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Ahkmed „Distance“ CD (Elektrohasch)

Astrosoniq „Quadrant“ CD (Exile On Mainstream)

Phased „A Sort Of Spasmic Phlegm Induced By Leaden Fumes Of Pleasure“ CD (Elektrohasch)

Zwei neue Elektrohasch-Scheiben, die beide mit knarzigem Retro-Bass, einer Menge Hall und Modulationseffekten aufgepeppten, fuzzigen Gitarrensounds und einer ordentlichen Priese hippieesquem Gitarren-Gegniedel einwandfrei in das Labelprogramm passen. Während das Schweizer Trio PHASED eher die Straight-Ahead-Variante wählt, mäandern sich die Australier von AHKMED auf „Distance“ durch klanggemalte Weitläufig- und Trostlosigkeit. Die Stücke versetzen den Hörer in eine karge, flache Wüstenregion, mit sengender Hitze im Nacken und einem täuschenden Flimmern am Horizont; genauso gegenwärtig, wie postapokalyptisch. Von Zeit zu Zeit türmen sich massive Klangbrocken auf, die mit unbezwingbarer Majestätik beeindrucken, aber auch lähmen. Gesang wird sparsam eingesetzt, was auch in Ordnung geht, da die Stimmbeiträge dem Gesamtklang nichts essenzielles hinzufügen und berechtigterweise einfach beiläufig bleiben. Ein atmosphärisch tiefes, gelungenes Album. Deutlich weniger feinfühlig gehen AHKMEDs Labelkollegen PHASED auf „A Sort Of Spasmic Phlegm Induced By Leaden Fumes Of Pleasure“ zu Werke. Mit ihrem am doomigen 70s-Rock der Marke BLACK SABBATH angelehnten Sound sind sie wesentlich gradliniger – damit aber auch wesentlich unspannender. Die Präzision und Bedrohlichkeit verliert sich in ermüdender Monotonie, weshalb PHASED womöglich oftmals in die Stoner-Ecke einsortiert werden. Einen ähnlichen geschichtlichen Rückgriff tätigt das neue Exile On Mainstream Signing ASTROSONIQ auf „Quadrant“: 70s-Classic-Rock der Marke THIN LIZZY und HAWKIND dient hier als Blaupause. Alles handwerklich gut gemacht, aber eben auch schon tausendmal gehört. Das Problem was ich mit Musiken, wie denen von PHASED und ASTROSONIQ habe, ist nicht der eventuell zu diskutierende Anachronismus, sondern der Fakt, dass ihnen eine komische Versifftheit inne wohnt; eine befremdliche, bierseelige Grundstimmung, die mir eine sich bis zur Aufnahmeunfähigkeit besaufende, Luftgitarre zelebrierende Hörerschar vor das geistige Auge malt. Wegen dieser Assoziation werde ich einfach nicht so richtig warm mit diesem Zeug; das Zuviel an Maskulinität stößt mich ab. (Konstantin Hanke)



Analena „Inconstantinopolis“ CD/LP (Moonlee)



Die kroatische Krachinstitution ANALENA hat ihr drittes Album im bandeigenen Studio selbst aufgenommen. Die Formation um die charismatische, kunterbunte Frontfrau Ana hält damit nach wie vor die DIY-Fahne hoch in den Wind. Während sie sich ideologisch gefestigt wie eh und je gegen einen vermassenden Gleichschritt wehren, haben sie musikalisch einen Schritt voran gemacht. Dieser ist eigentlich nicht einmal wirklich offensichtlich, bezeichnet meiner Meinung nach aber eine wichtige Differenz zum bisherigen Schaffen der Band. ANALENA haben sich deutlich von ihren Schrei-Emo-Wurzeln und damit auch von den damit konnektierten, zu unsäglicher Langeweile verkommenen Klischees verabschiedet. Eine gewisse Holperigkeit haben sie sich bewahrt, um ihre Verbundenheit zum Punk zu demonstrieren. Rein stilistisch klingen die zehn neuen Stücke aber offener, variabler, freier, ohne jedoch ins Uferlose zu kippen. „Inconstantinopolis“ ist einfach ein gutes, kitsch- und schleimfreies Rockalbum, welches soundtechnisch am ehesten eine Verwandschaft mit PRETTY GIRLS MAKE GRAVES erkennen lässt. Es gibt keine hypersignifikante Entwicklung, keinen Bruch mit der Bandvergangenheit; es ist lediglich eine feine Nuancenverschiebung, die ANALENA aus der Nische hievt und in den Rockzirkus schiebt. (Konstantin Hanke)



