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3 Seconds Of Air "The Flight Of Song" CD (Tonefloat)



Fast 10 Jahre waren 3 Seconds Of Air beschäftigt, bis sie es nun zu ihrem ersten Output schaffen. Anfangs war das namenlose Projekt mehr eine Experimentierplatform für Dirk Serries (Fear Falls Burning, Microphonics) und Paul van den Berg. Letzterer war mit Blues beschäftigt, während sich Serries mehr im Ambient und Drone Spielfleld umsah und experimentierte. Als aber Bassistin und Serries Frau Martina Verhoeven mit einstieg, begann sich alles zu verändern und an Kontur zu gewinnen. Das Ergebnis liegt nun mit "The Flight Of Song" vor. An zwei kalten Tagen im Februar diesen Jahres nahmen die drei in einer kleinen und winterlich kalten Kapelle in Belgien dieses Album auf. Und so muten die 4 Stücke dann auch an: winterlich, klar, sanft und bestimmt, wie nur der Rauhreif auf Büschen und Bäumen im Februar sein kann. Aufgenommen ohne jeglichen Schnickschnack, nur mit einem Laptop, Pro Tools und kein weiteres Nachbearbeiten mehr. Episch, minimal, weit über die frostigen, durchfrorenen Felder tragend, immer mit einem Hang zum Lichten, Flüchtig-Ätherischen, sind die Kompositionen. Der Name und Titel ist hier ganz Programm. Dann und wann schimmern und flimmern halluzinogene, psychedelische Momente durch, sie sind das helle, unruhige Flimmern über einer Eisfläche. "The Flight Of Song" wird mit zwei Konzerten im Juni, in eben dieser Kapelle aufgeführt. Die Aufmachung für Tonefloar typisch: einfach, eindrucksvoll und extravagant in Wahl des Materials: dicke 50er Jahre Pappkarton Verpackung, schlicht aber schön gestaltet. Übrigens auch als LP mit extra Material erhältlich.

Rating: 8/10



Ajilvsga "Medicine Bull" CD (Dreamsheep Records)

Black Motor "Vaarat Vastukset" CD (Dreamsheep Records)

Hexlove "Pija Z Bogiem" 2xCD (Dreamsheep Records)

Dreamsheep ist ein junges und aufstrebendes Label aus Italien, hinter welchem der großartige Valerio Cosi steht. Im Folgenden ein kurzer Abriss über drei interessante Veröffentlichungen auf Dreamsheep, einem Label, das man definitv im Auge behalten sollte.
Hinter Ajilvsga verstecken sich keine ganz Unbekannten, sondern Nathan Young und Brad Rose vom Foxy Digitalis Webzine und der kleinen Label- Gruppe um Digitalis Recordings. Ajilvsga sind schwer und dunkel, Ambient aus Gitarre und Electronics, mit einem Black Metal lastigen Gefühl unterlegt. "Medicine Bull" ist eine durchaus einzigartige Klangwelt, noisig, dunkel, schwer – durchaus etwas für Nadja Fans. Wirklich neu ist es nicht, was Ajilvsga hier auffahren und zelebrieren, aber schlecht eben auch nicht.
Black Motor sind ein Trio, kommen aus Tampere in Finnland und machen exzellenten, dunklen, fast klassischen Jazz, mit einer experimentellen Note, die aber sehr diszipliniert und gekonnt eingesetzt wird. Vaarat Vastukset" wird daher jedem mehr Avant-Garde orientierten Jazz Hörer durchaus gefallen, denn die Stücke wirken nie zu glatt oder durchschaubar. Der Sound ist warm und organisch, einzig das Saxophon sticht hier immer wieder deutlich heraus und ist die Würze in der Jazzsuppe.Hexlove ist Zack Nelson, der unter anderem schon Platten auf Holy Mountain und Temporary Residence veröffentlicht hat. "Pija Z Bogiem" ist ein beachtliches Klangsammelsurium von instrumentalen Sounds mit einzigartigen Drums und fast weiblich-weichen Gesangsstrecken und schönen Melodien. Immer ein bisschen hektisch, aber nie unhörbar. Hexlove offeriert wirklich ein weites musikalisches Spektrum und vielerlei Einflüsse, auch mit fast schon verrückten Pop Skizzen. Träumerisch, fast tanzbar kommen manche der 20 Lieder daher. Die zweite CD ist etwas düsterer, leiser und nicht so fröhlich und licht. Die Stücke sind experimenteller, vielleicht mehr lo-fi. Insgesamt ist "Pija Z Bogiem" sehr nett, durchdacht und trotzdem so leichtfüßig frei und unvorhersehbar. Das Artwork und die Aufmachung der 2xCD könnten aber ruhig etwas detailverliebter und liebevoller gestaltet sein.

www.myspace.com/dreamsheeprecordings

Rating: 8/10



B°tong "Hysteria" CD-R (Verato Project)

Hinter "Hysteria" stand die Idee, Geräusche und Klänge von Erdbeben und Wasser zu nehmen und daraus unheimliche Sounds zu kreieren. Mission erfüllt, würde ich sagen. Dunkelste Ambient Klangcollagen mischen sich mit völlig zerstörenden Noise- Erruptionen mit Sprachsamples im letzten Track. Man hat das Gefühl, durch eine tiefe, dunkle Höhle zu klettern und schreckhaft vernimmt man immer wieder neue Geräusche: Mal plätschert Wasser direkt neben einem, dann vernimmt man wieder weit entfernt fast maschinelle, kalte Klänge. Der manchmal fast beatartige Charakter, der einzelnen Passagen unterliegt, stammt von direkten seismographischen Aufnahmen von Erdbeben. Sie klingen auch wie Granateneinschläge in weiter Ferne, deren Hall unterirdisch völlig gepresst und dumpf übertragen wird. Dunkel bis zum Anschlag, kalt und gespenstisch, das sind die Kurzformeln von "Hysteria". Wie immer bei Verato Project Veröffentlichungen: Limitiert auf nur 60 Exemplare.

