zu diversen Folk und Bluegrass Festivals, wo dieser auftrat. Es folgten in Austins Kindheit Jahre in denen er in verschiedenen Chören sang bis er davon, kurzgesagt, die Schnauze voll hatte und sich ab dem Alter von 12 Jahren für die nächsten 16 Jahre mit Punk und Hardcore beschäftigte. Momentan lebt Austin Lucas in der Tschechischen Republik und verbringt seine Zeit entweder als Solomusiker oder als Gitarrist in der Crust-Band Guided Cradle. "The Common Cold" ist ein gelungenes, schönes Soloalbum, auf dem Austin Lucas die traditionelle Roots-Musik seiner amerikanischen Kindheit mit Einflüssen aus der heutigen Indie-Szene mischt. Das Album ist treibend und dynamisch und ein erfrischender Hörgenuss für jeden Country und Indie/ Lo-fi Akustik Fan, denn seine Gesangsharmonien sind schön und angenehm zurückhaltend.

Rating: 7/10



Baroness/ Unpersons "A Grey Sigh In A Flower Husk" CD (At A Loss Recordings)



"A Grey Sigh In A Flower Husk" ist ein unkonvetionelles Besipiel dafür, wie gute, schwere Musik klingen kann und mit ansprechendem Design auch optisch in Szene bzw. weiter aufgewertet werden kann. Während Baroness "nur" zwei Tracks besteuern, hauen die Unpersons gleich doppelt so viele Stücke raus. Beide Bands überzeugen durch ihre Schwere und haben musikalischen Schneid. Atmosphärische Räume wie planvolle Härte und schwerer, rockender Drive macht die 6 Stücke der beiden Bands aus. Sie bieten damit einen aktuellen wie zukünftigen Blick auf ihr Schaffen und darauf, was musikalisch in ihrer Heimat Savannah, Giorgia so möglich ist. Baroness veröffentlichen ihr nächstes Album auf Relapse, man darf also gespannt sein.

Rating: 8/ 10



Beale Street Love "s/t" MCD (self releaed)



Ich mag die Frau auf dem Cover, niedlicher Mund, küssen und so. Beale Street Love sind eine noch weitgehend unbekannte Band aus New Jersey und spielen auf dieser 5 Song Promo CD melodischen Indie-Rock mit treibenden Gitarren und einem talentierten Sänger, der es beherrscht, laut und kraftvoll, wie leise und sachte zu singen. Eigentlich gibt es mehr nicht zu sagen, denn die 5 Herren scheinen bis jetzt alles richtig zu machen und mit der richtigen Plattenfirma im Rücken kann das doch was werden. "Our goal is to let the melodies take hold of the song", so der Bassist John Michael Santora und daran halten sich die Jungs auch.

Rating: 7/10



Berserk For Tea Time "Ink... And Paper" CD (Get A Life! Records/ Saiko Records)



Lassen wir den Bandnamen aussen vor, so präsentieren Berserk For Tea Time auf "Ink... And Paper" eine interessante Verquickung von Stilen wie Jazz, Rock, Funk, Metal und eben Hardcore. Ihre Schweizer Kollegen von Cortez fallen mir als Vergleich ein, und Pate haben sicherlich auch die "Grossen" wie Botch oder The Dillinger Escape Plan gestanden. Diese harten, technischen und komplexen Parts finde ich auch gelungen, während die ruhigeren, leiseren Stellen mir persönlich zu nichtssagend und weinerlich klingen. Auf erstere sollte sich die Band konzentrieren und lieber ein knalliges, technisches und schizophren-durchgedrehtes Album mit Jazz-Licks einspielen, denn das beherrschen sie, trotz des stellenweise holprigen Charakters von "Ink... And Paper" schon ganz gut. Das Artwork ist bis auf die Innenseite gelungen und nett abstrakt.

Rating: 7/10



BlindeKinder (helfen bauen) "s/t" CD (Everest Records)



BlindeKinder (helfen bauen) ist das Debut Album von Jonas Kocher und Raphael Raccuia. Die 5 Stücke sind ein obskure Klangsammlung von unüblichen Sound-Schnipseln, die wie die Musik zu einem seltsamen Traumfilm wirken. Skurril, abwechslungsreich und voller klanglicher Überraschungen. Jeder Hörer wird hierbei bestimmt einen ganzen eigenen Höreindruck haben, der ebenso unterschiedliche Bilder entstehen und assoziieren lässt. Dass diese Bilder kaum etwas mit der Realität zu tun haben können versteht sich beim Hören fast von alleine. Die entstehenden Bilder sind klanglich oft scharfkantig und unmittelbar, was aber das Auge sieht ist durchweg verschwommen und wird zum einfachen grauen Umriss, zur Fassade.

Rating: 7.5/10



B°TONG "s/t" 3 Inch CD-R (Verato Project)



Unheimliche, apokalyptische Horror-Reise durch düsterste elektronische Gefilde. B°TONG klingt wirklich verstörend und unruhig, wie ein fiebriger Traum in kaltem Schweiss. You picture it. Absolut negative, 50 Grad unter Null Noise-Geräusche. Wohnt hier der Teufel? Und dabei sieht die 3 Inch CD so niedlich aus, aber was da einem in einer guten Viertelstunde geboten wird, ist es definitiv nicht. B°TONG klingt wie eine kalte Maschine deren einziges Ziel Zerstörung ist. Die Maschine ist schon komplett verrostet, droht auseinanderzufallen. Korrosion überall. Maschinenwelt. Bist du in dieser Matrix gefangen?

Rating; 6/10



Causa Sui "Free Ride" CD (Elektrohasch Schallplatten)




Die beigefügten Presseinfos beschreiben Causa Su so: "Stell dir vor, Hendrix und Blue Cheer jammen zusammen mit dem jungen Iggy Pop und abgemischt wird das ganze von den Jungs von Can." Hat was, die Beschreibung. Die Band spielt auf ihrem Zweitling überzeugenden, genreübergreifenden psychedelischen Rock, mit Druck und Groove. Stellenweise schrauben und drehen sich die 7 Stücke in wilder Ekstase nach oben, driften völlig ab ins Space-Gefilde und tanzen dann frei und entrückt und völlig bekifft in den Sonnenuntergang. Der Jam-Charakter der Stücke lässt den Hörer immer wieder aufspringen und die Anlage noch lauter aufdrehen. Causa Sui machen Spass und das vorliegende Album ist tatsächlich ein lebendiger, zeitloser "freier Ritt" durch die vergangenen Jahrzehnte der Musikgeschichte. Let the lava flow!!

Rating: 7/10



CTAICK "Amur Region" CD-R (Verato Project) & CTACIK "In Order To Prevent Sense" CD-R

CTACIK ist dunkel as fuck und bewegt sich mit seinen Klangforschungen irgendwo im Dark Ambient, Noise und Field Recordings Bereich. Weite mächtige Klangfelder mischen sich mit nervtötenden Radiowellen und verschiedenen Samples von Stimmen und Tieren, welche ineinander wallen- und wabern, generiert durch synthetische Sounds. Dass hier keine schöne angenehme Musik geschaffen wird, dürfte klar sein. CTAICK wirkt eher ungeschliffen, dreckig und entfremdet von jeglicher menschlicher Kommunikation. Entstellte Maschinen dominieren hier die Erde. Interessant wie verstörend.

Rating: 7/10



Dragontears "2000 Micrograms From Home" CD (Bad Afro Records)




"2000 Micrograms From Home" ist ein Jam-Album, das merkt man gleich. Mitglieder von Baby Woodrose, On Trail und Spids Nogenhat haben das Kopenhagener Projekt Dragontears gegründet und als erstes Lebenzeichen 6 psychedelische, Space-Stücke geschrieben, und in langen Jam-Sessions aufgenommen. Schon der Opener "Microdot" hat was hypnotisches, ein Eindruck, der sich im nächsten Stück "Borderline" verfestigt und auch die weiteren Stücke überdauert. Mit der laschen Faulheit von Kula Shaker und der psychedelischen Kraft der 70'er Jahre ist "2000 Micrograms From Home" eine schwül-sumpfige Angelgenheit zum Treiben- und völligen Hängenlassen des Seins. Verträumte Psych-Momente hüllen den Hörer in einen seltsam-entspannten Liebeskosmos ein, aus dem man nicht ganz so schnell entlassen werden möchte. Orgeln, Wah-Wahgitarren, Autoharp, Tamburin, spaceige Klangcollagen und Hintergrund-Percussion sowie der sanfte, treibende Gesang sind die Hauptwerkzeuge für dieses völlig entspannte und fein gewebte Klangreich. Need some drugs? Immer nur herein.

Rating: 7.5/10



Dyse "s/t" CD (Exile On Mainstream)




Bei Dyse bleibt kein Stein auf dem anderen, das holländische Duo, benannt nach dem Dysecatmotel, kämpft mit aller Macht gegen eine stagnierende (musikalische)Welt und ackert hier immer nach vorne, durch einen sperrigen und knochigen Noise-Rock Batzten, der es dem Hörer nicht leicht macht. Quälende Gitarren, Drums wie eine Abrissbirne und dazu Geschrei, der völlig entartet und wirr klingt. Auf CD durchaus nervtötend und schwierig, live aber bestimmt die Offenbahrung für jeden von der Welt verlassenen und angepissten Noise-Rocker. Dyse klingen auf ihrem selbstbetitelten fast 40 minütigen Debut-Album knallhart und direkt. Sympathisch.

Rating: 6/10



Electric Orange "Platte" CD (Sulatron Records)




Anno 2003 in Kleinstauflage auf Vinyl erschienen, gibt es diese Perle an Neo- oder Nu-Kraturock nun auch endlich in digitaler Form auf CD. "Platte" begeistert durch eine ruhige, reduzierte Struktur die einen weiten Raum öffnet für meditative, schwebende Orgel/Synthie-Passagen und monotonem, über Minuten gleich bleibenden Rhythmus der Drums. "Holzbock" wirkt lauter, hat eine direktere Art, durch den stampfenden, hölzernen Rhythmus. Die hypnotischen, kontemplativen Orgelflächen werden ab und an durch verspieltere Parts unterbrochen. Hier erscheint dann die Gitarrenarbeit deutlicher und tragender. Der unterschwellige, schwüle und psychedelische Charakter der Stücke lässt "Platte" wesentlich subtiler und verletzlicher erscheinen als die früheren Arbeiten der Band. Als Referenzen zu nennen sind Tangerine Dream, Popul Vuh und Can. Die 3 regulären Stücke von "Platte" sind erweitert um die beiden Bonustracks "Dedicated To MK" und "Flurstück". Der Improvisationscharakter und die langen, ausladenden Jams lassen "Platte" in einem völlig zeitlosen Kleid erscheinen, hier ist jeder Blick auf die Uhr überflüssig und man sitzt praktisch irgendwo zurückversetzt in den Siebzigern auf einem alten, zersessenen Ledersofa bei dämmrigem Licht und nuckelt an seinem Longdrink herum. Für mich sind Electric Orange der Bohren und der Club of Gore des Krautrock. Völlig gespannt auf das neue Album der Band wartend verbleibt ein begeisterter Rezensent...

Rating: 8/10



End Of Level Boss "Inside The Difference Engine" CD (Exile On Mainstream)




End Of Level Boss aus London zelebrieren auf ihrem zweiten Album einen schweren, organischen Leidensweg, der sich zäh und schleppend hinzieht und ewig zu gehen scheint.
Dicker Wüsten-Rock a la Kyuss und noisiger, unruhiger Heavy Metal bilden angenehme Kontrapunkte auf "Inside The Difference Engine" und lassen selbst noch Raum für sphärische, uferlose musikalische Momente. Bei diesen Momenten meint man gar, die CD sei hängengeblieben, aber ein Blick auf's Display des CD-Spielers zeigt: alles Absicht. Einerseits geben sich End Of Level Boss dadurch betont ruhig und bizarr, gar warm, andererseits wird es nicht viel später wieder noisig-wüst und wild. Unsane wie auch Voivod oder Helmet fallen als Referenzen ein.

Rating: 7/10



Eve And The Last Waltz "Straight Up To The Sky" CD (Rhythm Ace Recordings)



Schon beim Lesen des Namens lief es mir eiskalt den Rücken herunter und dieser Eindruck sollte sich noch zum Beinahe-Kollaps vertiefen, als die Sängerin, Eva Lalander, mit ihrem super gepressten, kehligen Gesang anfängt zu singen. Muss die Schmerzen haben. Grauenhaft. Eve And The Last Waltz sind eine schwedische, fünfköpfige Band und veröffentlichen mit "Straight Up To The Sky" ihr drittes Album, das laut Presseblatt 9 "shiny new Songs taken directly from first hand experiences from the surrounding world's slow decay and fast transformations". Nun gut, auch bei so einem Satz läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Soll hier mein Ratschlag sein: Bitte geht sterben? Musikalisch wird dem Hörer dann auch ein nervtötender Alternative/Country/Folk-Brei geboten Auch der Einsatz der Hammond-Orgel rettet da nichts. Kurze Frage: Hat Frau Lalander ihren Gesang beim Kacken aufgenommen? Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen...

Rating: 3/10


Fear Falls Burning "The Rainbow Mirrors A Burning Heart" LP (Auf Abwegen)



Hier haben wir das Konzert vom 13. Oktober 2006 im Kulturbunker Mullheim zu Köln auf Vinyl gefasst. Äusserst minimal beginnt diese dezent gestaltete LP, praktisch nur ein statischer Ton über Minuten. Stichwort "Minimal Drone". Erst nach und nach werden einzelne Akkorde angeschlagen und der kontemplative Charakter wird langsam und allmählich dynamischer. Die zweite Seite beginnt, wie die erste aufhörte und schraubt sich auch erst allmählich und gemächlich ihrer Bestimmung zu. Ungleich verschrobener geht es hier zur Sache, gespenstische Stimmungen entstehen, die Klangwand ist mystisch-schimmernd. Die Akkorde werden zunehmend unruhiger, lauter und die Herangehensweise ist direkter wie unmittelbarer. "The Rainbow Mirrors A Burning Heart" ist eine gelungene und auf 300 Exemplare limitierte Veröffentlichung und wahrscheinlich schon ausverkauft.
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Rating: 7/10



Fear Fallls Burning "We Slowly Lift Ourselves From Dust" Picture 10" (A Silent Place)




"We Slowly Lift Ourselves From Dust" entält 2 Stücke und 28 Minuten unveröffentlichter Drones von Fear Falls Burning. Bereits 2005 aufgenommen, erscheint "We Slowly Lift Ourselves From Dust" erst jetzt auf dem italienischen A Silent Place Label. Die Aufmachung ist edel und überzeugt durch die bedruckte Abspielfläche des 10 Zoll Vinyls. Abgebildet sind makroskopische und abstrakte Aufnahmen von Martina Verhoeven. Ist die erste Seite fast mit einer punkigen, rauhen Stimmung ausgestattet, so wirkt die zweite Seite mehr wie eine krautige Spacedrone mit einer variierenden Intensität. Klanglich knüpft sich die 10" auch zu Beginn an die oben besprochene "The Rainbow Mirrors A Burning Heart" LP an. Der Charakter der beiden auf "We Slowly Lift Ourselves From Dust" enthaltenen Tracks ist unmittelbar und ungeschönt. Nicht verwunderlich, denn beide Stücke wurden nicht nachbearbeitet, sondern einfach wie sie sind zur weiteren Dokumentation des Live-Charakters der 10" verwendet.