Black To Comm „Charlemagne & Pippin“ CD (Digitalis Recordings)

Darwinsbitch „Ore“ CD (Digitalis Recordings)

Taiga Remains „Wax Canopy“ CD (Digitalis Recordings)

Drei neue Scheiben aus der „Arts & Crafts“-Reihe des in Oklahoma beheimateten Labels Digitalis, die drei unterschiedliche Umgangsweisen mit Drones präsentieren. Genretypisch ist diesen Tonträgern eine gewisse Experimentalität immanent; eine Experimentalität, die nicht auf die Neuerfindung des Rades abzielt – dafür ist auch der Drone-Sektor mittlerweile zu klar strukturiert -, sondern sich der Auslotung der Möglichkeiten der verwendeten Klangerzeuger widmet. Hinter DARWINSBITCH steckt Marielle Jakobsons (MYRMYR, DATEPRIMS) aus Oakland, die auf ihrem Debüt-Album mit Violine und Sinus-Oszillator warme, aber auch doomige Drones produziert. „Ore“ birgt in seiner Breitflächigkeit ein gewisses entspannendes Moment, hat aber in seiner lautmalerischen Trostlosigkeit auch etwas sehr beunruhigendes. Summende Sounds, die dich zumeist charmant umgarnen, in einem Moment der Unachtsamkeit aber auch mal unerwartet zubeißen. Deutlich kühler wirkt dagegen das 35-minütige „Charlemagne & Pippin“ des Hamburger Trios BLACK TO COMM. Es besteht aus gleißenden Electronic- und Loop-Sounds, die sich wenig bis gar nicht in irgendeine Richtung bewegen, sondern in sich selbst vibrierend aus sich selbst heraus entwickeln. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt auch Alex Cobb alias TAIGA REMAINS auf „Wax Canopy“. Seine aus Gitarre, Orgel, Field Recordings, Tape-Loops und Electronics zusammengeschraubten Flächen zielen jedoch nicht so sehr auf die Peripherie, sondern auf das Zentrum des Bewusstseins, wirken eindringlicher, fordernder, bedrohlicher. Wo BLACK TO COMM auf Zeit zur Entwicklung setzen, baut TAIGA REMAINS auf Intensität. Ich fühle mich irgendwie komisch berührt, fast ertappt, weil die auf allen drei Releases zu hörenden Sounds wie eine Vertonung jener unwirklichen, unklaren Körperschwingungen klingen, die Nachts, wach und in völliger Ruhe liegend, wahrnehmbar sind. Eine hörbar gemachte Gedankenwelt, wie ein Soundtrack zum Kopfkino. Drones, die mit einem sympathisch verzaubernden, avantgardistischen Touch und in wunderschöner Verpackung daher kommen. (Konstantin Hanke)



Eagle Twin „The Unkindness Of Crows“ CD (Southern Lord)



Hinter EAGLE TWIN steckt Gentry Densley, der von 1991 bis 2001 mit ICEBURN einige Grenzen im Krachmusiksektor nieder riss, sowie zuletzt mit SUNN O)))s Greg Anderson für das Projekt ASCEND kollaborierte. Auf „The Unkindness Of Crows“ findet sich nun zäher, doomiger, mysteriöser Jam-Metal, der irgendwo zwischen freier Improvisation, Noiserock und Düster-Ambient als eine Mischung aus SLEEP, MELVINS und EARTH beschrieben werden kann; eine Musik also, die sich irgendwie ungebunden durch diverse Düster- und Krachstilistiken arbeitet, aber niemals irgendwo lange verweilt. Mit dem fast bluesig knarzenden Sound und den blubbernden Vokalbeiträgen bewegt sich das Duo aus Salt Lake City streckenweise auf den Pfaden, die SUNN O))) auf „Monoliths & Dimensions“ neu beschritten. Für den doomiger Sound und mit gewissen Hang zur Theatralik ist Southern Lord wohl die passendste aller denkbaren Heimaten für EAGLE TWIN. (Konstantin Hanke)



Fabio Orsi And Seaworthy „Near And Faraway“ CD (Low Point)