Rating: 7/10



Caethua "Village Of The Damned" CD (BlueSanct)

Hinter Caethua steht Clare Hubbard aus Upstate New York, die neben anderen Projekten, Caethua als ihr Hauptsprachrohr nutzt und dabei ganz reizende experimentelle Lo-Fi Musik kreiert. Allesamt beeinflusst durch frühen Psych-Folk, schaffen es die 9 Stücke, eine eigentümliche, melancholisch-schöne Stimmung zu transportieren. Oft trägt ihr Gesang die schrammeligen Kompositionen, die durch Feld- Aufnahmen, langsame Dronen und dezente, düstere Melodien getragen werden. Wirklich sehr nette, ursprünglich und direkt wirkende Stücke, zu denen auch gut das Artwork der auf 300 Exemplare limitierten CD passt. Abgebildet sind neben einem Blick aus dem Fenster ein Haus und eine Scheune, die gut auf einem abgelegenen Grundstück liegen könnten und etwas Gespenstisches haben. Hier passen Clare Hubbards Melodien und Arrangements gut hin, wirken sie doch immer leicht so, als spuken sie durch ein leeres Haus, das irgendeine seltsame Geschichte aus lang vergangenen Tagen erzählt. Reizend.

Rating: 7/10



Celan "Halo" CD (Exile On Mainstream)



UNSANE, OXBOW, EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, FLU.ID - liest sich beeindruckend diese Liste von Bands, deren kleinstes Gemeinsames sich als ein respektables Vielfaches entpuppt. CELAN nennt sich diese neue Formation, die einer von Ari Benjamin Meyers (NEUBAUTEN) und Chris Spencer (UNSANE) in einer Prenzlberger Kneipe gemeinsam ausgebrüteten Idee entstammt. Aus der gemeinsamen Euro-Tour von UNSANE und FLUID ergab sich die Beteiligung von Phil Roeder und Franz Xaver (beide ex-FLU.ID), während Niko Wenner (OXBOW) hinzugezogen wurde, weil da - wie das ja immer so ist - eh mal was geplant war. Konsequent wurde dann das Kneipengelaber in die Tat umgesetzt, ein Studio gebucht und diese Scheibe aufgenommen. Ja, und nun stehen sie dicke da, die zwei Jungspunde aus dem Thüringischen und die drei alten Hasen von drei beinahe legendären Formationen. Klar, die Messlatte liegt - ob der namenhaften Beteiligung - bei solch einem Projekt enorm hoch. Um so verblüffender, wie lässig alle Bedenken des Hörers weggewischt werden. Obwohl man weder eine konkrete Zuordnung der Einflüsse vornehmen kann noch muss, fällt es relativ leicht festzustellen, dass der Gesamtsound von CELAN sich aus einer wunderbaren Synthese der Grundcharakteristika der prominenten Haupt- und Ex-Projekte der einzelnen Mitglieder konstituiert. Dominiert wird der Sound von der FLUID/UNSANE-Fraktion, ist also recht deutlich in Richtung Noise/Rrock verortbar. Aber auch ein dezent bluesiges OXBOW-Feeling, sowie die Experimentalität der NEUBAUTEN sind klar heraus zu hören. Unterm Strich ergibt sich daraus eine prima Scheibe, die jeden überzeugen sollte, der sich mit avantgardistisch angehauchtem Noise Rock anfreunden kann. (Konstantin Hanke)



Cherry Choke "s/t" CD (Elektrohasch

Fuzz Manta "Smokerings" CD (Elektrohasch)

Highway Child "On The Old Kings Road" CD (Elektrohasch)

Elektrohasch beehren uns gleich mit 3 neuen Alben von Cherry Choke, Fuzz Manta und Highway Child. Cherry Choke beginnen recht gemütlich, warm und ohne große Hektik. Sie spielen sich durch 10 nette Garage-Psychedelic Perlen. Bei Cherry Choke handelt es sich um die neue Band von Mat Bethancourts (Joshia, The Beginning, The Kings of Frog Island) aus England, die nun dieses selbstbetitelte erste Album veröffentlicht. Wenngleich die Aufnahme eher recht roh klingt, sind die Songs aber allesamt dynamisch und druckvoll.
Fuzz Mantas "Smokerings" Album ist ebenfalls ein Debut, und zwar das einer dänischen Band, die auf "Smokerings" 10 schwere Hippie- und Hardrock Songs aufführt. Eigentlich eine gelungene Angelegenheit, aber der weibliche Gesang missfällt irgendwie. Die Stücke klingen leidenschaftlich und abwechslungsreich. Es wird mit Freude und Hingabe musiziert.
Highway Child kommen ebenfalls aus Dänemark und haben auch einen ordentlichen Hippieeinschlag in ihrer Musik. "On The Old Kings Road" weist ordentlichen, staubigen Groove auf. Man sieht fast Jimi Hendrix auf dem Woodstock Festival spielen. Wieder handelt es sich um das Erstlingswerk, das bis dato nur über den Eigenvertrieb der Band zu bekommen war. "On The Old Kings Road" ist kraftvoll, druckvoll und schwer und für jeden Stoner und schweren psychedelischen Rock Liebhaber ein Hörversuch wert.