Rating: 8/10



Fear Falls Burning/ Nadja "s/t" CD (Conspiracy Records)




Mit dieser CD kommt nun nach der letztjährigen, limitierten LP die zweite Zusammenarbeit von Dirk Serries aka Fear Falls Burning und Aidan Baker und Leah Buckareff als Nadja. Ähnlich wie die LP, bietet dieses Gemeinschaftsprojekt 4 epische, pulsierende und dynamische Drone-Stücke mit mutigen, weiten Klangflächen, grosser atmosphärischer Dichte und üppigem ausladendem Raum. Psychedelische Halluzinationen wie rauschhafte Träume finden ebenso ihren Raum auf diesem selbstbetiteltem Album wie die zahlreichen okkult-gespenstischen und melancholischen Momente, die von Nadja eingebracht werden. Das Album erscheint in einem zurückhaltend gestalteten Digipack und ist auf 1000 Exemplare limitiert. Damit wird eine Reihe von Veröffentlichungen von Fear Falls Burning auf Conspiracy eingeläutet, als nächstes stehen die FFB/ Birchville Cat Motel CD an, ebenso wie das nächste reguläre FFB Album Anfang 2008.

Rating: 8/10



Goon Moon "Licker's Last Leg" CD (Ipecac Recordings)




Goon Moon ist ein All-Star Ding, das aus Jeordie White aka Twiggy Ramirez von Marilyn Manson, Nine Inch Nails und Chris Goon, dem Frontman der Masters Of Reality und dem Produzenten von Acts wie Kyuss, Queens Of The Stone Age besteht. Musikalisch ist "Licker's Last Leg" ein buntes Spektakel und Potpourri. Man erkennt etwas von den oben genannten Bands im Sound von Goon Moon, ebenso wie von den neuen Folk Acts, wie Devendra Banhart oder Johanna Newsom. Ausserdem spielen auf "Licker's Last Leg" mit: Zach Hill (Hella), Josh Freese (The Vandals, A Perfect Circle, Nine Inch Nails), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Dave Catching (Eagles Of Death Metal, Mondo Generator), Whitey Kirst (Iggy Pop) und Peter Perdichizzi von The Flys. Durchaus eine interessante und beeindruckende Liste an Namen, die für ein ebenso interessantes, wie vielseitiges fast 55 minütiges Album stehen. Um mit Name-dropping zu schliessen: Das gelungene Artwork stammt von Mackie Osbourne, der fast alle Melvins Plattens seit 1994 gestaltet hat.

Rating: 8/10



Hero Dishonest "When The Shit Hits The Man" CD (Sabotage Records)




Geiles Finnen-Filet aus 21 Trash Stücken die durchweg arschtreten und knallen. Hero Dishonest veröffentlichen nach über 300 Live-Shows mit "When The Shit Hits The Man ihr 4. Album und präsentieren sich "tighter" und geschmeidiger denn je: hier wird nicht nur stumpf nach vorne geballert, nein, sondern auch mal Raum und Luft gegeben für 30 Jahre Punk Geschichte, in der ja bekanntlich viel Platz hat: Black Flag, die Big Boys und Wrangler Brutes. Hero Dishonest sind Hardcore-Punk mit Nuancen und allerlei wilden Drehungen, Wendungen und genialen Rhythmen die schon tief verwurzelt im originalen US-Hardcore verwurzelt scheinen. Das Artwork passt perfekt und das dicke Booklet enthält die sarkastischen Lyrics von "When The Shit Hits The Man".

Rating: 8/10



Insense "The Silent Epidemic" CD (Black Balloon Records)




Hier wird ein ganz schöner Dampfhammer losgelassen, der durch die technische Finesse wie sie auch Bands wie The Dillinger Escape Plan haben, besticht. Aber auch "moderne" Metal- Elemente (cleaner Gesang, abgehackte Rhythmen etc.) von Bands wie Slipknot oder den angesagten Nu-Metal Kapellen, zeichnen Insense aus. Und das, ohne nach Kopie zu klingen. "The Silent Epidemic" ist also ziemlich vielfältig und wird über die Spanne von 10 Songs nicht langweilig. Die Devise lautet auch durchweg: Angriff! Insense zeichnet einerseits die Schnelligkeit und Präzision der knallharten Stücke aus. Sie können daher voller Wut und Rage zerfahren nach vorne preschen, andererseits jedoch ist da Raum für seichtere Melodien mit klarem Gesang, melodischen Riffs- und Leads. Das Artwork ist schön fies: Der Bauch eines Mannes bricht auf und allerlei Gewürm und Schlangen bahnen sich ihren Weg nach aussen. Dem Herren, dem das geschieht, scheint es zu gefallen, oder wie ist sonst sein diabolisches Grinsen zu deuten?

Rating: 7/10



Josiah "No Time" CD (Elektrohasch Schallplatten)




Josiah bringen mit "No Time" einen dicken Brocken Fuzzrock heraus, der unbedingt laut gehört werden will. Schon das klassische Heavy Metal Artwork, vollkommen in Schwarz/ Weiss gehalten, stösst bei mir auf pure Verzückung. Tonnenschwere Riffs, eine knöchern-trockene Aufnahme und reichlich 70'er Heavy Metal Feeling sorgen für die musikalische Begeisterung. Den Highway runter, Dosenbier, Trucks'n'Harleys überall. Abendstimmung. Und ab in den Sonnenuntergang geht's. "No Time" strahlt eine gewisse Kompromisslosigkeit aus, denn es scheint, als schere sich das Trio aus England nun mal gar nicht um irgendwelche Attitüden, hier geht es nur um die Liebe zum schweren Rock. Die dunklen Lyrics der 9 Stücke geben dem Album noch die nötige apokalyptische Würze. Die beiden ersten Josiah Alben, der selbstbetitelte Erstling, sowie "Into The Outside" werden wegen der grossen Nachfrage im Juli von Elektrohasch wieder veröffentlicht. Die Band befindet sich in den nächsten Wochen und Monaten auf ausgedehnter Europatour.

Rating: 8/10



Malkovich "Kings N' Bosses" CD (Go Kart Records Europe)




Malkovich entziehen sich beharrlich jeglicher Kategorisierung und haben es dadurch vielleicht schwerer einen festen Platz in einer Szene zu finden. Nach Reflections sind die 5 sympathischen Holländer nun bei Go-Kart Records gelandet und veröffentlichen mit "Kings N' Bosses" ein dynamisches, eingängiges und abwechslungsreiches neues Album mit 12 Stücken. Lustig, nach wie vor tragen die Lieder keine Titel sondern sind nur schlicht durchnumeriert, im Fall von "Kings N' Bosses" heisst das Nummer 042 bis 047, was vermutlich für die Gesamtzahl an geschrieben Songs steht. Malkovich vereinen auf "Kings N' Bosses" gekonnt Elemente aus verschiedenen Genres wie Hardcore, Punk, Metal, Rock und sogar Jazz. Immer wieder erinnert die Band an Refused, was aber keineswegs nach einer plumpen Kopie klingt, sondern eher auf die Art des Songwriting verweist. Dass auch nerviger Techno mit in die Musik einfliesst um nach kurzem Beatintermezzo voll nach vorne loszurocken, unterstreicht zwar den Spass-Faktor und Party-Charakter des Albums, hätte aber meiner Meinung nach nicht sein müssen.

Rating: 7/10



Mathon "Muntsuleij" CD (Everest Records)




Mathon ist ein auf über 1500 Metern gelegenes Dorf in den Schweizer Bergen mit einem unvergleichlichen Ausblick auf die Schweizer Alpen. Seit dem Jahr 2003 besucht "Aurel" Leuenberger den stillen Ort immer wieder mit verschiedenen Musikern, um, inspiriert von der Umgebung, Musik aufzunehmen. Die 5 enthaltenen Stücke auf "Muntsuleij" wurden im März 2006 mit Thomas Augustiny, Markus Koller und Roger Stucki aufgenommen. Sie reflektieren den Einfluss der kalten, verschneiten Berglandschaft unmittelbar in mächtigen, nebligen wie hochaufgetürmten, von monströsen Wolken verhangenen, Klangbildern. Die Stimmung der fünf Ambient- und Drone-Stücke ist eiskalt. Dumpfe Schläge und Knacken hören sich an wie tiefe Gebirgshöhlen in denen das Eis bricht, sich Lawinen mächtige Abhänge hinunterstürzen oder sich plötzlich der Wind dreht und in Sekunden die Berge von Wolken verhangen sind und ein Schneesturm losbricht. Teilweise wirken die Klänge wie ein Schneegrab: Da liegt man unter dem Schnee begraben und hört nichts als die Geräusche der Natur, die einen in ihren Klauen hat. Klaustrophobische Zustände vermengt mit weiten Panoramabildern und gleißendem Licht. Grandios.

Rating: 8/10



Neurosis "Given To The Rising" CD (Neurot Recordings)



Eines vorweg, der Soloauftritt von Steve von Till im Rahmen seiner Promo-Tour Anfang April unter dem Harvestman-Banner hat mich eher enttäuscht, wie begeistert. War noch das anfängliche Material seiner zwei Solo-Alben atmosphärisch und durchaus überzeugend, so waren die anschliessenden Stücke aus dem Harvestman-Repertoire eine komplette Blamage für den Herren, da er praktisch nichts seiner "Lashing The Rye" CD live umsetzen konnte. Und ganz ehrlich, diese ewige "Blut-Fluss-Ahnen-Symbolik" fängt mich langsam auch an zu nerven. Und auch wenn "Given To The Rising" überzeugend ist; es sind eben Neurosis und die erfinden sich nach über 20 Jahren auch nicht mehr neu. Klar, müssen sie auch nicht. "Given To The Rising" wirkt wieder direkter, erdiger und ein Tick schwerer wie der Vorgänger. Die Band scheint die Langsamkeit neu entdeckt zu haben. Langsam, zäh und psychedelisch klingt "Given To The Rising". Diese psychedelischeren Elemente sind neben der rohen Ungehobeltheit im Sinne vom Klassiker-Album "Enemy Of The Sun" die Neuerungen zum Vorgänger "In The Eye Of Every Storm". Mit "Given To The Rising" meldet sich die Band einmal mehr als absolut markant, durchschlagend und mächtig zurück und wird somit kaum einen der zahlreichen Fans enttäuschen. Wie viele Alben braucht man noch von den Berufsneurotikern!?

Rating: 7/10



Nine "It's Your Funeral" CD (Spinefarm Records)




Einsame Wiese, kahle Bäume, vertrocknetes Gras. Wer hat mich herbestellt? Zack, neben mir fährt ein Spaten in die Erde. Shit man, woher kommt denn der? Ok, der Sensenmann ist da. Alles klar. So einfach, so lakonisch steckt da der Spaten neben mir in der Erde. Weit und breit niemand zu sehen, aber ich spüre, er ist da. Graben anfangen, die oberste Schicht ist durch das lange Gras vom letzten Sommer zäh, die Erde gefroren. Bald kommt Schnee. Ich hacke mich durch. Verzweiflung, verdammt warum ich? Hilft nichts, weitermachen, das Leben noch ein letztes Mal am Schlawittchen packen. Wurzelwerk, ich brauche meine ganze Kraft. Die Hände platzen auf, Blutschlieren am Griff des Spatens. Scheisse zwar, aber nicht nur das tut mir weh. Haufenweise weiche Erde, immer nur heraus damit, das Loch ist noch nicht tief genug, nicht weit genug, nicht breit genug. Schweiss und Angst. Tränen und Blut. Die letzte Wut. Es ist deine Beerdigung, also mach' dich bereit. Und noch was, die Beerdigung ist um neun... Ok, Scheisse Mann, das war klar.

Rating: 7.5/10



Oh Lucky Star "A Place In The Sun" CD (Rhythm Ace Recordings)





Oh Lucky Star machen sperrige, verschrobene Instrumentalmusik, die man am besten mit Filmmusik zu irgendwelchen "Tarantino-Style-Movies" vergleichen könnte. Die 10 Stücke sind allesamt dynamisch, druckvoll und meist so mitreissend, dass man das Interesse an "A Place In The Sun" nicht verliert. Zahlreiche Einflüsse und Stile wie Country oder afrikanische Gitarrenmusik hört man heraus. Die musikalischen Landschaften, welche die Band kreiert erinnern an weite Steppen, trockene Erde, staubige Luft und karge Buschlandschaft. Manchmal unterliegt den Songs so ein seltsame Beschwingtheit (hat was von schwarzem Humor) die darauf verweist, dass es der Band bestimmt Spass macht, zu dritt live zu spielen und sich gegenseitig mitzureissen. Der legendäre Jim Diamond (Dirtbombs, White Stripes) ist von Oh Lucky Star so begeistert, dass er direkt Interesse angemeldet hat, die Band zu produzieren. Das Artwork ist Understatement pur und das Gelbgrün des Covers zeigt auch visuell die verschrobene, sperrige aber charmante Haltung von "A Place In The Sun" an.

Rating: 7/10



Or, The Whale "Light Poles and Pines" CD (self released)




Or, The Whale haben sich im Jahr 2005 in San Francisco, CA gegründet und für ihr relativ junges Bestehen schafft es die aus 7 Leuten bestehende Band recht abwechslungsreiche, dynamische und vielfältige Lieder zu schreiben. "Light Poles and Pines" ist im weiteren Sinne epischer, schöner Indie Rock Pop mit einem Hang zu traditioneller amerikanischer Folk- und Country Musik. Or, The Whale vermitteln mit ihrem Debüt Album beides: Gefühl und Gespür für Harmonien die den Hörer einnehmen, wie auch das Spiel mit den lauten Tönen und direkteren, intensiveren Rock'n'Roll'n'Country Melodien, die wie ein Auftritt in einer Bar wirken. Clichéhaft wirken Or, The Whale dabei nicht, was sie um so interessanter, authentischer und "frischer" macht. Die CD ist in ein Digipack gefasst, welches optisch die die Country-Seite der Band schön interpretiert und wiedergibt. "Light Poles and Pines" wurde von der Band selber veröffentlicht und ist über orthewhale.com zu erstehen.