P Jørgensen „To“ CD (Low Point)

Das englische Label Low-Point zelebriert die Reduziertheit. Was sich optisch in der Gestaltung von Coverartwork und z.B. Webpräsenz wiederspiegelt, findet klangliche Entsprechungen in den minimalistischen Ambienzen der Releases. Der in Berlin lebende Italiener Fabio Orsi und die australischen Formation SEAWORTHY leisten ihren Beitrag dazu in Form von „Near And Faraway“, einem sanft atmenden Gemeinschaftswerk, welches in drei Stücken säuselnd wiegende Introspektion und endlose, minimalistische, dabei aber detailreiche Soundscapes entwirft. Es gibt keine knarzenden Störungen, keine düsteren Vertiefungen, ausschließlich sirrende, manchmal nebulöse Weitflächigkeit, die über einen längeren Zeitraum eine tragende Erhabenheit entfaltet. Etwas verschachtelter geht hingegen der dänische Komponist und Klangkünstler P Jørgensen mit dem Thema Ambient um. Er erzeugt auf seinem zweiten Album „To“ Texturen eher kaleidoskopischen Charakters. Cineastisch, fast szenisch alternieren Wärme und Kühle, Diffusität und Klarheit, fried- und unheilsvolle Parts und sorgen somit für eine gewisse Bewegtheit des Sounds. Drones der besseren Sorte. (Konstantin Hanke)



Hildegard Kleeb „World News“ CD (Everest)



„World News“ versammelt eine handvoll zierlicher Klangschnipsel, die allesamt wie Jingle zu spezifische Erinnerungen in unseren Köpfen erscheinen. Die Stücke stammen aus der Feder des schwedischen Tonsetzers Peter Hansen. Dieser studierte, bevor er selbst an der Göteborger Universität Musik lehrte, u.a. bei Zoltán Jeney, Pavol Simai und Luigi Nono und kann somit tiefgreifende Kenntnis von Klassischer, Neuer und Minimal Musik vorweisen. Anno 1992 floh er 32jährig vor dem Krach und Tumult der Großstadt und widmete sich fortan seinen eigenen Werken. Die 25 minimalistischen, fragilen und melanchloisch-verträumten Klavier-Skizzen wirken wie eine Sammlung flüchtiger, aber nicht unsorgfältig, tagebuchähnlich notierter Gedankenfetzen, die in tiefer Schwermut graben. Das behutsame Klavierspiel von Kleeb nimmt die Stimung der Stücke auf und versetzt sie so in einen passenden Klang. (Konstantin Hanke)



Meerkat „Kapnos“ CD (Afe/Grey Sparkle/Nighthawks Tapes/Ctrl+Alt+Canc)



Unter dem Banner MEERKAT haben sich mit Adriano Zanni/Punck, Matteo Uggeri/Hue, Luca Sigurtà (Harshcore), Luca Bergero/Fhievel, Davide Valecchi/Aal, Andrea Ferraris, Fabio Selvafiorita, Paolo Ippoliti (Logoplasm), Laura Lovreglio (Logoplasm) und Andrea Marutti/Amon zehn der umtriebigsten Köpfe der italienischen Drone-Microsound-Experimentalmusik-Szene zusammengefunden. Aus Field Recordings und synthetisch generierten Sounds baut das Kollektiv flirrende Ambienzen auf, die sich bereits nach kurzer Zeit dermaßen in die Geräuschkulisse des Alltags einebenen, dass sie nicht mehr als Externität wahrgenommen werden. Mehr Atmo-Kollage als Drone. Brutal minimalistisch, aber derart arrangiert, dass es über die Gesamtdauer von 40 Minuten spannend bleibt. (Konstantin Hanke)



Pelican "What We All Come To Need" (Southern Lord)