Rating: 7/10



Clues "s/t" CD (Constellation)


Clues veröffentlichen über Constellation ihr Debut Album, das schon alleine optisch einen lockeren, unverkrampften Eindruck macht. Hinter Clues stecken Brendan Reed (ex-Arcade Fire, Les Angels Mort) und Alden Penner (ex-Unicorns) aus Montreal. Musikalisch bieten die beiden dem Hörer dann auch mit der Hilfe von weiteren Musikern, eine buntes, schrammeliges Hörerlebnis,von kaleidoskopischer Energie und Rhythmik. Originell, charmant, immer nach vorne holpernd und stolpernd, ohne dabei aufgesetzt und verkrampft zu wirken. Zu beschönigen gibt es hier nichts! Stücke irgendwo im Postpunk, No-Wave mit einem kräftigen Schuss Pop. Clues bieten ihre ganz eigene, hingebungsvolle Interpretation des Begriffs Indie Rock an und es gelingt ihnen! Sie schaffen es damit, den Hörer durch die 11 Stücke mitzureißen und voller Freude neckend durchzujagen. Die Aufmachung ist absolut passend, bunt und fängt beides ein, zum einen die bunten, unruhigen Klangbögen, zum anderen die melancholische Stimmung, die immer wieder den Stücken unterlegt und sich an all das Farbenprächtige anschmiegt. Auch als Vinyl Version auf schwerem, 180g Vinyl erhältlich.

Rating: 7/10



Dark Castle "Spirited Migration" CD (At A Loss Recordings)


Über Mitglieder von Buried at Sea, Minsk und Kylesa, gelangte das Dark Castle Duo aus Saint Augustine, Florida zu At A Loss Recordings. Nachdem die Band bereits selber das Demo "Flight Of The Pegasus" veröffentlichte, welches durch Musik und Aufmachung zu begeistern wusste, veröffentlicht die Band nun mit "Spirited Migration", ein recht solides Debut Album. Die fast schon klischeehafte Aufmachung entstammt der Hand eines der Bandmitglieder und verweist neben dem ebenso plakativem Bandnamen auf das, was den Hörer in etwas über 35 Minuten Spielzeit und 8 Stücken erwartet: Eine schwere, metallische Doom-Psych-Reise, tonnenweise Groove und ebenso trostloser Verzweiflung und Resignation. Dass hinter dieser kompakten Angelegenheit nur ein Duo steckt, ist kaum zu vermuten. Das gutturale Geschrei und die turmhohen, monströsen Riffs und Rhythmen, werden immer wieder durch Postrock Elemente gebrochen. Insgesamt vielleicht ein immer wieder etwas zu eintönig wirkendes Album, dennoch für ein Debut Album recht massiv und von vielen guten, interessanten Ideen und Ansätzen durchspickt, fast so wie die spitzen Zinnen auf einer Burgmauer, die, abhängig von Witterung und Beanspruchung von Angreifern, auch einen unterschiedlichen Zustand aufweisen...

Rating: 7.5/10




Death Is Not Glamorous "Soft Circles" (Blacktop Records)



Nach diversen Kleinformaten legen die Norweger DEATH IS NOT GLAMOROUS in Form von 'Soft Circles' ihr erstes Full-Length vor. Darauf zu hören gibt es dreizehn schnörkellose, melodisch-eingängige, fluffig-glatte Drei-Akkorde-Rock-Songs, die hier und da ein wenig mit dem Spirit des nordamerikanischen Gute-Laune-Punks (DESCENDENTS, NOFX, etc.) kokettieren. Klingt hier und da nach STRIKE ANYWHERE zu 'Change Is A Sound'-Zeiten und des öfteren bin ich gar geneigt DING als skandinavische Variante der FUCKIN' FACES zu bezeichnen. Mit zunehmender Spieldauer verfestigt sich allerdings der Gedanke, dass die Band aus Oslo einfach ein LIFETIME-Klon ist. Gut geklaut. Eine durchaus gute Scheibe für den Sommer; aber eine viel längere Halbwertszeit, als bis zum Ende der Saison hat dieses musikalische Kleinod nicht.(Konstantin Hanke)



Dissecting Table "Why" 3" CD-R (Verato Project)



Dissecting Table hier auf einer kleinen 3" CD-R in reizender Aufmachung. Aufgenommen wurden die 4 zerfahrenen, brutalen Soundfetzen in den Jahren 95 bis 98 und haben damit schon einige Jahre auf dem Buckel. Das macht aber nichts und jeder Agoraphobic Nosebleed Fand kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten! Schnell, roh und mit der Durchschlagkraft eines Presslufthammers, bahnen sich die gefährlichen Songs ihren Weg direkt zum Hörnerv des Hörers vor. Wildes Stampfen, keifende Vocals, ich mag es. Ursprünglich erschien "Why" 1997 als 7" EP, jetzt aber bringt die EP Verato Project noch einmal mit neuem Artwork und 2 extra Tracks heraus. Wie immer limitiert auf 60 Exemplare.