Rating: 7.5/10



The Blackout Argument "Munich Angst" MCD + "Munich Valor" MCD (Bastardized Recordings

Auch wenn auf diesen beiden EPs sicher nichts neu erfunden wird, macht The Blackout Argument Spass. "Munich Angst" die Debut EP der Band um ehemalige Mitglieder von Paint The Town Red und Flyswatter bietet 5 kleine Hardcore Granaten, die um allerlei moderne, melodische Facetten erweitert werden. The Blackout Argument schaffen es auf jeden Fall, ein homogenes Gesamtbild abzugeben, das mitreisst und Stimmung macht. Gesanglich erinnert mich "Munich Angst" auch an Boy Sets Fire, ein Eindruck, der sich auf der anderen, neueren EP "Munich Valor" noch verstärkt. Während das Debut Album der Band bei Lifeforce Records erscheinen wird, bringt Bastardized die einst bei Engineer in England erschienene erste EP der Band, sowie "Munich Valor" mit 6 neuen Stücken heraus. Diese sind dann doch etwas anders, The Blackout Argument haben sich neu positioniert und liefern härtere, harschere Stücke, die prägnant und nach vorne gespielt sind. Gefällt mir besser, da sich die Band wesentlich spielfreudiger und energetischer zeigen. Der geschriene Gesang hat auch zugelegt und die gesamte stimmliche Performance wirkt bissiger, aggressiver und der cleane Gesang besser integriert. Die Frage ist nur, ob The Blackout Argument dieses hier gezeigte Potential auch über Albumlänge geschickt und intelligent halten können. Hier jedenfalls gelingt es über die Länge von 5 Songs plus Intro.

Rating: 7/10



Tomahawk "Anonymous" CD (Ipecac Recordings)



Zum Trio geschrumpft veröffentlichen die Herren Duane Denison (Jesus Lizard), John Stanier (Battles, Ex-Helmet) und Mike Patton (Faith No More, Fantomas...) ein ungewöhnliches Album, das diesmal dem Bandnamen alle Ehre macht und sich wirklich mit indianischer Musik des frühen 20. Jahrhunderts befasst. Musikalisch ganz anders wie die Vorgänger-Alben, aber trotzdem exzellent: Man könnte "Anonymous" gar als Fantomas auf Reisen in den ewigen Jagdgründen sehen. Die 13 Stücke sind von Pattons einzigartiger Stimme geprägt, die düster indianische Gesänge zelebriert und interpretiert. Beim ersten Mal noch für etwas nervig befunden, bleiben die Songs nach mehrfachem Hören durchaus mit Wiedererkennungswert in den Gehörgängen hängen. "Anonymous", der Albumtitel verweist auf die zahlreichen unbekannten Quellen, aus denen diese indianischen Lieder stammen. Tomahwak haben die Grundstrukturen und Themen verwendet, wie sie beispielsweise von Natalie Curtis Burlin, die mit den Hopi Indianern gearbeitet hat, übersetzt worden sind."Anonymous" ist dabei sehr facetten- und abwechslungsreich, frisch etc. und man hätte mit solch einem Album wohl kaum gerechnet.

Rating: 8/10



Unicorn/ Torso "s/t" CD (Divorce Records)



Diese Split CD ist Klangterrorismus der krasseren Sorte. Schon beim ersten Track der CD von Torso geht einem der Arsch auf Grundeis. Ohne Scheiss. Man stelle sich das Gekreische von Steve Austin von Today Is The Day auf der "In The Eyes Of God", nur potenziert, quasi auf Acid und Speed. Und das, unterlegt von fiesem, manipuliertem, kaum ertragbarem, PC-generiertem, brutalem (White)Noise und von Tonnen von Electronics. Herrlich erschreckend wie beeindruckend. Today Is The Day auf Acid meets die Powerdrones von Skullflower. Hinter Torso verbirgt sich der "Musiker" Sandy Saunders aus Kanada. Unicorn hingegen ist das Baby des US-amerikanischen Sound-Veteranen Bill Nelson von Bastard Noise und Sleestak. Sein Teil der CD ist ein netter, ruhigerer aber düsterer Ausgleich zu Torso. Weiter Raum, Drones und feine elektronische Spielereien. Die über 70 minütige CD erkundet auf intelligente Weise das Gebiet von minimalen Drones und harschem, kraftvoll-brutalem Noise. Das Artwork der CD ist auf braunen Karton gedruckt und wirkt fast wie eine ruhige Fassung, um all das in Zaum zu halten was auf der CD wiederum klanglich losgelassen wird. "Human sickness, Eyes of hate, Running faster, Can't escape. In Solitude, i ease the pain, Knife and violence, Black blood rain.

Rating: 8.5/10



Unsane "Visqueen" CD (Ipecac Recordings)




Unsane sind eine unermüdliche Band, die seit 1988 stetig und unablässig ihren Weg geht und alle paar Jahre durch eine neue Platte von sich Reden macht. Ihr schwerer Noise-Rock ist dabei zu ihrem unverwechselbaren Kennzeichen geworden. Alben wie "Scattered, Smothered & Covered" und "Occupational Hazard" gehören dabei zu den Highlights der Band- Geschichte. Nachdem sie zuletzt auf Relapse mit "Blood Run" doch etwas stagniert haben, überzeugt "Visqueen" mit seinem fast 45 Minuten- verquertem Noise-Rock wieder voll und ganz. Es ist direkt, ungeschliffen und klingt mindestens so kalt wie eine gefrorene Leiche im Eisschrank im Keller... "Visqueen" wird neue wie alte Fans begeistern und die wichtige Position der Band im Underground noch weiter untermauern. Abzüge gibt es für das fehlende Booklet und die dürftige Aufmachung.

Rating: 8/10



Wäldchengarten "Reservatet" CD-R (Verato Project)



Wäldchengarten ist der Soundtrack zu Teilen des Buches "Reservatet" von Christian Haun. Wäldchengarten kommen aus Dänemark. Die Musik dazu ist ein einziges, 30 minütiges Drone-Stück. Es ist ausufernd, weit, laut und eher schwer wie schimmernd und licht. Es hat etwas von Post-Rock und wirkt erdig und dann und wann psychedelisch. Das Artwork suggeriert eher, dass es sich bei der CD um den Soundtrack zu einem Film handelt, auf der Innenseite des Booklets sind Auszüge aus dem Buch von Christian Haun abgedruckt.

Rating: 6.5/10



V/A Expedition_2 "s/t" CD (Everest Records)




Die Expedition_2 Compilation gibt einen ausgezeichneten Eindruck über das aktuelle und künftige Programm des (Schweizer) Everest Labels in Sachen zeitgenössischer elektronischer Musik und Drones. Die partizipierenden Künstler sind wie folgt: Alphatronic, D'incise, [sic], Meienberg, Softland, Falls Of Mute, Hopen, Jotta, Paral-lel, OP Rechts/ matu, Eakui, TSUKI, Steinbrüchel, Uniform und Misel Quitno. Das "Schlachthaus-Artwork" ist einigermassen roh und brutal, passt aber irgendwie bestens zu den 15 relaxten Tracks auf " Expedition_2".

Rating: 8/10

 

Reviews - Summer 2007

108 "A New Beat From A Dead Heart" CD (Deathwish Music)



Nach der Diskographie CD im letzten Jahr und der limitierten Demo CD zur letzt jährigen Tour hier nun nach über 10 Jahren ein neues Studio Album von 108. Die Band zeigt sich 2007 weit nicht mehr so ideologisch und extrem wie einst, denn viel hat sich verändert im Leben der Herren, was sich auch optisch bemerkbar macht. Robert Fish hat einiges an Gewicht zugelegt und Vic, der alte Verwandlungskünstler sieht fast aus wie eine Transe. Bis auf den noch relativ jungen Drummer, Tom Hogan, ist108 im Original Line-Up, bestehend aus Vic DiCara, Rob Fish und Tim Cohen. Einigermassen skeptisch war ich ja schon, denn oft geht das Experiment einer Wiedervereinigung nach langer Zeit schief. Nicht so bei 108. Die Band veröffentlicht mit "A New Beat From A Dead Heart" ein absolutes Kraftpaket, das mit viel Geschick und Können überzeugt. Vertrackter, noisiger Hardcore mit brachialer Energie, der über die 13 Stücke nicht langweilig wird. Überraschend gut. Auch die Produktion von Kurt Ballou (Converge) ist kraftvoll, leicht dreckig und schön rauh. Präzise und intelligent gleichermassen. Die Texte sind intelligent-kritisch und haben eine gar poetische Dimension und sorgen auch 2007 dafür, dass 108 eine Band mit Message sind, die aber weit angenehmer schmeckt wie damals zur Hochphase der Krishna-Core Bewegung.
Musikalische Einflüsse lassen sich auch erkennen, etwas Converge in den chaotischen Teilen, Refused und Melodien die an Fugazi und Bad Brains erinnern, wie etwa in "We Walk Through Walls". Die Metal Attacke von Song namens "My Redemption Song" erinnert stark an die 90'er und Bands wie Morning Again. Insgesamt haben diese neuen 108 Stücke auch viel von Robert Fishs Band die er nach der Auflösung von 108 gründete, The Judas Factor. Bleibt noch das Artwork zu erwähnen, dass von Jacob Bannon (Converge) stammt. Sicherlich gelungen, aber dennoch langweilig. Zu durchschaubar präsentiert der talentierte Designer Bannon in letzter Zeit seine Arbeiten. Und auch die Jungs von 108 müssen hierbei kritisiert werden: Jetzt nach der ganzen langen Zeit wäre auch endlich die Möglichkeit gegeben, sich im Artwork des Albums von dieser langweiligen, klischeehaften indischen Krishna Symbolik zu verabschieden. Trotzdem, 108 haben sich mit "A New Beat From A Dead Heart" wieder eindrucksvoll zurückgemeldet.

Rating: 8/10



AMP "All Of Yesterday Tomorrow" 3xCD (RROOPP)




AMP haben sich in ihrer 15 jährigen Existenz immer als Experimentierfeld und Garant für zeitgenössische und experimentelle Musik verstanden und etabliert. Die Band um Richard Amp und viele, wechselnde Mitglieder veröffentlicht mit der fulminanten 3xCD "All Of Yesterday Tomorrow 38 Stücke, die den Bogen um eine ganze Dekade spannen; für die Gesamtheit des AMP Oeuvre stehen. "All Of Yesterday Tomorrow" beinhaltet dabei 12 unveröffentlichte Stücke, verschiedene Alternativ-Versionen, Outtakes, sowie die Tracks des ausverkauften Single-Albums "Passé, Présent" (1998), einige Vinyl-Only-Tracks sowie Sampler Beiträge. Die 3 Cds kommen in einem wahrhaft dicken Digipack, der auch noch ein beinahe ebenso dickes, zwanzigseitiges Booklet mit vielen Fotos, Beiträgen, Diskographie und Biographie enthält. Das Digipack ist stilvoll und detailliert gestaltet. Musikalisch wird soviel geboten, dass dafür die kurze Besprechung und der Wortschatz des nichtigen Rezensenten kaum ausreicht: Hier spielt man sich durch sämtliche Genres des Experimentellen, von A wie Ambient, über E wie Elektronica, F wie Field Recordings, P wie Postrock oder S wie Spacerock. Die Vielseitigkeit und Ideenvielfalt überrascht mich dabei immer wieder auf das Neue, und lässt "All Of Yesterday Tomorrow" zu einem gar unerschöpflichen Quell werden, den es immer wieder neu zu entdecken und entschlüsseln gilt. Wunderbar.

Rating: 8/10



Chang FFOS "Trust This Arcane Device" CD (Moonlee Records)




Chang FFOS geben auf "Trust This Arcane Device" richtig Gas mit einer intelligent und kraftvoll umgesetzten Mischung aus schwerem Rock mit verschiedenen Einflüssen aus psychedelischem Rock, Sludge, Doom, Noise und Wüsten-Rock. Dabei klingen sie, oder anders; ist die Herangehensweise nicht unähnlich wie es die grossen Vorbilder seit Jahr und Tag machen: Die Schwere und groovige Zerfahrenheit von Neurosis, den stetig andauernden Energiepegel von Converge, die Durchgeknalltheit von Kiss It Goodbye und Today Is The Day. All das findet man zuhauf auf "Trust This Arcane Device" wieder. Und über allem ein stetiges, breites Band aus kraftvollem Wüstenrock, Kyuss lassen hier grüssen. Man sieht, ein Haufen Namen die hier genannt werden, aber Chang FFOS schaffen es mit ihrem Sound tatsächlich von jeder genannten Band etwas mit in ihre Musik einfliessen zu lassen. Und nichts davon klingt kopiert. Heavyiness, Durchschlagkraft und Intelligenz über die volle Spielzeit fast 47 Minuten.

Rating: 7/10



COG "Curseoverground" CD (Moonlee Records)




COG sind eine Band aus Osijek, Kroatien, die schon seit 1997 besteht. Mir bislang allerdings unbekannt. Mit Sicherheit kann man sagen, dass COG zu den besseren Bands im Bereich des Noise-Rock in Kroatien gehören. Ihre Musik klingt dynamisch und spröde-abgehackt. Fesselndes Drumming, dichter, wummernder Bass und lockere, hektische Gitarrenarbeit und der melodisch-jammernde Gesang machen COG "Curseoverground" zu einem Gesamtpaket aus 9 Stücken, dass mitunter sogar Shellac meets Slinth Momente versprüht. Dass offensichtlichste Manko für mich ganz persönlich ist die eher unterirdische Produktion. Sie klingt zu dünn, zu metallisch... irgendwie meint man alles durch ein Dachrinnenrohr zu hören.

Rating: 6/10



Hemlock "Bleed The Dream" CD (Candlelight Records)




Hemlock kommen aus Las Vegas, Nevada. Dort sind sie aber selten anzutreffen, denn die Band geht lieber mit Acts wie Slayer, Hatebreed, Soulfly, Slipknot, Sepulture und anderen Metal-Kapellen auf Tour. Musikalisch liegen dann auch die 12 auf "Bleed The Dream" enthaltenen Stücke irgendwo in diesem Terrain. Brutaler Metal, mit vielen Breakdowns und melodischen Hooks (so they say...). Hemlock gehen einerseits und zumindest teilweise schon gewitzt zur Sache, was "Bleed The Dream" etwas metallerne Würze verleiht, andererseits ertrinkt die Band absolut in den ganzen Klischees, die man sich nur so vorstellen kann und aus dem Bereich zur Genüge kennt. Bis zur Kreativität ist es noch ein weiter Weg. Live zündet Hemlock vor dem geneigten Publikum bestimmt und kommen richtig... sagen wir "dick" rüber.