Pelican großartig vorzustellen braucht man inzwischen keinem der Leser hier mehr, denke ich. Nach Hydra Head ist die Band nun bei Southern Lord gelandet und veröffentlich dort nach der "Ephemeral" EP nun ihr neues Album. Eigentlich ist auf "What We All Come To Need" im Großen und Ganzen alles beim Alten. Immer noch spielen Pelican ihren monumentalen Instrumentalrock, aber, und das ist dann auch die auffälligste Neuerung: es gibt Gesang! Auf dem letzten Track namens "Final Breath", der erstaunlich melodisch und sanft daherkommt. Insgesamt weiß "What We All Come To Need" weit mehr zu gefallen, als der vergleichsweise lahme Vorgänger “City Of Echoes”. Alle Instrumente des Trios stellt die Profuktion nahezu gleichberechtigt auf, es gibt wieder mehr Räume und Pelican wirken fast wieder etwas ruppig-verspielter wie in den Anfangstagen. Trotzdem fällt eigentlich nur ein Stück von "What We All Come To Need" auf, welches die Kraft hat alles im instrumentalen Megasturm wegzublasen: "Ephemeral". Zu dumm nur, dass es schon vorher auf der gleichnamigen EP veröffentlicht wurde. "Ephemeral" fasst für mich alles zusammen, was Pelican für mich positiv ausmacht: monströse Klanglandschaften türmen sich da vor meinem geistigen Auge auf, höher als jedes Gebirge, episch und schön wie ein Fluss der sich da mäandernd ruhig durch das Tal zieht und der Hörer, der ist der große Vogel, der über dem ganzen Anblick majestätisch seine Runden zieht. Stücke wie "Specks Of Light" überzeugen auch, wurden aber mit "March Into The Sea" schon überzeugender gespielt. Auf das Name Dropping der ganzen Gastauftritte habe ich keine Lust und ich bin überzeugt davon, dass man sie diese auch gut hätte sparen können.

Rating: 7.5/10



Sofy Major „s/t“ 12'' (Communication Is Not Words)



SOFY MAJOR spielen noisigen Hardcore, der teilweise Sludge-/Doom-Grooves adaptiert, sich sonst aber wohltuend von diesem Trend fern hält. Stattdessen bewegen sich die Franzosen mit ihrem Sound eher in Richtung Noisecore und New School Hardcore der mittleren und späten 1990er-Jahre. Erinnert mich in seiner verstörten und verstörenden, zerfahrenen und zermürbenden Art an die belgische Formation ENEMY OF THE SUN. Das einseitig bespielte 12“-Vinyl enthält vier Tracks, die qualitativ völlig in Ordnung gehen. (Konstantin Hanke)



Strotter Inst. "Bolzplatz" 10" (Everest Records)



Auf dieser 10" sind 4 neue Stücke von Strotter Inst. enthalten und schon alleine das Abspielen wird zur Kuriosität: Auf jeder Seite ist ein Stück in 33 RPM enthalten, während die beiden anderen Stücke zwei Rillen weiter innen in 45 RPM beginnen. Strotter Inst. beehrt uns nach dem gelungenen Bergwerkbesuch von "Minenhund" immer noch mit seinen typischen, knöchernen, hakenden Polyrhythmen, die aber dieses Mal noch trockner, spröder, schneller und stampfender daherkommen. Ein ausgetretener, staubiger Bolzplatz im Sommer, irgendwo im Hintergrund eines Industriekomplexes, dessen Lärm wabernd und an den Gehörgängen nagend herüber dringt? Gras kaum noch vorhanden. Klar.

Rating: 7/10



Sujo "Morte e Descida" 3" CD-R (Inam Records)

(No cover available)

"Morte e Descida" ist ein fast 20 minütiger Gang mit Fußfesseln zur eigenen Hinrichtung. Schwer, schleppend, endgültig und schicksalsbesiegelnd. Hier kommt man nicht raus, zu zäh der Foltergang. "Morte e Descida" ist ein einnehmender und alles beanspruchender Sludge und schwerer Noise Batzen, ähnlich den "Pia" und "Arak" 3" CD-R's. Wieder fällt das mit viel Liebe für's Detail gestaltete Artwork mit Silberdruck auf. Limitiert auf nur 100 Exemplare und zu erstehen über inamrecs@yahoo.com

Rating: 7/10



Terminal Lovers „As Exes Burn Clean“ LP (Public Guilt)