Anspieltip: "Unsubstantial"

Rating: 7/10



Erdem Helvacioglu - Wounded Breath CD (Aucourant Records)



Auf diesem Album beschäftigt sich Erdem Helvacioglu mit elektroakustischen Klangstudien, die eher wenig mit seinem Vorgängeralbum "Altered Realities" zu tun haben, welches weitestgehend mit einer Akustikgitarre eingespielt wurde. "Wounded Breath" klingt da ganz anders, ist zerfahren, wirkt zerklüftet und ist unruhig und teils mechanisch und maschinenhaft stampfend. Die elektronischen Noise- Spielereien und düsteren Ambiancen, sorgen dann auch für ein entsprechend verstörend und eher kalt wirkendes Klangbild in 5 langen Akten. Teilweise wirkt "Wounded Breath" etwas zu zusammengesetzt und willkürlich, und entsprechend hat man dann auch Schwierigkeiten durchweg am Ball zu bleiben. Die vielen ruhigen und leisen Momente aber, in denen vordergründig wenig passiert, wirken aber dem Eindruck des chaotischen und willkürlichen etwas entgegen und lassen Helvacioglus Gefühl für Tiefe erkennen. Zu jedem der 5 Stücke gibt es in der CD eine kleine Erklärung abgedruckt, die verdeutlichen, welche Bilderwelten Erdem Helvacioglu vor seinen Augen gehabt hat, als er die Stücke von "Wounded Breath" komponiert hat.

Rating: 8/10



Fear Falls Burning "The Carnival Of Ourselves" CD (Tonefloat)

Fear Falls Burning "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" CD (Tonefloat)

Als diese beiden Platten auf Vinyl in limiterter Auflage erschienen, hatte der Mann hinter Fear Falls Burning, Dirk Serries, erst damit begonnen, unter diesem Namen Musik zu machen und zu veröffentlichen. Insofern waren "The Carnival Of Ourselves" und "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" maßgeblich für die Entwicklung von Serries Drone Klanglandschaften, speziell "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace" steht für einen direkteren, lebendigeren Live-Sound. Nachdem die Vinyl Versionen der beiden Veröffentlichungen recht schnell ausverkauft waren, wurden schnell Rufe laut nach einer zweiten Edition, gegen die sich aber Serries und das Tonefloat Label aussprachen und stattdessen nun beide Alben in digitaler Form neu und ergänzt um Bonusstücke herausbringen. Außerdem weisen beide CDs ein neues Artwork auf und kommen in dezent-schönen Deluxe-Kartonageverpackungen, die mit ihrem klaren Design und den ansprechenden Fotografien ganz besonders zur Geltung kommen. Die Bonusstücke auf beiden Discs wirken in keiner Weise wie Überbleibsel aus den jeweiligen Aufnahmesessions, sondern wie vollwertige, dazugehörige Stücke – wenn nicht schon fast wie eigenständige Releases, zumindest im Fall von "Dead Wisdom", dem Bonsustück auf "I'm One Of Those Monsters Numb With Grace": 38 lange Minuten aus Feebacks ziehen den Hörer dann doch in andere Regionen, wo man zwar bewusst lauscht aber doch innerlich ganz ruhig abschaltet. Das Bonusstück zu "The Carnival Of Ourselves" ist mit 28 Minuten Spielzeit vergleichsweise kurz und hat eher sanften Klageliedcharakter. Insgesamt sehr gelungene Wiederveröffentlichungen, die auch auf jeden Fall für die Besitzer der jeweiligen Vinyl LPs interessant sind, ob durch die ansprechende Aufmachung oder die beiden, bis dato ungehörten Stücke.

Rating: 8.5/10



Fever Spoor/ Goghal/ Kenji Siratori/ Torturing Nurse "Lost In Translation" CD-R (Verato Project)



Schon die abgefuckten Zeichnungen des Artworks von diesem Collaboration (?) Album der oben genannten Noise Terroristen macht klar, dass auf "Lost In Translation" eher weniger Struktur zu erwarten ist. Harscher, böser und herrlich fiepender, wabernder Noise, der einmal auf laut gestellt, jede Anlage und jeden Gehörgang in kurzer Zeit in die Knie zwingt. Verstörte Noise Attacken, für die es wohl kaum die richtige Beschreibung gibt. Fies für die Anlage, fies für den Hörer, fies für den Schreiberling. So hat einfach jeder was davon. Volles Noise Brett auf die Fresse. Limitiert auf 60 Exemplare.