Rating: 5/10



Kiss The Anus Of A Black Cat "Turn Hegel On Your Head" 7" (Implied Sound)




Folk is the new black! Gut, über den Namen lässt sich streiten, aber die Musik ist ganz wunderbar. Kiss The Anus Of A Black Cat, das Projekt um den Belgier Stef Irritant veröffentlicht nach 2 CD-Alben auf Kraak nun eine erste Veröffentlichung auf Vinyl. Die 7" Single enthält 2 Stücke, das erste fängt langsam und steigert sich mit brodelndem, sich wiederholendem Singsang. Ein sehr schönes, emotionsgeladenes Stück. Auch der Text. Erinnert mich vom Gesang her an Current 93. Black Folk at its best. Besonders schön und gelungen auch der Hintergrund Gesang/Chor. Das zweite Stück ist etwas ruhiger und zerfahrener. Es strahlt eine eigentümliche Melancholie aus, ist subtiler und langsamer. Das dezente Artwork, passend zum weissen Vinyl stammt von Kristof Meers' Serie "The Inversion of Hierachy". Kiss The Anus Of A Black Cat werde ich auf jedem Fall im Auge behalten bzw. mir die beiden Alben anhören.

Rating: 8/10



Kongh "Counting Heartbeats" CD (Trust No One Recordings)




Kongh aus Schweden waren mir zuvor komplett unbekannt und doch ist "Counting Heartbeats" das Beste, was ich seit Ewigkeiten gehört habe. Das, was diese Platte so gut macht, ist, dass man sie nicht wirklich fassen kann - vergeblich der Versuch, sie in eine Schublade stecken zu wollen. Gewisse Referenzen liegen dennoch nahe: das Label von Tim Bertilsson von Switchblade, Artwork von Seldon Hunt und man kann sich schon ungefähr vorstellen, was dann auch musikalisch passiert. Dabei wirken Kongh aber gleichzeitig frischer und "traditioneller" als das meiste, was ich in letzter Zeit gehört habe. Irgendwo passen Vergleiche mit Bands wie High On Fire, Neurosis, Mastodon oder Isis. Vielleicht jedoch mehr in Bezug auf die Art und Weise wie diese sich versuchen, als dass "Counting Heartbeats" nur ein irgendwie zusammengebasteltes Plagiat wäre. Keiner der 5 Songs hat eine Spielzeit unter 10 Minuten und die Produktion klingt unglaublich klar, direkt, eindringlich. Kongh verstehen es mit ihrer Musik Landschaften entstehen und wieder verschwinden zu lassen, ohne dass die einzelnen recht heterogenen Stücke in Widerspruch zu einander geraten. Vor allem die clean-gespielten Teile sind nicht nur ein Mittel, um sie danach, verzerrt und pseudobombastisch, wie das so oft der Fall ist, aufzubauschen, sondern gerade diese machen die Stücke äußerst dynamisch, und verleihen ihnen eine neue Klangfarbe, ohne mit der Grundstimmung der Musik zu brechen. Insgesamt ein äußert abwechslungsreich, mitreissend und konsequent gespieltes und produziertes Album.

Anspieltip: "Adapt The Void".

Rating: 9/10

-Rezensiert von S. Schauber



New Idea Society "The World Is Bright And Lonely" CD (Exotic Fever Records)



New Idea Society ist ja bekanntlich das Baby von Mike Law von Eulcid und unterstützend von Stephen Brodsky (Cave In). Irgendwie hatte ich auch angenommen, dass man Brodsky auch gelegentlich singen hört, was aber nicht der Fall ist. Auch nicht weiter tragisch, da "The World Is Bright And Lonely" auch so ein spannendes, interessantes Album ist. Der grösste Pluspunkt liegt in der warmen Aufnahme, die auch ohne Schnickschnack live gemeinsam eingespielt wurde. Nicht zuletzt dadurch liegt über dem Album so eine gewisse 60'ies Stimmung, Die 12 Stücke sind allesamt um die Lyrics von Mike Law gestrickt. Ist man einerseits erstaunt über die simple Herangehensweise im Songwriting, so überzeugt andererseits die Eingängigkeit und Treffsicherheit der Lieder. Die Komplexität der Stücke offenbart sich erst nach ein, zwei Durchgängen. "The World Is Bright And Lonely" ist ein warmes, energetisch-geladenes und melodiös-kraftvolles Album. Es fliesst von Anfang bis zum Ende. Die Aufmachung ist relativ einfach und unspektakulär, aber die rot-gelben Farbtöne nehmen die warme Live-Stimmung und das 60'ies Gefühl der Songs auf und strahlen es visuell ab.

Rating: 7.5/10



NID "Solar Flare" (Verato Project)



NID ist ein weitgehend anonymer Zusammenschluss aus 3 Leuten, die hier musikalisch die Entfernung von Basel, Bremen und München überbrücken. "Solar Flare" ist eine atmosphärisch dichte und dunkle Angelegenheit. Ein weites, flächiges Panorama wechselt mit wabernden, schwülen "Urwald"-Momenten. Die 7 auf "Solar Flare" präsentierten Ambiancen überzeugen auf jeden Fall, eine Live Beschauung wäre sicherlich interessant. "A solar flare occurs when magnetic energy that has built up in the solar atmosphere is suddenly released." Mehr dazu im Booklet der limitierten CD Veröffentlichung.

Rating: 7/10



Ninth Desert "Collision H" 3" CD-R (Verato Project)



"Collision H" enthält eine lange, 20 minütige Soundcollage die ziemlich dunkel und tief erscheint. Feld-Aufnahmen, rabenschwarze Ambiancen und schwere elektronische Frequenzen wabern und brodeln irgendwo ganz weit unten im Berg herum. Nur ein leichtes Drönen erinnert immer wieder an diesen Klangkanal, der so dunkel und trostlos ist, dass man, wenn man ihn entdeckt hat, auf keinen Fall hinuntersteigen möchte. Die Aufmachung hingegen ist hell und simpel. Die kleine 3 Zoll CD-R ist in eine schöne Kartonhülle zum aufklappen eingefasst. Eine gelungene Veröffentlichung.

Rating: 7/10



Orphax "Sand In Boxes" CD-R (Verato Project)




"Sand In Boxes" ist ein nettes, auf 60 Stück limitiertes, Kleinod an Ambient und Drone, in dessen CD tatsächlich Sand zu finden ist... und gar nicht mal so wenig, wie der Hörer erstaunt feststellte. Auf dieser, seiner zweiten CD, untersucht Orphax verschiedene Wege des Ambient und der Dronenwelt. Einerseits kratzig und noisig und düster bis zum Anschlag. Andererseits atmosphärisch und erstaunlich bedrückend. Field Recordings, Gitarren und einiges an Computer-Gewurschtel sorgen hier für eine Reise in die dunkleren Gegenden und Abgründe des Ambient. Eine nicht untypische Verato-Project Veröffentlichung.

Rating: 7/10



Pi Cab Alter "Kinoteraptik" CD-R + "Mémoire De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan" CD-R (Verato Project

Schon die Aufmachung der "Kinoteraptik" CD-R verspricht viel: Sie ist eingefasst in einer kleinen runden Metalbox die wie eine Filmrolle aussieht. Innen sind dann noch 3 kleine Dia-Streifen beigelegt. Musikalisch bietet das französische Projekt auch eine interessante Reise durch einen Kosmos von Klängen, Geräuschen, atmosphärischen Dronen und tiefen Ambiancen. Kopfkino passt hier als Stichwort ganz wunderbar. Streckenweise fast magische Atmosphären von mystischer Tiefe. Zu hören am besten nachts im Dunklen statt eines dämlichen Hörspiels zum Beispiel. Immer wieder werden die atmosphärischen Parts durch noisigere Flächen durchbrochen, die nicht weniger hypnotisch sind. Besonders interessant der Einsatz von subtilen Beats, die dem ganzen noch mehr Bewegung geben. "Mémoire De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan" geht in die gleiche Richtung, erscheint mir aber teilweise verspielter und direkter... ja verträumter. Erinnert auch an Filmmotive von obskuren, alten Filmen. Grossartige atmosphärische, flächige und vielschichtige Klangcollagen für die man auch wieder Stunden in Ruhe braucht um "Mémoire De L'éther Fluctuanmémoire De L'éther Fluctuan" völlig zu durchschauen, was im Endeffekt ohnehin nicht funktionieren wird. Die ätherische Atmosphäre, die immer wieder hell und klar und so schimmernd hervortritt, ist beeindruckend.

Rating: 8/10



Pleasure Forever "Bodies Need Rest" CD (Conspiracy Records)




"Bodies Need Rest" ist eine posthume Veröffentlichung von Pleasure Forever und beinhaltet unveröffentlichte und rare Aufnahmen der Band. Zuerst als EP von 4 Coverversionen gedacht, sind nun noch 4 weitere bis zu den frühen Tagen (1999) von Pleasure Forever reichende Stücke dazugekommen. Die Stücke sind gelungen und haben einen einzigartigen Touch, der wieder einmal bestätigt, dass man immer wieder Bands entdeckt und für gut befindet, nachdem sie das zeitliche gesegnet hat. Die 4 eigenen Stücke sind tolle Indie-Rock Kracher mit einer ordentlichen Portion 90'er Grunge und "Schrammel-Attitude". Bei den Coverversionen sind von Alice Cooper "Black Juju" und von Black Flag "The Bars" hervorzuheben, zwei kleine Klassiker, wie ich meine. Die Aufmachung ist simpel und relativ schüchtern, genügt aber allemal um "Bodies Need Rest" zu einer Song-Collection zu machen, die man gerne hat.

Rating: 8/10



Qui "Love's Miracle" CD (Ipecac)




Ok, anhand dieser CD muss mal wieder ein Exempel statuiert werden. Grund: Die CD kam ohne Booklet ins Haus geflattert und das ist mir ein wenig zu lieblos. Also liebe Labels, bitte schickt euren Kram in anständiger Form, denn diese Publikation legt Wert auf den Gesamteindruck eines Werks und dazu gehört nun einmal auch die optische Aufmachung. Deswegen ungefähr locker 2 Punkte Abzug. Und da ich gerade in Urlaubslaune bin, mache ich es mir einfach mit den Worten zum "Love's Miracle" Album von Qui: Ja, es gefällt mir. "Love's Miracle" ist eine eigentümliche Mischung aus Punk, Noise, Metal und allerhand experimentellem Kram. Inklusive Coverversionen von Pink Floyd ("Echos") und Frank Zappa ("Willie The Pimp"). Ach ja: David Yow von The Jesus Lizard/ Scratch Acid singt hier.

Rating: 5/10



Souvenir's Young America "An Ocean Without Water" CD (Crucial Blast)



Mit "An Ocean Without Water" veröffentlichen die Souvenir's Young America ihr zweites Album nach dem Erstling auf Underradar. "An Ocean Without Water" ist ein sechsteiliger Opus von atmosphärischen, quasi-konzeptuellen Instrumental-Stücken, die eine gesunde und kräftige Mischung aus Instrumental-Rock a la Red Sparowes und weiten "Western-Landschaften" ist. Also mehr so Prärie-Rock mit weiten Ebenen, trockener Hitze und flimmerndem, schimmerndem Licht. Earth grüssen hier vorsichtig. Die Melodien sind schön und präzise ausgearbeitet und die Produktion klingt angenehm dicht und warm. "An Ocean Without Water" ist eine recht homogene Angelegenheit. Auch gekonnt wirkt der Spagat von schweren, doomigen-Gitarren-Passagen und einem 70'er Jahre Gefühl, das durch die Electronics und Keyboards entsteht. Popuul Vuh und Prog-Rock Einflüsse standen hier wohl mit Pate. "An Ocean Without Water" ist eine pulsierende, hypnotische wie mächtig und episch-monumentale Platte, die auch die Tiefe und Einsamkeit eines Canyons ausleuchten kann. Ganzen Tag mit dem Pferd durch die Steppe geritten, Rothäute am Horizont. Geier kreisen, da hat's wohl jemanden erwischt etc. You get the picture. Exzellente Platte mit allem Drum und Dran und das Artwork des Digipacks in den braun- und gelb Tönen ist auch ansprechend gestaltet.

Rating: 9/10



The Skull Defekts "Blood Spirits & Drums Are Singing" CD (Conspiracy Records)




Nach einigen kleineren Veröffentlichungen ist "Blood Spirits & Drums Are Singing" die erste Platte, die unter professionellen Bedingungen in einem richtigen Studio eingespielt wurde. Während die älteren Veröffentlichungen sehr experimentell waren- man operierte mit Doom Variationen, und elektronischem Noise und anderen "schwereren" Sound Spielereien. Auf "Blood Spirits & Drums Are Singing" lässt sich das Kürzel "Avant-Rock" als schneidige Zusammenfassung gut anbringen. Hier geht es um um sich kreisende Melodiebögen, um zahllose Repetitionen und um Funk und Sex. "Blood Spirits & Drums Are Singing" hat definitiv Groove und Sex. Dieses sich wiederholende Dauer-Ausharren ist fast das einzigste was an den Drone-Sound früherer Tage erinnert. Die Produktion klingt sperrig, spröde-schön was dem Dauer-Loop-Charakter der 6 Stücke gut zu Gesicht steht. Die Aufmachung des Digipacks ist halluzinogen-ansprechend, wie die Musik scheint man auch hier auf einem Trip hängengeblieben zu sein. The sound the sound... the sound the sound... the sound the sound. Wer "Blood Spirits & Drums Are Singing" kennt, weiss was ich meine.

Rating: 8/10



Vert "Accepting Denial" CD (Casket Music)




Die etwas nichtssagende Aufmachung der CD trägt nicht unbedingt dazu bei, Intereese bei potentiellen Hörern zu wecken, da hätte mehr gehen können, das wird schnell klar. Die aus den Midlands in England stammenden Vert haben sich 2002 gegründet und nach fleissigem Üben, diversen EP Veröffentlichungen und vielen Live Auftritten veröffentlicht die Band nun ihr erstes Album "Accepting Denial". Musikalisch bewegt sich die Band im weiteren Bereich des modernen Metals und Rocks, meist im Midtempo gespielt und ganz nettem, melodischen Gesang, der dann und wann durch wütendes, wüsteres Gekeife abgelöst wird. Ich finde die 10 Stücke gelungen, auch wenn mich jetzt keines vom Hocker haut. "Accepting Denial" ist angenehme rockige und dynamische Musik, die auch nur so zur Unterhaltung taugt, schnell wird einem aber klar, dass hier keine grossen Überraschungen mehr kommen.