Fünf Veteranen der Cleveland-Rock-Szene (u.a. Chris Smith von KEELHAUL, INTEGRITY) haben sich zusammengetan, um die festgefahrene Grundästhetik des Rock in der Luft zu zerreißen und die anfallenden Schnipsel einfach wild durcheinander wieder zusammenzufügen. Das Ergebnis nennt sich „As Exes Burn Clean“ und überzeugt mit Einfallsreichtum, Vielfältigkeit, Wärme und Konsistenz. Die übercoole, smoothe Lässigkeit späterer LED ZEPPELIN wird mit krautrockig vor sich hin wabernden Songstrukturen zu kruden Klangkonstrukten verknüpft, die sich irgendwo zwischen KAYO DOT und GOON MOON bewegen. TERMINAL LOVERS überschreiten aber nie, wie etwa U.S. MAPLE, die Grenze zur totalen Dissonanz. Eher im Gegenteil: Die Stücke besitzen trotz aller Schrägheit eine irgendwie poppige Eingängikeit und schaffen es eine gewisse Faszination auszuüben. Eine spannende Scheibe. (Konstantin Hanke)



The Use Of Ashes „White Nights, Glowing Lights“ CD/LP (Tonefloat)



„White Nights, Glowing Lights“ ist eine Scheibe, die mal düster, mal tolpatschig, mal verträumt, mal psychedelisch daher kommt, in dieser Vielfältigkeit und scheinbaren Zerissenheit aber wunderbar stimmig klingt. THE USE OF ASHES umwickeln auf ihrem siebten Studialbum das immer währende Akustikgitarren-Gerüst behutsam und gekonnt mit allerlei Instrumentarium, wie Sitar, Tabla und Bouzouki, Mellotron, so dass sich eine leicht schräge Fragilität ergibt, die das Ganze etwas surreal und leicht exzentrisch wirken lassen. Fast programmatisch thront eine irgendwie hoffnungsvolle Traurigkeit über dem Lo-Fi-Psychperiment der niederländischen Formation. Eine fruchtbare Zusammenbringung von neofolkiger Herangehensweise, düsterer, klaustrophobischer Grundstimmung und einem Hang zur cineastischen Inszenierung. Erinnert dabei dezent an Musiken von BODUF SONGS, MOTHLITE und vor allem THE OWL SERVICE. Das Album versprüht also eine Menge britischen Flair und überzeugt damit auf der ganzen Linie. (Konstantin Hanke)



Tim Catlin & Machinefabrik "Glisten" CD (Low Point)



Mit "Glisten" veröffentlicht der australische Gitarrist und Klangkünstler Tim Catlin seine erste Kollaborationsplatte, und das zusammen mit Machinefabrik aka Rutger Zuydervelt aus den Niederlanden. Zur Arbeitsweise sei angemerkt, dass Catlin eine Reihe von Gitarrenaufnahmen zu Machinefabrik in die Niederlande gesandt hat, die Rutger Zuydervelt bearbeitet hat. Keine außergewöhnliche Arbeitsweise und das Ergebnis ist auch nichts weltbewegendes, aber es macht Spaß beim Hören. "Glisten" enthält 9 Klangcollagen, die aus zumeist ruhigen, vielschichtigen Dronen bestehen. Diese steigern sich allmählich, bis sie schließlich mit einigem lauter werdenden Klackertönen zerbrechen. "Glisten" wirkt einerseits recht zart und persönlich und braucht einige Durchläufe, um an Raum und Höhe zu gewinnen. Dann aber fallen dem Hörer die von Machingefabrik eingesetzten Klangdetails auf, die gleichermaßen geschickt wie eindringlich erscheinen.

Anspieltip: "Ghostbox"

Rating: 7/10



When Icarus Falls „Over The Frozen Seas“ CD (Get A Life)



Das umtriebige Schweizer Label Get A Life zaubert nach den begeisternden Releases von EVPATORIA REPORT und EQUUS die nächste helvetische Perle aus dem Hut. WHEN ICARUS FALLS kommen aus Lausanne und verbinden auf „Over The Frozen Seas“ atmosphärischen Post-Hardcore neuerer ENVY-Schule mit mal jazzig fluffigen, mal fragil wabernden Post-Rock-Elementen. Das Debüt-Album enthält drei zutiefst melancholische, kontrastreiche Stücke, die allesamt die 10-Minuten-Marke knacken, dabei aber vollständig Sinn machen und nie langweilen. Der gewagte Spagat – für den durchschnittlichen Post-Rock-Hörer dürfte das Ganze bei Zeiten zu laut und brutal werden, der Post-HC-Fraktion dürften die Stücke zu uferlos erscheinen – gefällt, weil er sowohl mutig als auch gut gemacht ist. (Konstantin Hanke)

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