Rating: 7/10



From Monument To Masses "On Little Known Frequencies" CD (Golden Antenna)



Postrock für die Indie-Disco? Und das von einer Band, die stets Wert auf den semantischen Zusammenhang ihres Schaffens Wert legte? Keine Angst, ganz so weit ist es (noch) nicht, aber „Little Known Frequencies" bestätigt zumindest, was sich auf der im Herbst letzten Jahres vorgeschobenen Auskopplung „Beyond God & Elvis" bereits ankündigte: Die neue Platte von FROM MONUMENT TO MASSES besitzt eine unglaubliche Heiterkeit und wirkt zuweilen arg Disko-zappelig. Die Jungs aus den USA, die sich seit jeher durch eine fast jazzige Verspieltheit auszeichneten, haben ihren Klangraum um einige funkige Elemente erweitert. Die Stücke auf „Little Known Frequencies" besitzen einen durchgehend beachtlichen Groove und werden wie gewohnt durch die Ausstattung mit inhaltsschwangeren Sprachsamples mit einer inhaltlichen Ebene versehen. Diese Synthese funktioniert auch aufgrund der beachtlichen technischen Fähigkeiten der Musizierenden ganz passabel. Jedoch verkehrt ein zu viel des Guten das qualitative Potenzial des Trios auf Dauer in ein etwas belangloses Gegniedel. „Little Known Frequencies" ist insgesamt eine ordentliche Scheibe, die schlicht im Wissen um ihren exzellenten Vorgänger („The Impossible Leap In One Hundred Simple Steps", 2003) nicht ausnahmslos begeistert. (Konstantin Hanke)



Gathiens "Nesh" CD (Murkhouse Recordings)



Ursprünglich sollte "Nesh", das Debut- Album der Band um Murkhouse Recordings Label Chef Colin Williamson schon längst über Battle Kommand erschienen sein, was aber aus welchen Gründen dann auch immer, schlussendlich nicht klappte. So veröffentlichte Williamson nun kurzerhand das Erstlingswerk seiner Band selbst über sein noch junges Label. Es lohnt sich durchaus, sich mit dem schon 2006 und 2007 fertiggestellten Album zu beschäftigen, denn die Band beweist auf "Nesh" ein Gespür für zeitlosen, fein strukturierten Post-Rock, der auch noch rund 3 Jahre nach den Aufnahmen funktioniert und überzeugt. Ausladende, weitläufige Klangbilder werden hier mit sanften Wiederholungen aufgebaut und immer wieder leicht gebrochen und von ruhigeren Ambiancen durchwoben. Bandnamen wie Russian Circles oder Pelican kommen in den Sinn. Das Interessante an "Nesh" ist aber der immer wieder fast improvisierte Jam-Charakter des Albums. Dadurch wirkt es zwar in seiner Grundstimmung melancholisch aber licht und leichtfüßig. Die Aufmachung des aus 100% recyceltem Material hergestellten Digipacks greift dies mit seinen sanften Farben visuell auf, während die dargestellten Fratzen und Tiere die düstere, psychedelische Seite des Albums für die Augen sichtbar machen.

Rating: 8/10



Gnaw "This Face" CD (Conspiracy Records)



GNAW ist ein neues Projekt Leuten, die schon bei Bands wie KHANATE, BURNING WITCH, THORR'S HAMMER und YARD aktiv waren. Das es hier um die Auslotung von Extrema geht dürfte damit klar sein. 'This Face' ist fiesester, aus Industrial und Drone kompilierter Noise. Flüstereien und Choräle, Datenschrott und wilde Clicks, Tribal Beats und schleppende Drums, klassische Instrumente und zu Instrumenten umfunktionierte Gerbrauchsgegenstände: Das Klangspektrum ist enorm, die Synthese ein nervenzehrender Wahnsinn. Das schleppend-wuchtige, dissonant-krachige Soundkonstrukt rauscht und gluckst an allen Ecken und Enden. Dazu bohrt sich düsterer Keifgesang in die Gehörgänge. Die Musik erfüllt alle Voraussetzungendir selbst am helligten Tag den AAngstschweißin den Nacken zu treiben, dich ohne Umschweife fertig zu machen. Krasse Scheibe! (Konstantin Hanke)



Gollum  "The Core" CD (Rotten)



Ein obskures Metal-Album was uns GOLLUM da um die Ohren knallen. Die Band aus North Carolina bietet fummeligen, mit Samples und Synthieflächen angereicherten Frickelstoff, der mit seiner latenten Rotzigkeit, weit weg ist von diversen hochglänzenden EMP-Metalkapellen. Um die fies quiekendencals und die omnipräsent klickende Doppelfußmaschine auf Dauer als Wohlklang rezipieren zu können, sollte der geneigte Hörer allerdings schon ein wenig Metal-Affinität mitbringen. Allen anderen wird dieses Album zu recht obskur erscheinen und eher Magenschmerzen bescheren, als ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. (Konstantin Hanke)



Hacride "Lazarus" CD (Listenable)



Die Franzosen HACRIDE vereinen auf ihrem vierten Tonträger trendigen, sphärischen Atmo-Metal der Marke ISIS, prog-metallisches a la TOOL mit ganz klassischem Weichspühl-Metal der Marke ILL NIÑO. Daraus ergibt sich ein Klangkonstrukt, welches ich am ehesten in Richtung MASTODON verorten würde. Die verwendeten Strukturen in Song, Melodie und Rhythmik bleiben stets einfach und nachvollziehbar, werden jedoch zu allem anderen als zu eingängigen Refrains, treibenden Strophen und Spannung aufbauenden Bridges verschnürt. Vielmehr scheint es als solle der Hörer absichtlich immer im Dunkeln darüber gelassen werden, was denn da nun eigentlich vor sich geht; ein Ansatz der Spannung erzeugt, die hier aber nie eingelöst wird und so im Endeffekt enttäuscht. (Konstantin Hanke)