Rating: 7/10



Vuneny "V2" CD (Moonlee Records)




Das kroatische Trio von Vuneny präsentiert mit "V2" einen knapp einstündigen Soundtrack, der sich eher schwer beschreiben lässt. Dass mit dem Soundtrack ist gar nicht so weit her geholt, denn manche Stücke sind tatsächlich als Musik zu Filmen entstanden. Die anderen Songs sind Improvisationen, Remixe oder live eingespielte Lieder. Im Prinzip sind die 14 Stücke der Kroaten allesamt Instrumentals, aber mit Sprach- und Stimmsamples, Radiomitschnitten und wenig Gesang. In Szene gesetzt ist "V2" mit Keyboards, Gitarrenspiel und elektronischen Beats und anderen Elektro-Spielereien. Insgesamt ist "V2" eine ruhige, softig-verspielte Angelegenheit, die am besten als Hintergrund Musik oder eben Filmmusik fungieren kann. Die lauten Teile wirken elektronisch und wie die Hektik einer Großstadt, während die ruhigeren Teile mehr homogen und atmosphärisch erscheinen. Die Aufmachung und Artwork der CD ist gelungen und graphisch ansprechend.

Rating: 6.5/10

 

Reviews - Autumn 2007:

Treibe ich mich im Privaten momentan weiter stark in den 50er, 60er und 70er Jahren herum, so werde ich für diese kleine Publikation mit guter, aktueller Musik geradezu überschüttet. Nur eine relativ strenge Auswahl und die ein oder andere eher kürzere Rezension helfen mir, mit diesem positiven Dilemma, umzugehen. Ich bitte mir das nachzusehen. Viel Spass beim lesen auch diesmal.

A Whisper In The Noise "Dry Land" CD (Exile On Mainstream Records)



Haben mir A Whisper In The Noise live im Vorprogram von Steve von Till (Neurosis, Harvestman) nicht gefallen und kamen mir eher vor wie eine durchschnittliche Schülercombo, so bin ich ein wenig überrascht über ihr "Dry Land" Album, da es streckenweise doch recht gut überzeugen kann. Die 11 atmosphärischen Stücke sind entrückt, orchestral und schlicht schön. "Dry Land" sind schöne, melancholische Klangforschungen und die Band aus Hanska, Minnesota um Songwriter West Thordson versteht es, intelligent und dezent klassische Instrumente wie Piano, Cello und Violine homogen in ihre Stücke zu integrieren. Stimmungen enstehen da wie man sie von Bands wie Bee And Flower, Black Heart Procession oder den Enablers kennt und mag. Auch überrascht war ich, wer da hinter den Aufnahmeknöpfen sass: nämlich kein geringerer als Steve Albini in seinen legendären Electric Audio Studios zu Chicago. Auch die Aufmachung von "Dry Land" ist exklusiv, so erscheint das Album mit passendem Artwork, eingeschlagen in hand-siebgedruckten Bögen aus mehr als 100 Jahre altem Zeitungspapier.

Rating: 7/10



Chrome Hoof "Pre-Emptive False Rapture" CD (Southern Records)




Cathedral Bassist Leo Smee hat um 2000 herum mit seinem Bruder Chrome Hoof gegründet um seiner Liebe für 70'er Jahre Funk und Disco zu frönen. Nun, nach einigen Jahren und vielen Live Shows später erscheint nun das, was sich so über die Jahre an Liedern angesammelt hat und entstanden ist. Zugegeben, ich bin mit "Pre-Emptive False Rapture" etwas überfordert und lange kann ich mir das nicht anhören. Und so viel Funk und Disco entdecke ich da jetzt auch nicht. Chrome Hoof sorgen auf "Pre-Emptive False Rapture" eher für eine wilde Mischung aus Doom Metal, Grind, Prog, Rock und eben Funk und Disco. Und tonnenweise Spektakel-Krach. Die silberne Aufmachung und das Disco Bandfoto können was.

Rating: 6/10



Cloudland Canyon "Silver Tongued Sisyphus" CD (Kranky)




"Silver Tongued Sisyphus" wurde in New York, Memphis und Hamburg aufgenommen und ist der Nachfolger vom Erstlingsalbum "Requiems Der Natur 2002-2004", auf Tee Pee Records erschienen. Musikalisch sind die beiden Songs auf "Silver Tongued Sisyphus" eine neo-psychedelische Reise durch vergangene Jahrzehnte, sprich die späten 60'er wie auch die 70'er Jahre. Immer wieder fühlt man sich an legendäre Bands wie Ash Ra Temple, This Heat oder The Mahavishnu Orchestra erinnert, wenngleich nichts kopiert oder aufgesetzt wirkt. Die beiden Stücke sind psychedelische Jams mit vielen Loops und aufgewühlten Gitarren. Ebenso wie mit den oben genannten Einflüssen, wird auf "Silver Tongued Sisyphus" mit Enflüssen aus dem Ambient, Drone sowie auch Electronica geschickt gearbeitet. "Silver Tongued Sisyphus" ist übrigens über das deutsche Meudiademorte Label auch auf Vinyl erhältlich gewesen, in der lächerlichen Aufläge von 96 Stück. Eine weitere Pressung davon soll demnächst erhältlich sein.

Rating: 8/10



Don't Mess With Texas "Los Dias De Junio" CD (Moonlee Records)




Don't Mess With Texas ist eine seit 2004 bestehende Band auch Zagreb, Kroatien. Aufgenommen hat die Band ihren dynamischen Instrumental-Opus in einem Filmtheater und nach Begleitmusik für einen Film klingt "Los Dias De Junio" auch ein wenig. Ausladende, uferlose Klangfelder im Wechsel mit lauteren, spannungsgeladenen Passagen, die dem Album mehr Würze und Beachtung schenken. Don't Mess With Texas schaffen es für eine ruhige, ausgeglichene Klarheit in ihren Songs zu sorgen, ohne grossartig pompös oder überproduziert zu wirken. Steht ihnen gut. Trotzdem ist man geneigt "Los Dias De Junio" als Hintergrundmusik laufen zu lassen, was aber vielleicht beabsichtigt ist, da die Band nach eigener Aussage sorgfältig konstruiert und komponiert hat. Don't Mess With Texas klingen wie eine Fahrt auf der Autobahn in den frühen Abendstunden. Grosse Weite, viele Wolken, Windräder in den Feldern neben der Strasse, eine untergehende Sonne. Schattenspiele überall. Die Windräder findet man dann auch im Artwork wieder.

Rating: 6.5/10



Erdem Helvacioglu "Altered Realities" CD (New Albion Records)




Erdem Helvacioglu ist ein, der schönen, kulturell interessanten Stadt Istanbul entstammender zeitgenössischer Musiker, der sich mit elektronischer Musik und akustischen Gitarren beschäftigt. Sein Erstlingswerk "A Walk Through The Bazar" wurde 2003 über das amerikanische Label Locust Music veröffentlicht. Helvacioglus zweites "Altered Realities" Album ist vor kurzem über das renommierte Label New Albion Records in Amerika erschienen. "Altered Realities" wurde live in Echtzeit eingespielt, ohne irgendwelches Mixen und nachbearbeiten. Das Album bietet neben dem Grundgerüst einer Akustikgitarre viele Loops, Texturen und "Glitch", wie man sagt. Die Melodiebögen sind fast durchgehend fragil und zart, ja weich und sie bieten kaum Kanten, Brüche oder auffallende Kontrapunkte. Dies ist wohl beabsichtigt, lässt aber immer wieder das Zusammenspiel aus klassischen akustischen Gitarren und digitalen Elektrospielereien etwas aufgesetzt und zu glatt erscheinen. Dennoch, die elektroakustische Reise durch die Helvacioglu den Hörer in 7 Ambiancen sicher führt, zeugt von der Fähigkeit verschiedene Einflüsse, Klangkulturen und Sounds aufeinandertreffen zu lassen und diese sinnlich miteinander zu verweben und verschmelzen. Die Aufnahme klingt persönlich, manchmal fast intim. Sie zeugt von musikalischer zielgerichteter Ruhe, Reinheit und Raum in einer von Klangminimalismus geprägten Welt.

Rating: 8/10



Fear Falls Burning "Once We All Walk Through Solid Objects" 5xLP (Tonefloat)



Lange angekündigt, endlich fertig und fast schon wieder ausverkauft ist dieses auf 500 Stück limitierte Mammutprojekt von Dirk Serries aka Fear Falls Burning. Zehn ausgewählte Musiker aus verschiedenen Bereichen und Ländern bearbeiten und kollaborieren hier mit Fear Falls Burning. Und was habe ich mich gefreut, als das Teil einfach so zum Beschreiben für diese schüchterne Publikation vor meiner Haustüre lag. "Once We All Walk Through Solid Objects" ist ein Höhepunkt im immer schneller wachsenden Oeuvre von Fear Falls Burning.

Vor mir liegt eine Box mit fünf (!) Schallplatten in klarem 180g Vinyl. Die Box ist braun und das Artwork erinnert an diese Archiv-Kisten oder Pappschuber von irgendwelchen Ämtern oder Institutionen. Einerseits Understatement pur, andererseits ästhetisch hochwertig und beeindruckend. Denn jede der fünf LPs ist in eine bedruckte, durchsichtige Kunststofftasche gefasst, die leicht bläulich bedruckt sind mit Fotografien der belgischen Fotografin Martina Verhoeven. Aufgedruckt auf die sogenannten LP-Labels sind zu jedem der zehn Stücke die nötigen Informationen.

Jeder der beitragenden zehn Musiker dokumentiert auf seine ganz eigene Weise wie die experimentelle Gitarrenmusik von Fear Falls Burning auf ihn wirkt, wie er mit ihr umzugehen weiss. Die zehn bearbeiteten Stücke sind deshalb weniger Remixe im eigentlich Sinne, sondern eher eigene Bearbeitungen oder Meditationen über die Musik von FFB.

Im Folgenden ein kurzer Abriss über die einzelnen Künstler und ihre Interpretationen von Fear Falls Burning.

Bass Communion: Schön mit Apple G4 Book und Gitarre bastelt Bass Communion (Steven Wilson/Porcupine Tree, UK) aus dem FFB-Grundgerüst ein Stück, das wabernd anfängt und sich zu einem gar Orgelhaften, orchestralen Drone Stück steigert. Final: Hinter Final verbirgt sich ja bekannterweise JK Broadrick (Godflesh, Jesu, UK) der hier wesentlich rauher und improvisierter vorgeht: Über das musikalische FFB-Drone-Skelett spielt er seinen Beitrag ein und verwebt ihn gleich live mit dem Ausgangstück. Freiband: Frans de Waards (Beequeen, Holland) Beitrag wirkt völlig entfremdet, fast insektenhaftes Surren und hohes Dröhnen bestimmt den Track. Hier zeigt sich, ob das Vinyl dieser extremen Klangcollage überhaupt gewachsen ist. Keine Sorge, hier knickt es jedenfalls nicht ein. Anfangs noch eher verhalten, Insekten hier und da, verdichtet sich die Drone zu einem extrem starken, dichten und flirrenden "Insekten-Dronen-Tanz" von massiver und feuriger Intensität. Einer der Höhepunkte von "Once We All Walk Through Solid Objects".
Harvestman: Steve von Tills (Neurosis, USA) Bearbeitung ist wieder lauter und dreckiger, gitarrenorientiert. Nur im Hintergrund ist licht und leicht das Grundgerüst von FFB flächig zu vernehmen. Birchville Cat Motels (Neuseeland) Stück lässt sich nur sehr schwer bestimmen, es wirkt kalt, maschinell und scheint digital bearbeitet und verfälscht zu sein. Die Fear Falls Burning Dronen sind in ihrer Flächigkeit gebrochen und kommen eher unterschwellig durch. Der hypnotische Dauermanipulationslärm muss so laut gehört werden, dass schier die Lautsprecher bersten. Byla: Kevin Hufnagel und Colin Marston (Dysrhythmia, USA) bilden mit ihrer Bearbeitung den ersten richtigen Kontrapunkt auf "Once We All Walk Through Solid Objects". FFB bekommt den Einstiegsvortritt und die beiden Herren legen einfach ein fast fröhliches, und hell anmutendes Akustikgitarrenduett über den FFB Grundbaustein. Mit Dauer-Akustigitarren-Loop geht das Stück dann auch zu Ende. Aidan Baker (Nadja, Kanada) verstärkt das FFB Stück um bekannte sphärische und beklemmende, doomige Elemente, wie man sie von seinen Solo Arbeiten oder Nadja kennt. Johannes Persson: Nach Final und Harvestman versucht sich auch Johannes Persson (Cult of Luna, Schweden) mit offensiveren Gitarrenakkorden und verwebt diese deutlich, aber geschickt in das Ausgangstück von FFB. Teilweise recht wummernd, knöchrig und desperat. Zum Ende hin dann konzentriert-verdichtend. Jefre Cantu-Ledesma: Auch ein kleinerer Bruch in der Reihe der fünf LPs, der aber die Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit dieser monumentalen Veröffentlichung offenlegt. Dunkel, eher in den dunkelsten Bereich des Drone und Ambient reichend ist der Beitrag von Jefre Cantu-Ledesma (Tarentel, USA). Langsames Hallen und Dröhnen. Tief und bedrückend. Schachtmusik. Stefano Pilia: Mit dem zehnten Stück schliesst Stefano Pilia (3/4HadBeenEliminated, Italien). Seine Herangehensweise ist auch nicht auf Offensichtlichkeit ausgelegt, eher subtil und metallisch wirkend, gleitet das Stück dahin. Er lässt meist der FFB-Drone den scheinbaren Vortritt.

Fear Falls Burning hat mich nun bereits mehr als ein Jahr kontinuierlich begeleitet und ich habe dabei den Werdegang dieses Projekts immer wieder schreibend begleitet. Man muss jetzt aber, nach dem epischen "Once We All Walk Through Solid Objects" 5xLP Set nicht annehmen, dass nun eine Pause im Schaffen von FFB kommt, nein. Es scheint fast so, als gehe es jetzt erst richtig los: Im Oktober erscheint, auf nur 136 Stück limitiert "First By A Whisper, Then By A Storm" auf LP und CD, kurz danach als letztes im laufenden Jahr die Schallplatte "When Mystery Prevades The Well, The Promise Sets Fire" Sie ist der erste Vorbote auf brandneue FFB Stücke, die im neuen Jahr mit dem Titel "Frenzy Of The Absolute" über Conspiracy erscheinen.