Isis "Wavering Radiant" CD (Conspiracy Records)

Isis machen es einem nicht leicht, und schon gar nicht den Fans der ersten Stunde. "Wavering Radiant", das fünfte Studioalbum der Band ist doch eher schwer einzuordnen. Gut, man möchte der Band nicht gleich ein "belanglos!" und "langweilig!" um die Ohren knallen, aber viele werden das mit Sicherheit tun. Und man kann es durchaus nachvollziehen und verstehen. 7 Stücke in etwas über 54 Minuten lassen schnell erahnen, dass sich die Band bis zum Abwinken durch lange Songs kämpft und allerlei Pfade bis zum Erbrechen austritt und stampft. Und hier liegt auch das Problem von "Wavering Radiant" begraben: Zwar sind Isis seit ihrem letzten Album "In Absence of the Truth" (2006) durchaus gewachsen und besser geworden, aber was zur Hölle will man mit den ganzen feinen Soundtüfteleien, wenn man eher recht schnell gelangweilt ist? Der warme Sound ist positiv herauszuheben, die verspielten Gitarren ebenso, dynamisch, melodisch und doch immer wieder Aaron Turners komischer Gesang, der durch sein stumpfes Gebrüll schön gebrochen wird, Orgelsounds... alles eigentlich gut, man sieht, am mangelnder Qualität oder Können der Band liegt es nicht. Dennoch fehlt da etwas Entscheidendes: In der Band- Entwicklung hat sich eine allgemeine Verlagerung im "Isis-Ton" vollzogen, von "Panopticon" zu "In Absence of the Truth", und dabei ist es geblieben. Dass ist genau das, warum die Leute die Band für langweilig und belanglos halten. Denkt man an das großartige "Celestial" Album, so stellt man fest, dass es aus dem Oeuvre der Band heraus sticht, da wurden mutige Schritte gemacht, die aber auf den folgenden Alben leider gar nicht aufgegriffen wurden. Schade eigentlich, denn das Potential dazu haben Isis immer noch. Irgendwie strahlen zumindest die beiden letzten Alben das gleiche Gefühl aus, von ein wenig Weiterentwicklung mal abgesehen. Klar, auch "Wavering Radiant" kann man sich gut anhören, nette Ideen entdecken und es gut finden, aber genauso ist das Album viel zu eintönig und die Stücke zu lang. Ziellos wandern die Lieder in den über 7 Minuten Bereich und verlieren sich in ihrem gähnenden, recht belanglosen Herumgedüdel. Der letzte Track, "Treshold of Transformation", ist aber ein richtiger Brecher, wenigstens hier hat die Band alles richtig gemacht!

Rating: 7/10



Kam:as "Neverstate" CD (Sinnbus Records)

Mit "Neverstate" wurde mir das neue Album der Berliner Postrocker von Kam:as zugetragen, die nach "A Gap In Building" (2003), "Bric-A-Bric" (2005) und "Panic Among Whales" (2007) zu ganzer Größe gereift zu sein scheinen. "Neverstate" bietet auf zwei CDs ein mit einer einzigartigen Leichtigkeit eingespieltes Album, das einerseits süße Melodien und Gesang bietet, andererseits aber immer wieder von Widersprüchen, Brüchen und Gegensätzen geprägt ist. "Neverstate" ist voll von großen Spannungsbögen, mathematischen, noisigen Licks und Tricks. Dennoch, es klingt tatsächlich wie aus einem Guss! Als Namen, an welche ich mich immer wieder erinnert fühle, will ich hier nur wenige Große nennen: zum Beispiel Sonic Youth, zum Beispiel die großartigen Breach. Kam:as schaffen es mit "Neverstate," ein vielschichtiges, dynamisches und detailverliebt- druckvolles Album aus 11 Stücken zu schaffen,das ihre Liebe zur Musik und ihr Interesse an farbenfrohen, komplexen, wie einfachen Melodien und Songideen zeigt. Der knapp 45 Minuten dauernde instrumentale Einzeltrack auf der zweiten CD zeigt, dass die Band spielerisch auch locker mit Isis und Konsorten mithalten kann...
Die Aufmachung des Albums ist gelungen und fängt durchaus die Gegensätzlichkeit und Vielschichtigkeit von "Neverstate" ein. Die 2xCD kommt in einem schönen Digipack, zusammengehalten von einer Art Obi Strip, auf dessen Innenseite die Lyrics abgedruckt sind. Aufreißen mag man es aber trotzdem lieber nicht. Sehr zu empfehlen, dieses großartige Album, hier wird es mit Sicherheit noch öfter laufen...