Rating: 9.5/10



Fresnel/ Vancouver Split 7" EP (Noise Appeal/Division Records)



Nach vielen zähen Monaten, Besetzungswechseln, der Abkehr vom Live-Spiel und der Veröffentlichung der "Scenario" MCD im Jahr 2003 war es ruhig geworden um Fresnel. Ihr Beitrag auf der 2 Track Split EP ist ein eindrucksvolles Stück mit dem sich da die Band aus Wien zurückmeldet. Der Gesang wurde kurzerhand über Bord geworfen, was eine richtige Entscheidung war, denn umso mehr Wirkung hat ihr Stück. "Grim Fandango" ist ein ultraschweres Instrumental-Stück bei dem offenkundig gar nicht so viel passiert, aber die Wirkung ist mächtig und gross. Die tiefergestimmten Gitarren reissen einfach alles weg. "Grim Fandango" ist eine grimmige, rauhe, wüste und zerklüftete Klanglandschaft. Und die Produktion ist ebenfalls ultradick, dicht und heavy. Hoffentlich bald mehr, in Form eines Albums!?
Die schweizerischen Vancouver gehen da etwas gemässigter und im Heavy Kontext gängiger vor, wobei ihr Stück "Staghunt" in eine ähnliche, aber mehr Sludge-orientrierte Richtung geht. Es ist in jedem Fall auch wuchtig und kräftig, wie dynamisch. Die Instrumental-Passagen erinnern an Bands wie Isis und Konsorten. Beides starke Stücke, aber Fresnel liegen vorne und gewinnen bei diesem Rennen um Schädelknochen... Das Artwork ist ebenfalls durchweg gelungen, liegt optisch irgendwo zwischen Pelican Platten-Design und Blackmetal-Feeling.

Rating: 8/10



Japanische Kampfhörspiele "Rauchen und Yoga" CD (Bastardized Recordings)




"Forget about Grindpunk! This is Popgrind!" Ganz so ist es dann doch nicht geworden, das neue Album von Japanische Kampfhörspiele aber man merkt einen kleinen Unterschied schon. "Rauchen und Yoga" ist etwas progressiver, entschlossener geworden und die Stimmeinlagen einen Tick gewagter und frischer (poppiger?). Die Produktion ist wesentlich brutaler und wuchtiger, weht alles um. Japanische Kampfhörspiele präsentieren sich mit "Rauchen und Yoga" immer noch knackig, abgefuckt und super schnell. "Rauchen und Yoga" steht den Vorgänger Alben in nichts nach und zerstört wie sau. Ganz salopp gesagt. Für das Artwork hat die Band den Kinderbuchautor Daniel Kratzke ("Der Raabe mit dem roten Schal") angeheuert, das Ergebnis ist gelungen und überzeugt.

Rating: 8/10



Maninkari "Psychoide/ Participation Mystic" CD (Conspiracy Records)




"Psychoide/ Participation Mystic" ist die Debut EP der Pariser Brüder Olivier und Frédéric Chalot. Neben den 2 regulären Tracks wurden JK Broadrick (Jesu, Godflesh, Final) und Robin Rimbaud (Scanner, Githead) angeheuert um beide Stücke nochmals zu remixen. Das Ergebnis ist klingt durchaus warm, üppig und cineastisch. Besonders der Einsatz von klassischen Instrumenten wie Geige oder Klavier überzeugt. Während "Psychoide" anfangs noch ruhig und verhalten beginnt, steigert es sich zu einem lauten, epischen Post-Rock Brocken, mit massiven Drums und ekstatischen Streicher-Einlagen. Das zweite Stück "Participation Mystic" ist eine eher ruhige wenn auch nicht weniger gespannte Meditation aus Pizzicato-Streichern, hynotischen Klangwellen und einem subtilen Ambient-Charakter. Nach einigen Minuten setzt dann fast primitiver, motorischer Drum-Rhythmus ein, welcher das Stück in eine fast jazzige Richtung lenkt. Und wieder setzen Streicher ein... Die beiden Stücke im Remix fügen sich nahtlos an ihre Grundform an und sind gelungen. Ihr Charakter ist von noch pulsierenderer, hypnotischerer und vorantreibenderer Qualität. Diese EP ist die gelungene Einleitung zu einer interessanten Band, deren erstes Album noch dieses Jahr erscheinen soll.

Rating: 8/10



Papier Tigre "s/t" CD (Effervescence)




Papier Tigre ist eine dreiköpfige Band aus Frankreich die sich ohne Bass, dafür aber mit 2 Gitarren durch 8 Stücke ackern. Ihr Musikstil ist dynamischer, emotionaler Indie-Rock, mit schroffen Ansätzen und sperrige, unterbrochene Rhythmen, die an Fugazi erinnern. Andere Bands, die spontan in den Sinn kommen sind Q And Not U und etwas June Of 44. Dass kein Bass vorhanden ist stört nicht weiter, da dies die Gitarren durch nette, spannende Melodiebögen dynamisch wieder wettmachen. Papier Tigre sind auf den ersten Blick vielleicht nicht sonderlich spektakulär, aber hat man sich einmal in die Songs eingehört, eröffnet sich einem doch mehr als zuerst gedacht. Die Band versteht es, Stimmungen zu transportieren, was auch nicht zuletzt durch den energetischen Gesang geschieht. Auch das Artwork ist eher unspektakulär und unauffällig gehalten, passt also ganz gut.

Rating: 7/10



Seconds In Formaldehyde "Suddenly Silence Burst Into My Ear" CD-R (Tosom)



Gleich zu Anfang vorweg: hier präsentiert Seconds In Formaldehyde sein bislang stärkstes Material. "Suddenly Silence Burst Into My Ear" ist eine auf 150 Exemplare limitierte und handnumerierte CD-R, die in eine DVD-Hülle verpackt ist. Sowohl die äussere Aufmachung wie auch die auf Fotopapier gedruckten drei Inserts sind durch ihre dezente Farbigkeit und die eher unkonventionelle Optik im Oeuvre von Seconds In Formaldehyde gelungen. Am meisten überzeugt mich diesmal die musikalische Vielschichtigkeit von Seconds In Formaldehyde. Klar, es geht um Drone, aber dennoch ist da viel Spielraum für Stimmungen, Klanglandschaften und atmosphärisch-dicht geladene Dronen und Ambiancen. "Suddenly Silence Burst Into My Ear" enthält 5 Stücke, die vollkommen live eingespielt und improvisiert wurden, ohne jegliche Nacharbeiten. "Suddenly Silence Burst Into My Ear" offenbart zum ersten Mal auf erstaunlich gelungene Weise das Spiel von schönen, weiten wie ruhigen Flächen und lautem, unterbrechendem Dröhnen mit meditativem Charakter. Dazwischen zahlreiche fragilere Momente. Es werden Erwartungen minuziös minutenlang aufgebaut, nur um sie dann mit einer einzelnen Note abrupt vom Thron zu stossen, zu zerstören. Da verschwinden dann die beinahe flüssigen Ambiancen in einem harschen, kalten See aus Rückkopplungen, Noise und kraftvollen, melodischeren Klanglinien. Mit "Suddenly Silence Burst Into My Ear" hat es Martin Fuhs, der Mann hinter Seconds In Formaldehyde, nun geschafft, mein Interesse an seinen Arbeiten richtig zu wecken und eigentlich wäre "Suddenly Silence Burst Into My Ear" auch eine schöne Vinyl Veröffentlichung, wie man sie ja auch von Genre-Kollegen Aidan Baker oder Fear Falls Burning kennt.

Rating: 8/10



Seconds In Formaldehyde "Construct" 3" CD-R (Waterscape Records)




Auf "Construct", einer niedlichen, schön aufgemachten 3" CD-R, zeigt sich Seconds In Formaldehyde, natürlich im weiteren Sinne, von seiner romantischen Seite. Und so sind die 22 Minuten von "Construct" nichts als schöne, dezente und ruhig schimmernde Dronen mit "Glitch-Appeal". Fragil, persönlich und zerbrechlich wie tanzende Lichtstrahlen auf der Oberfläche eines Sees und farbig wie der bunte Herbst. Erschienen in einer kleinen Auflage von 50 Exemplaren auf dem hauseigenen Label.

Rating: 7/10



Sunburned Circle "The Blaze Game" CD (Conspiracy Records)




Musica excellenti! Sunburned Man Of Hand und Circle vorzustellen erspare ich mir hier mal, wer die Bands nicht kennt, verpasst was. Beide haben im September letzten Jahres zusammen Konzerte gegeben und sind schliesslich im selben Aufnahmeraum in Finnland gelandet. Das wunderbare "The Blaze Game" Album mit über 40 Minuten Spielzeit ist das Ergebnis. Sunburned und Circle spielen sich durch 7 reguläre Stücke und ein CD-only Bonus Stück. Die Vinyl Version von "The Blaze Game" kommt mit Poster und ist auf nur 750 Exemplare limitiert. Sunburned und Circle fangen auf "The Blaze Game" verhalten an und steigern sich im Laufe der Spielzeit zu einem hypnotischen Jam. Man beachtet die einzelnen Stücke eigentlich gar nicht, sieht das mehr wie ein grosses, nahtlos übergehendes Stück mit starkem Improvisationscharakter. Wer die Vielseitigkeit beider Bands kennt, der weiss, was einen hier eigentlich nur erwarten kann: Improvisationsmusik mit spaceigem Hippie Einschlag, freie und entrückt-verzückte Rhythmen, komische und noisige Rock-Einlagen, Free Folk. "The Blaze Game" ist daher ein ungemein interessantes und vielfältiges Album. Und das feurig-bunte Artwork komplettiert diesen Eindruck nur noch mehr, ich empfehle die Vinylversion. Beide Bands jeweils diesen Herbst auf Europa Tour.

Rating: 8/10



Ulf Schütte "Summer Ist Äther" CD-R (Meudiademorte)




Ulf Schütte steckt hinter einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen auf Meudiademorte, einem der interessanteren deutschen Labels momentan. Ulf Schütte ist bei Asouke dabei, Cones Or Scanners, Shivers und der Meudiademorte Labelband Datashock. Ausserdem betreibt er noch das Tape Label Tape Tektoniks. "Summer Ist Äther" ist seine erste Veröffentlichung unter seinem richtigen Namen. Die CD-R kommt in einem bedruckten Pergament-Cover und sieht recht ansprechend aus. Dass "Summer Ist Äther" auf lächerliche 25 Stück limitiert ist, nur am Rande... also schnell sein. Musikalisch ist "Summer Ist Äther" ein reiner bausteinförmiger 70'er Jahre Synthie-Wahnsinn in 5 Akten. Neben absolut nervtötenden Momenten mit vielen Pieps-Attacken hat "Summer Ist Äther" etwas hypnotisierend-verstörendes und psychotisches an sich. Sci-Fi-Psyche for the murder minded. I like it.

Rating: 7/10



White Rainbow "Prism Of Eternal Now" CD (Kranky)




Hinter White Rainbow versteckt sich Adam Forkner, der auch ein wenig durch sein Yarnlazer Label und Mitarbeit bei Dirty Projectors, Jackie-O Motherfucker und Devendra Banhart bekannt ist. "Prism Of Eternal Now" ist eine entspannte bunte "Hippie-Jam-Drogen" Angelegenheit mit warmen Synthie-Sounds und jeder Menge mantrischen Chants und klappernder und ratternder Hintergrund Percussion. Die Gitarren entrücken dann alles Richtung Himmel und lassen einen guten Teil von "Prism Of Eternal Now" sehr transzendental und abgedreht wirken. Forkner taucht ein, in die verschiedenen Genres von Krautrock, Hippie-Folk über Prog-Rock und Ambient zu Drone. Einerseits ist das Album schon eine "Free-Your-Mind-Meditation" für innere Erfahrungstrips, andererseits stagniert "Prism Of Eternal Now" irgendwann doch etwas und verliert sich in Endlos-Loops und lichten Dauer-Drones. Das knallige Pink/Rosa Artwork und die auf der Rückseite aufgedruckten Sätze passen perfekt. Now! Eternity now! White Rainbow full spectrum vibrational prism of eternal now!

Rating: 8/10



Worlds Between Us "Downsides" CD (Noise Appeal Records/ Capeet Records)




Worlds Between Us sind in Wien daheim und zelebrieren auf ihrer zweiten CD nach "Life In Colored Squares" (Engineer Records, 2005) flotten, heisseren wie kehligen Hardcore, der, so scheint es, mit Leidenschaft und dem nötigen Spass an der Sache gespielt wird. Die 5 auf "Downsides" vorgestellten Stücke klingen frisch, kräftig und haben die nötige
spielerische Würze (Gitarren!) um nicht in der grossen Masse an Hardcore Bands unterzugehen. Für ein längeres Album allerdings müssen noch ein paar "innovativere" Momente her, um nicht eintönig zu wirken. "Downsides" kommt im dezent gestalteten Digipack.

Rating: 6/10

 

Reviews - Winter 2007:

Die letzten Rezensionen für dieses Jahr. Wie immer viel zu spät und hintendran, aber auch diesmal wieder viel Gutes dabei. Man sieht sich... nächstes Jahr.

Aluk Todolo "Descension" CD (Public Guilt)



Nach der obskuren, wie grossartigen ersten EP auf Public Guilt, folgt nun das erste Album der Franzosen, die sich den okkulten Kräften von musikalischer Trance verschrieben haben. Aluk Todolo sind dabei eine extrem interessante Band, schaffen sie es doch, diesen esoterischen Touch, welcher der gesamten Band- Konzeption unterliegt, musikalisch mit einer Mischung von Krautrock Einflüssen und Black Metal- artiger Kälte zu vermengen. Schnelle, zwanghafte Rhythmen, herrlich tiefgründige, disharmonische Gitarren, unterschwellige Vibrationen und komische magische Beschwörungen... all das macht Aluk Todolo aus. Die Produktion klingt archaisch, rauh und rostig. Eigentlich dermassen lo-fi, dass einem ganz Bange wird. Lo-fi, aber trotzdem dicht, eng gedrängt und so zerfahren und schwer. Aluk Todolo sind unvorhersehbar, unberechenbar und auf ihre Weise so unkompliziert minimalisiert-hypnotisch und psychedelisch. Dieses psychedelische Moment wird einzig und allein durch eine heruntergeschraubte, fast blechern erscheinende Instrumentierung geschaffen. Das hat fast schon wieder etwas Industrial-artiges. Aluk Todolo klingen gefährlich, klingen mysteriös und dunkel. Die Gitarrenjams, der simple, schleifende und schleppende Rhythmus wirken träumerisch und entfremdet. Das Artwork ist ähnlich bizarr und voller seltsamer Abbildungen.