Rating: 8/10



Master Musicians Of Bukkake "Totem One" Conspiracy Records

Master Musicians Of Bukkake neuestes Werk Totem One" ist Teil einer Nordwest Trilogie und ist eine klare Entwicklung von ihrem 2005 über Abduction erschienenen "Visible Sign Of The Invisible Order". Master Musicians Of Bukkake sind nun eine siebenköpfige Kraft aus kosmischen Psyche- Klängen, mit fast schon Allstar Charakter, denn es handelt sich unter anderem um Mitglieder von Earth und Burning Witch, sowie Gastauftritten von Timba Harris und Alan Bishop (Sun City Girls). Das Master Musicians Of Bukkake Kollektiv knüpft an die von den Sun City Girls entworfenen weltumfassenden, pantheistischen Soundbilder an, und so ist "Totem One" dann auch ein ritueller, auf elektropsychischen Gitarren basierender psychotischer, indianischer Totentanz, der das Bewusstsein zu erweitern sucht und die Grenzen von Innen und Außen sprengen will. Nie übertrieben, eher staubig und trocken, mit einer exotischen, schweren Percussion und hypnotischen, rituellen Gesängen, sowie einem meditativen Gefühl, welches mit dem Großen Geist Verbindung aufzunehmen scheint – und das nie übertreiben ernst, sondern eher von einer leichten Ironie gebrochen – dennoch aber mit aller Ernsthaftigkeit, um eigentümliche, abgefahrene Bilder und Eindrücke entstehen zu lassen. Meskalintripeindrücke in der trockenen Wüste. Kakteen oder Totenmasken in der Ferne, hinter dem trockenen Gestrüpp? Man weiß es nicht. Das bunte Knochenartwork von Seldon Hunt ist gelungen und absolut passend. Sicher eine der interessanteren Platten in letzter Zeit auf Conspiracy und auch als auf 500 Exemplare limitiertes Vinyl erhältlich. "Totem Two" wird in diesem Sommer über Abduction Records erscheinen. Außerdem sind EU- und USA- Touren in Planung.

Rating: 8/10



Microphonics "VI" LP (Tonefloat Records)

Eine Einladung in letzter Minute zu einer Veranstaltung in einer Galerie im Februar diesen Jahres resultiert nun in dieser nur auf einer Seite abspielbaren LP. Über Sinn und Zweck dieser Veröffentlichung mag man streiten, aber jeder Sammler von den Platten von Fear Falls Burning aka Dirk Serries, wird sich diese LP auch nicht entgehen lassen, zumal sie in goldenem, silbernem und weißem Vinyl zu nur je 100 Exemplaren erscheint und bald schon nicht mehr erhältlich sein wird. "VI" schlägt einen epischen, mehr Harmonie orientierten Weg ein und ist im Dronegeplänkel recht seicht und sanft. Während das Debut- Album zielstrebiger, nach vorne orientiert erscheint, ist diese einseitige rund 22 minütige Vinylveröffentlichung eher verspielt. "VI" erscheint ansprechend und simpel aufgemacht und stellt einfach eine Momentaufnahme im Schaffen von Dirk Serries aka Microphonics dar, welche vielleicht hier und da auf die künftigen musikalischen Wege hindeutet, den Serries in Zukunft mit Microphonics beschreiten wird.

Rating: 7/10



Mono "Hymn To The Immortal Wind" CD (Conspiracy Records)

Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der japanischen Band Mono erscheint das fünfte Studioalbum "Hymn To The Immortal Wind", an welchem die Band über ein Jahr gearbeitet hat. Es ist ein großes Album geworden, wie der Soundtrack zu einem bombastischen, epischen Liebesfilm. Alle 7 Stücke wirken daher direkt miteinander verknüpft und fein verwoben. Die Musik ist im typischen Mono Stil majestätisch, ja fast romantisch, was gut zur im Booklet abgedruckten Liebesgeschichte passt. Ein Blick in das Booklet verrät, dass über 30 Musiker auf dem Album mitgewirkt haben, es war ein ganzes Kammerorchester aus Streichern, Cellisten, Flöten, Klavier und allerlei Percussion. Dramatisch und treibend wie der Wind, auf und ab, hin und her geht es in weiten, ganz großartigen Instrumentalwirbeln. Man wird beim Hören dieser cinematischen Klangbilder auf jeden Fall mitgerissen und erlebt entweder die abgedruckte Geschichte mit, oder entwickelt dazu eigene Bilder. Der Sound von "Hymn To The Immortal Wind" klingt warm, persönlich und ganz natürlich und homogen. Vielleicht nicht verwunderlich, da alles analog von Steve Albini aufgenommen wurde. Die gelungenen Bilder des dicken Booklets und die gesamte Aufmachung des Albums treffen den Hör- und Leseeindruck dieses imposanten Werkes recht gut und wissen die beim Hörer entstehenden Bilder nachhaltig zu fordern und fördern.