Rating: 9/10



Audiopain "The Switch To Turn Off Mankind" CD (Vendlus Records)




Audiopain sind eine seit 1996 bestehende norwegische Thrash Metal Band und machen ihr Handwerk auf "The Switch To Turn Off Mankind" ordentlich und solide. Eigentlich gibt es an Audiopain nichts weiter auszusetzen oder zu schreiben, so ist das ja oft bei Thrash Metal. Die 6 Stücke sind einfach knackig, mit ordentlich Biss und Druck nach vorne. Die Geschwindigkeit macht Spass, und die Gitarren und Bass wirken wie der treibende, röhrende Motor einer Hochgeschwindigkeitsmaschine, sie sind sozusagen die vielen Pferdestärken. Die Stimme des Schreihalses ist rauh und kehlig. Passt also auch und bereitet damit den nötigen Spass um sich "The Switch To Turn Off Mankind" anzuhören. Kreator fallen mir als Vergleich ein. Das Artwork ist so dunkel wie es sein sollte und stinkt ganz schrecklich nach Druckfarbe. Die Jungs erfinden zwar nicht das Rad neu, machen aber alles richtig.

Rating: 7/10



Be Not Idle In Preparation Of Thy Doom "Sermons From The Unwelcome" & "Saturine Malediction" CD (self released)




Be Not Idle In Preparation Of Thy Doom ist das Soloprojekt von Christopher MacKinnon von Desecrative Phoneticism. Die Absicht war es, trostlose und kalte Musik zu schaffen und das ist gelungen. In der CD ist der Hinweis abgedruckt, diese CD in Dunkelheit, kurz vor dem Schlafengehen und nach der Einnahme einer Flasche tschechischen Absinths oder polnischen Vodkas zu hören. Dem kann ich beipflichten, würde es aber dann doch bei ein paar Bier belassen um nicht in klaustrophobische Angstzustände zu kommen. Denn Be Not Idle In Preparation Of Thy Doom ist dunkel, traurig und kalt so kalt. Kalte, doomige Ambiancen, verfremdete Gitarren und bedrückende Stimmanipulationen kriechen hier in den Gehörgang in über einer Stunde Spielzeit. Hier wird jeder Versuch, etwas schönes in der Welt zu entdecken komplett im Keim erstickt. Hier wird jedes bedingungslose Eintauchen in diese Schattenwelt aus 10 Stücken zum von Verzweiflung gepressten Untergehen in einer Tiefsee, in der sich nur die schlechten und traurigen Gefühlsmonster bewegen. Keine leichte Kost, aber hier wird etwas gestillt, das jeder in sich entdecken kann und abgrundtief ist. Und schwarz so schwarz. Während die ersten 7 Stücke, also "Sermons From The Unwelcome" in kompletter Isolation in den Sommernächten von 2006 aufgenommen wurde, war es die Lust und Verzweiflung nach Rache, welche die letzten 3 Stücke, also "Saturine Malediction" zur Entstehung motiviert hat.

Mehr auf desecrativephoneticism.com/bni.html

Rating: 8/10



B°Tong "Microsleep" CD-R (Verato Project)


(no picture available)

Wirklich ein seltsam-düsteres, interessantes Album, das Chris Sigdell mit "Microsleep" vorlegt. Schnell sein, denn die CD-R ist nur auf 60 Stück limitiert. Alle Sounds der CD wurden mit einem Laptop und verschiedenen Samples aus natürlicher Umgebung wie auch aus Filmen, Radio etc. kreiert. Dabei ist ein wirklich sehr spezielles Gruselkabinett an Klängen und Ambiancen entstanden, wie sie dunkler und bedrückender kaum sein können. Man stelle sich vor, man steht im Dunklen vor einem tiefen Schachteingang und hört weit unten unter sich Geräusche, Stimmen, ein Knacken und Krachen. "Microsleep" wurde von einem Trip nach Australien inspiriert, wo am Wegrand immer wieder die Schilder stehen, die vor "Microsleep", also Sekundenschlaf warnen und drauf hinweisen, Ruhepausen einzulegen. Thematisch dreht sich alles um Übermüdung, Einsamkeit, Träume und Alpträume auf einer Strasse ins Nichts.

Rating: 7/10



Continuum "2" CD (Soleilmoon Recordings)




Hinter Continuum verbergen sich Dirk Serries (VidnaObmana , Fear Falls Burning) und Steven Wilso (Porcupine Tree, Bass Communion, Blackfield). Continuum ist die zweite Veröffentlichung in einer Serie von limitierten Alben auf Soleilmoon Recordings. Jede einzelne dieser Veröffentlichungen wird in einem übergrossen Digipack (DVD Hüllenformat) und dem schönen Artwork von Lasse Hoile präsentiert. Continuum "2" enthält eine knappe Stunde Musik, die in 3 Teile gefasst ist. Zusätzlich sind noch 3 Karten mit Abbildungen des Designs beigelegt. Musikalisch wird ein höllischer Bastard aus Metal und Ambient geboten, schwer zu beschreiben. Hier treffen sich Bass Communion mit den schweren Dronen von Sunn O))) oder Black Boned Angel. Es hört sich auf jeden Fall an, wie der Soundtrack zu der Vision einer verlassenen, kargen und dunklen Erde, die von Maschinen beherrscht wird. Die Stimmung schwankt dabei zwischen roher, kalter Brutalität und beklemmenden, ruhigen wie schwellenden Ambiancen. Insgesamt ist die Stimmung auf dem Zweitling von Continuum sehr kalt und maschinell und sicher nichts für schwache Nerven. Der Hörer muss aufpassen, dass er nicht selbst unter die Räder dieser, alles organische Leben vernichtenden Maschine gerät. Am besten gefällt mir das letzte Stück, in dem neben der maschinellen Kälte auch etwas träumerisches und pulsierendes miteingearbeitet ist.

Rating: 8/10



Fear Falls Burning & Birchville Cat Motel "s/t" CD (Conspiracy Records)




Verhalten und unterschwellig fiebrig fängt diese Zusammenarbeit von Fear Falls Burning und Birchville Cat Motel aus Neuseeland an. Das einzige Stück der CD ist ein fast fünfzig minütiges Stück, das so vordergründig nicht unbedingt spannend oder allzu interessant anmutet. Es kommt mehr von hinten, schleichend und hinterrücks an den Hörer heran, es wirkt wie eine Droge deren Wirkung man erst nicht erkennt, die aber doch schon lang eingesetzt hat. Begreift man das, erschrickt man und bemerkt den kalten Schweiss, der den Rücken hinunter rinnt. Die Wirkung der Droge ist sehr halluzinogen und der Hörer wird unruhig, rastlos und so nervös.... Am besten gefallen mir die Momente, wenn die Dronen und Rückkopplungen völlig entrückt wirken und ihr Gesicht verlieren. Sie werden zu einer Maske, leer und hohl starrt die Fratze den Hörer an. Ausdruckslos und kalt wie eine Maschine, durchdringend wie eine Röntgenblick (siehe Artwork!). Diese Kollaboration von FFB und Birchville Cat Motel ist verstörend und zerfahren, gänzlich ohne Rhythmus und so einnehmend. Am besten in tiefster Dunkelheit hören.

Rating: 8/10



Heat From A Dead Star "The Lighthouse" CD-R (self released)




Heat From A Dead Star sind in London zuhause und schaffen es, auf "The Lighthouse" eine eigenwillige, aber interessante und träumerisch- fesselnde Mischung von Musik zu präsentieren. Einserseits abgehackt, instrumental und fast mit Industrial Einflüssen, andererseits aber fahren Heat From A Dead Star mit träumerischem Post-Punk und noisigem Indie-Rock/ Brit-Pop auf, der auch etwas von Radiohead hat. Mir fehlt ein bisschen die Zielrichtung, da nicht so ganz ersichtlich wird, was genau die Band eigentlich schaffen will. Nicht weiter schlimm, da sich die Band ja noch im Experimentierstadium befindet und erst zu Beginn des neuen Jahres ihr ersten reguläres Album im legendären Electrical Audio Studio von Steve Albini in Chicago aufnimmt.

Rating: 6.5/10



Hildegard Kleeb & Pelayo Arrizabalaga "Am(vr)ree" CD (Everest Records)




"Am(vr)ree" ist das Ergebnis einer Kollaboration der Pianistin Hildegard Kleeb und dem Künstler und Performer Pelayo Arrizabalaga. Aufgenommen und eingespielt wurde das Album in den Studios des Schweizer Radiosenders DRS in Zürich. Pelayo Arrizabalaga bedient alte Lenco und Phillips Plattenspieler aus den 50'er und 60'er Jahren. Neben einem Stück von Franz Schubert und einem von Duke Ellington, haben die beiden alles selbst komponiert. Herausgekommen ist eine ungewöhnliche und interessante Platte: Zahlreiche Aufnahmen von Jimi Hendrix, John Coltrane, Arthur Honegger, Igor Stravinski, Herbie Hancock, Sophia Gubaidulina und vielen Anderen wurden als Loops, Playbacks oder Scratches mit in die Musik eingewoben und integriert. Das besondere Spannungsmoment von "Am(vr)ree" liegt in der Vermengung von Piano-Stücken und diesen animierten Sounds. Denn dadurch werden die 18 Stücke zu einem abwechslungsreich pulsierenden, organischen wie auch polarisierenden und vibrierendem Ganzen. Fast jazzig und sehr frei improvisiert wirken die Stücke streckenweise und werden durch die Piano-Einlagen immer wieder zurückhaltend-schüchtern, minimalistisch und intim. Die gelungene Aufmachung des Digipacks wirkt fast grell kontrastierend zur Musik des Album, schafft es aber, die Improvisationen einzufangen.

Rating: 8/10



Jan-M. Iversen "Det Er Det Det Er" CD-R (Verato Project)


(no picture available)

Dieses, knappe 39 Minuten lange Stück von Jan-M. Iversen gleicht einem langen Nebelgang. Man ist draussen und spaziert lange Minuten still und leise und mit den Gedanken ganz bei sich, tief im Zwiegespräch mit sich selbst. Man beobachtet nur die Zeichen der Natur: die Vögel die immer wieder auffliegen, die tristen, in sich zurückgezogenen Bäume. Alles richtet sich nach Innen. Erspäht man irgendwo Menschen, so wendet man sich schnell wieder ab. Nur nicht zu viel Unterbrechung, nur nicht meinen stillen Gang durchbrechen. Doch er wird durchbrochen, zermahlen und zerhackt. Ab gut der Hälfte der CD kündigt es sich langsam an. Da zieht etwas herauf. Laut, maschinell und unbarmherzig, hier gibt es kein Zurück. Störgeräusche, sich brechende Klangwellen bringen alles zum biegen und wackeln. Der Nebel hat plötzlich Gesichter und Fratzen. Man denkt, hört das denn nimmer auf? Doch. Plötzlich verzieht sich der Fratzennebel und alles klärt sich und wird ruhig und läuft aus...Was genau Iversen hier macht, wie genau er seine langatmigen, Soundscapes kreiert und auf was er es anlegt, soll hier nicht erörtert werden. "Det Er Det Det Er" ist für jeden etwas, der mit Drone und Ambient etwas anfangen kann, dem intime Soundgeständnisse nicht zu langweilig sind, der da etwas entdeckt, wo es scheinbar nicht allzu viel zu entdecken gibt.
Diese auf 60 Stück limitierte CD-R ist in einer goldenen, extravaganten briefumschlag- ähnlichen Hülle gefasst und könnte auch edle Pralinen beherbergen, was das enthaltene Stück ja auch durchaus ist. Gelungen.

Rating: 7.5/10



Maninkari "Le Diable Avec Ses Chevaux" 2xCD (Conspiracy Records)



Nach der "Psychoid/ Participation Mystic" EP veröffentlichen die Gebrüder Chalot mit "Le Diable Avec Ses Chevaux" einen Opus auf zwei CDs. Klanglich schwer einzuordnen und zu definieren, schaffen es die beiden Brüder, ausdruckstarke, cineastische Musik zu schaffen, die man irgendwo in einer epischen Post-Rock Welt mit etwas Jazz Einflüssen einordnen kann. Oft sind die Melodien quirlig, unruhig und tantrisch verspielt. Rhythmen bauen sich spiralartig über Minuten auf, unter dem Einsatz von fernöstlichen Instrumenten, wie Cymbalom und Santoor. Die nervösen Violinen- Vibratos erzeugen immer wieder hypnotische,wie verschreckende Momente, man fühlt sich wieder an Kino Filme erinnert. Am meisten beeindruckt die unkonventionelle, ja fast besondere Herangehensweise der Brüder, um Stücke von seltsamer Schönheit zu erschaffen. Ist man aber noch zu Beginn der zweiten CD aufmerksam und interessiert, so vergeht das schnell und man ist geneigt, ob der Macht von komplexer, experimenteller Musik, aufzugeben. Es hätte auch die Musik der ersten CD gut ausgereicht. Das Artwork des Digipacks ist schlicht und minimalistisch gehalten.

Rating: 8/10



Marble Sheep "Message From Oarfish" (Fünfundvierzig) CD




Schon am bunten Regenbogenfarben-Hippie-Artwork erkennt der geneigte Hörer, was einen da erwartet: rauher psychedelischer Rock. Neben Acid Mothers Temple und White Heaven sind die Japaner aus Tokyo nicht umsonst für ihre hypnotische Energie seit 13 (!) Alben bekannt. Auf "Message From Oarfish" gibt es 8 neue Kracher im bekannten Gewand. Krachig, direkt und ekstatisch wie hypnotisch und noisig präsentieren sich die Jungs einmal mehr. Der obligatorische Rock'n'Roll und 60's Garage Einfluss, ist auch diesmal wieder dabei. Die rohe Verspieltheit und druckvolle Energie beeindruckt mich am meisten. Die Produktion klingt auch ordentlich abgefuckt und übersteuert, wie in einer Nacht aufgenommen. So muss das sein. Was noch mehr schreiben? Entweder man mag Marble Sheep oder nicht. Jetzt sind sie bis Weihnachten wieder auf ausgedehnter Europa Tour, mit an Board ihre Seelenbrüder von Drive By Shooting. Live bestimmt noch besser wie auf Platte.

Rating: 6/10



Mariska Baars/ Wouter Van Veldhoven/ Rutger Zuydervelt "Zeeg" CD (Digitalis Recordings/ ACE)




"Zeeg" ist eine seltsame und ruhige Angelegenheit, die viel Zeit braucht. Was genau da die drei holländischen Künstler fabrizieren wird auch nicht wirklich klar. Man muss sich diese Frage aber auch nicht stellen. Denn "Zeeg" ist auch so ein schönes, minimalistisches Album, das seine Schüchternheit erst nach einigen Durchläufen verliert und sich dann umso mehr offenbart. Der erste Eindruck ist nicht sehr vielversprechend. Zwar ist dicke Kartonverpackung und Aufmachung der CD schon reizvoll, aber was heisst das schon!? Hat man die CD eingelegt, so passiert die ersten Minuten nicht viel und der Blick auf das Display des CD-Spielers verrät nur einen Track und über 30 Minuten Spielzeit. Schnell wieder ausmachen oder Ruhe und Geduld haben. Sanfte Drohnen verteilen sich dann in aller Ruhe zu Gitarrenklängen und allerlei Knistern, Rascheln und Raunen im Raum. Später verwandelt sich "Zeeg" zu einem wabernden Klangwesen, das sich grossflächig und sägend im Raum verteilt. Dronenteppiche wie man sie von Growing kennt. Das Album ist ein ganz und gar zeitloses, welches zu einer tiefen Reise in die Klangwelt einlädt. Sicher wurde der grösste Teil des Albums von den Dreien improvisiert und live eingespielt, was nicht zuletzt die organische Wärme des langatmigen Stücks erklärt. Nach gut der Hälfte der Spielzeit ist man völlig abgetaucht in diese minimalistische Klangwelt und gibt die eigene Identität für das Gefühl, das "Zeeg" ausstrahlt gerne auf. Schön.

Rating: 8/10



MGR "Wavering On The Cresting Heft" CD (Conspiracy Records)



Nach "Nova Lux" und der letztjährigen "Impromptu"-Kollaboration mit SirDSS nun das nächste Soloalbum von Michael Gallagher von Isis. Gleich vorweg, es gefällt mir ausgesprochen gut und weit besser wie das Debut-Album. Gallagher schafft es diesmal, die 6 enthaltenen Stücke homogen, kompakt und natürlich aussehen zu lassen, was sicher daran liegt, dass er nicht mehr zwanghaft versucht, die Verbindung zu Isis zu negieren bzw. ganz rauszuhalten. Klar, die Grundstruktur und Herangehensweise ist immer noch die gleiche wie auf "Nova Lux", allerdings lässt Mike Gallagher diesmal auch die Einflüsse von seiner Arbeit bei Isis zu. Auch die streckenweise härtere, direktere Gangart auf "Wavering On The Cresting Heft" tut gut. Den Grundton bilden immer noch sanfte, weit ausufernde und tragende Dronen, mit Mikes hellem, wie ein Lichtblick über der ganzen einsamen Melancholie liegenden, akustischem Gitarrenspiel. Also, insgesamt eine Weiterentwicklung zu mehr tonaler Struktur mit stärkeren Verzerrungen hin und wieder. Anstatt epischem Dauer-Ambient Geplänkel, sind die Stücke auf "Wavering On The Cresting Heft" strukturell klarer und wirken mehr wie einzelne, in sich geschlossene Songs. Das Artwork ist unspektakulär-melancholisch. Alle Fotografien stammen von Gallagher selbst.

Anspieltip: "It Darkens His Door"

Rating: 8/10



Maurizio Bianchi (w/ Hue & Fhievel) "Erimos" CD (Digitalis Recordings)




Maurizio Bianchi hat vor fast 30 Jahren angefangen, Musik zu machen und seit den frühen 1980er Jahren konzentriert er sich dabei auf die Verwendung von elektronischem Equipement. "Erimos" ist eine Klang- und Geräuschmanipulationsorgie, die sich gewaschen hat. Über 40 Minuten in der Länge werden hier Töne manipuliert und umstrukturiert und dabei entstehen durchaus eigenwillige aber auch sphärisch weit tragende Dronen. Die Schönheit von "Erimos" liegt im Organischen und Warmen dieses langen Stückes, das doch immer wieder einer Entdeckungs- und Forschungsreise durch dichte Klangwelten gleicht. Immer wieder bilden sich neue Klangkreise, einer webt um den anderen und wogt auf und ab. Geräusche, wie das Nahen eines Insektenschwarms, der Meterhoch und ungesehen über einem Sumpfgebiet an einem schwülen Sommertag steht und surrt. Dumpfes Wabern einer Maschine. Alles das vereint "Erimos" auf ganz natürliche Weise. Wenn man sich die Zeit nimmt und "Erimos" aufmerksam erkundet, zeigt sich die wahre Grösse des Albums.

Rating: 7/10



Mudboy "Hungry Ghosts! These Songs Are Doors" CD (Digitalis Recordings/ ACE)




Elegante, meditative Harmonium- Halluzinationen auf CD gepresst."Hungry Ghosts! These Songs Are Doors" ist eine wirklich seltsame und spannende Angelegenheit zugleich: Man ist hin und her gerissen, zwischen Dunkelheit und Licht, Tag und Nacht und klaren wie verwirrten Zuständen. Mudboy befindet sich nie wirklich lange an einem Ort, nie wirklich lange in einem Zustand. Und so ist "Hungry Ghosts! These Songs Are Doors" ein detaillierter wie desorientierender Eiertanz mit viel Psychedelia und kreisenden musikalischen Bewegungen. Das Album ist hypnotisch und fesselnd, wie verwirrend und musikalisch irgendwo zwischen Drone und Freak-Folk aus den Wäldern Finnlands anzusiedeln. Der Hörer läuft durch einen riesigen Spiegelsaal und weiss nie wirklich, wohin drehen und gehen, da sich alles spiegelt, wandelt und dreht. Dass Mudboys analoge Klangspielereien es durchaus schaffen, phasenweise ruhig und meditativ zu wirken,sei auch noch lobenswert erwähnt. Auf LP erschien "Hungry Ghosts! These Songs Are Doors" über Not Not Fun Records, aber auch diese CD Version überzeugt mit einer detailverliebten Aufmachung: Die CD, von einem lasergeschnittenen oder gestanzten Papier eingefasst, das leicht angebrannt wurde. Zusätzlich ist noch "Orthern Lights", ein Video, als Bonus auf der CD enthalten.

Rating: 8/10



Pocahunted/ Robedoor "Hunted Gathering" 2xCD (Digitalis Recordings)




Röhrend und brodelnd beginnt das erste Stück von Robedoor. Man findet sich mitten in einem altindianischen Totemritual. Gleich zu Beginn, das beste Stück des langen Albums. Pocahunted ist mehr auf der träumerischen Seite zu Hause. Geister erwecken im Schlaf, sozusagen. Ihre Stücke klingen auch lichter, wärmer und vom irdischen Leben entrückt. Während Robedoor immer wieder die Knochen der Ahnen hervorbuddelt, aus Höllen zieht und am Tageslicht untersucht. Knochentanz. "Hunted Gathering" ist ein Split, wie auch ein Kollaborationsalbum. Fast abwechselnd gibt man sich die Klinke in die Hand um das epische finale Stück gemeinsam zu zelebrieren. Diese beiden CDs sind ein Fest für jeden Fan von Doom infizierten Dronen, einen besseren Nenner wird man für das vollvolumige Dröhnen auch kaum finden. Verstorbene und Wesen aus Geisterwelten werden hier auf schöne, wie verschreckende Weise sichtbar gemacht. Pocahunted und Robedoor sind quasi die Schwellenhüter am Tor zur anderen Welt. Nicht alles ist schön was man da sieht, aber für das unwissende Auge um so spannender. Erwähnenswert vielleicht noch, dass die beiden männlichen (Robedoor) und weiblichen (Pocahunted) Protagonisten miteinander verheiratet sind und zusammen das Not Not Fun Label betreiben. So schön kann also Eheleben sein. Das Artwork zeichnet erstaunlich genau den Spannungsbogen zwischen dem musikalischen, indianischem Totentanz und den lichten, träumerischen und psychedelischen Momenten der Musik von Pocahunted und Robedoor nach.

Rating: 8/10



Rotor "3" CD (Elektrohasch/ Swamp Room)



Zugegeben, auch wenn mich das Cover der CD eher abgeschreckt hat, so war ich doch gleich nach wenigen Sekunden Fan. "Auf's Maul?" heisst der erste Track und so klingt der Song auch. Direkt, verspielt, dreckig und druckvoll. Live hauen Rotor bestimmt auch alles weg, mit ihrem dicken, stellenweise psychedelischen Stoner Rock. Der Sound ultra-dicht, zeitlos und warm. Vintagesound at its best. Auf "3" ist echt alles dabei und ob als Hintergrund-Musik für einen Kiffer-Abend oder zum schnell die Autobahn entlang bügeln, passt echt immer. Neben den ruhigeren, und gar jazzig-verspielten Momenten halten die drei Rocker von Rotor aus Berlin auch kernige Basslines und deftig-homogene Moshteile parat. Der warme Klang sorgt dafür, dass Rotor nie gekünstelt und verkrampft klingen, im Gegenteil, da funktioniert das Zusammenspiel wohl ohne grosse Worte. Das Album macht Spass und groovt mächtig, es bleibt spannend bis zur letzten Note. Nach dem Durchhören komme ich selbstverständlich auch mit dem Artwork des Albums klar.

Rating: 8/10



Seizure Crypt "Hello My Name Is... Madness" CD (3:16 Productions)



Direkt aus dem Herzen von New York wurde mir diese CD zugeschickt. Das langweilige Artwork liess mich nichts allzu gutes erwarten, aber das war absolut unbegründet. Denn sofort hat mich an der Musik von Seizure Crypt ein Gefühl gefesselt, welches mich an die alten New Yorker Hardcore Bands erinnert hat. Ein Blick auf den Infozettel zeigte dann auch, dass New York Hardcore Altmeister Don Fury "Hello My Name Is... Madness" aufgenommen und produziert hat. Die 8 so entstanden Stücke sind wuchtig, durchtrieben und manchmal richtig knallig und brutal. Neben dem erwähnten guten, alten NY Hardcore vereint die Band noch Elemente aus dem Metal und Punkt. Und das einigermassen frisch und intelligent. Es scheint der Band jedenfalls Spass zu machen und das mal live irgendwo in NY zu sehen, ist bestimmt ein lustiges Erlebnis.

Rating: 7/10



To Blacken The Pages "The Urgency" CD (Colony Records)




Hinter To Blacken The Pages verbirgt sich Paul McAree aus Dublin in Irland. Wieder einmal hat sich hier jemand vorgenommen, Musik zu machen, diese schön und hochwertig zu verpacken und auf dem eigenen Kleinstlabel herauszubringen. Erstes Ergebnis ist nun "The Urgency", ein auf 100 Exemplare limitiertes und numeriertes Kleinod in einer bräunlichen Kartonhülle, die dunkel bedruckt ist. Wirklich gelungen und erinnert etwas an die Aufmachungen des Archive Labels. "The Urgency" enthält einen einzigen, langen und massiven Track mit über 47 Minuten Spielzeit. Das Stück beginnt mit ausufernden, üppigen Gitarren und erinnert von der Stimmung immer wieder an Neil Youngs "Deadman" Soundtrack. Weite Landschaften, Einsamkeitsgefühle etc. Nach einigen Minuten gehen die Gitarren in laute Feedbacks über, die wie Gewittergrollen sich hin und her bewegen und im Raum verteilen und über den Hörer stürmisch und machtvoll hinwegbrausen. Bassige Dronen vermengen sich mit dicken, schweren Rückkopplungen und wälzen sich so auf und ab. Dabei bilden sich Schichten um Schichten von dicken Klangwellen, die dann nach und nach wegziehen, abebben und zerbröckeln und sich in den Weiten des Raumes verlieren. "The Urgency" von To Blacken The Pages hat auf jeden Fall mein Interesse am Schaffen von Paul McAree geweckt, mehr Infos auf toblackenthepages.com

Rating: 8/10



YOG "Years Of Nowhere" CD (Get A Life Records!)




Seit gut 7 Jahren gibt es YOG aus dem schweizerischen Neuchchatel schon, allerdings hat es die Band durch eine Vielzahl von Veränderungen im Band Line-Up, nie wirklich weit geschafft. Das könnte sich jetzt ändern mit "Years Of Nowhere". Das Album ist ein brutal, wuchtiger und vertrackter Klotz aus extremem Hardcore und Metal,wie wir ihn alle zur Genüge von den Grossen wie The Dillinger Escape Plan, Converge oder Pig Destroyer kennen. Die 13 Stücke auf "Years Of Nowhere" sind dynamisch, schnell und kantig. Die Band wirkt dabei technisch fit und bietet ein ums andere Mal interessante, schnelle Attacken. Da gibt's nur auf die Fresse und alles peitscht immer nur nach vorne mit derben Geschwindigkeiten. Der Sänger hat mit seinem wüsten Gekeife und Gekreische auch ordentlich was zu leisten und zeigt Einsatz. Das Artwork schafft es leider gar nicht an die Musik heran, es wirkt uninspiriert und langweilig. Da bietet die Musik von YOG schon deutlich mehr.

Rating: 7/10



Vancouver/ Zatokrev "s/t" Split CD (Get A Life Records!)




Die beiden grössten (laut Infozettel) schweizerischen Metalcore Bands treffen sich um mit dieser gemeinsamen CD, 4 Stücke vorzustellen. Zatokrev enstammen dem schönen Basel und machen soliden, direkten metallischen Hardcore, der zwar nicht unbedingt kreativ erscheint,aber dennoch Wirkung hat. Zatokrev klingen dunkel, böse und schwer und ackern sich in beiden Songs zäh durch etwa je 5 Minuten.
Die beiden Stücke von Vancouver stammen aus der gleichen Aufnahmesession, wie die, des Songs für die Fresnel Split 7". Waren auf der genannten Split 7" noch die Österreicher die eindeutigen Gewinner, so haben hier Vancouver die Nase vorn. Klanglich werden durchaus Erinnerungen an frühe Breach wach, wenngleich man natürlich nicht an die unglaublichen Schweden heranreicht. Die Produktion ist gelungen und die Band bewegt sich zwischen schweren Klangwänden und eher zurückgelehnten, ruhigeren Momenten, gefolgt von wüsten Ausbrüchen von klanglich kernigem, brechendem Charakter. Das Artwork ist nicht sonderlich spektakulär, aber gelungen und die Zeichnung der abgebildeten Hand ansprechend.

Rating: 7/10



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