Rating: 8/10



Mystified "Pulse Ringer Pieces" LP (Droehnhaus)



Diese einfach, wie ansprechend aufgemachte LP bringt uns pulsierende Ambiancen und Dronen in 6 Akten. Was zuerst vielleicht ungewöhnlich erscheinen mag, sind die fast statischen Beats, mit denen die Stücke unterlegt sind. Mystified aka Thomas Park von einer anderen Seite. Die komplett in Blau gehaltene Aufmachung, ohne jegliche Graphik oder Schriftzug auf dem Cover übrigens, und das blaue Vinyl ziehen den Hörer unmittelbar in Bann. Man taucht tief ein in das Blau und fühlt sich schnell von ihm umgeben und fühlt wie es sich auch innerlich ausbreitet und seine weite, tragende Wirkung tut. Man vermag nicht genau zu sagen, ob einen die Beats an der Oberfläche halten oder noch tiefer hinunterziehen. Ich würde sagen, auf Seite 1 der LP findet man sich immer wieder tänzelnd auf der Oberfläche des Blaus wieder, fühlt nur seine Tiefe, und lässt sich aber schlussendlich hinreißen, von, ja fast Drum´n´Base ähnlichen Rhythmen. Auf Seite 2 hingegen öffnet sich vor einem das tiefe Blau und zieht einen in mystischen Kreisen immer tiefer hinab. Hier wirken die Stücke verschrobener, gar halluzinogen. Gelungene, elegante erste LP-Veröffentlichung von Droehnhaus, kommt auf klarem blauen Vinyl, und ist auf 300 Stück limitiert. Künftig auch Veröffentlichungen von Seconds in Formaldehyde, Ufesa, Wolfsduister auf Droehnhaus.

Rating: 8/10



Mystified "Tape Sludge" CD-R (Verato Project)

Wie der Name schon vermuten lässt, werden auf "Tape Sludge" Kassettenaufnahmen verwurstet und zu einem dichten Soundbrei und verzerrten Klangkollagen verarbeitet. Aufgenommen wurden die Tapes schon vor 18 Jahren und jetzt zu dem verarbeitet was sie sind: Kaputte Klangkonstruktionen, die in ihrer Wirkung eher verstörend wirken, da sie keinerlei offensichtliches Schema bieten, außer dem Vorsatz die originalen Kassettenaufnahmen auseinanderzuschrauben und in eine neue Dimension aus noisigen, dekonstruierten Klangkombinationen zu führen. Dass nun das, was dabei entsteht, nun gar nicht scharf klingt – sondern verschwommen und verschoben, ist wohl intendiert. Nur manchmal blitzt hier und da die monotone Genauigkeit einer stumpf vor sich hin laufenden Maschine auf. Limitiert auf nur 60 Exemplare.

Rating: 6/10


Neil On Impression "L‘oceano Delle Onde Che Restano Onde Per Sempre" CD (Denovali Records)



Diese Bigband aus Norditalien hat sich bereits mit dem 2006er Album „The Perfect Tango“ und zahlreichen Touren einen beachtlichen Namen erspielt. Drei Jahre nach dem Debüt-Album legen sie nun diese mehr als einstündige Mammut-Werk „L‘oceano Delle Onde Che Restano Onde Per Sempre“ vor. Musikalisch bleibt alles wie gehabt, doch wo „The Perfect Tango“ produktionstechnisch irgendwie spröde wirkte, kommt das neue Album in beeindruckend breiter, warmer Manier daher. Es wirkt klanglich und atmosphärisch vielseitiger, aber dabei stets dichter als sein Vorgänger. Genretypisch mäandern NEIL ON IMPRESSION durch die ausufernden Stücke und suchen von Zeit zu Zeit im Crescendo ihr Heil. Sie bereichern jedoch diesen um einige Streicher erweiterten Standard-Post-Rock-Ansatz um eine latente Jazzthetik, wodurch sie sich ein relativ eigenständiges Klangraum in den engen Schranken des Genres konstruiert haben. Insgesamt eine märchenhaft verträumte, süßliche Instrumentalmusik, die an manchen Stellen schon verdächtig nach Kitsch zu riechen beginnt, an anderen hingegen etwas zerfahren oder langatmig daher kommt, aber immer gerade so noch die Kurve bekommt. (Konstantin Hanke)



Of "Rocks Will Open" CD (Digitalis/ ACE)

Of ist das Solo Projekt von Loren Chasse, der schon für eine ganze Reihe von Veröffentlichungen (Thuja, The Blithe Sons, Softwar) sein Können unter Beweis gestellt hat und außerdem das Jewelled Antlers Label gegründet hat. "Rocks Will Open" ist ein erdiges, organisches Album und man kommt nicht drum herum, an die Natur oder irgendwelche Naturmotive zu denken: Sanfte Dronen blinken und blitzen im Sonnenlicht. Reflektionen und Lichtspielereien auf der Wasseroberfläche eines weiten Waldsees. In Zeitlupe sieht man diese bunten Enten ins Wasser eintauchen. Ihre Farben leuchten stark. Anfangs findet man "Rocks Will Open" vielleicht gar nicht so spektakulär, klar ganz nett, aber mehr auch nicht. Auch die recht unspektakuläre Aufmachung vergrößert nicht unbedingt die Neugierde. Setzt man sich aber für einige Minuten bewusst hin und absorbiert das, was da auf einen einströmt, so entfaltet "Rocks Will Open" seine eher feine, intime und subtile Wirkung. Es hat eben eine erdige Farbtönung und fällt nicht beim ersten Hinsehen auf. Vielleicht auch Kopfhörer Musik beim Mittagsschlaf, wer weiß. Limitiert auf 500 Exemplare.

Rating: 7/10



Olekranon "Gaitan" CD-R (Inam Records)

(no cover available)

"Gaitan" schließt quasi nahtlos dort an, wo die "Armor" EP endete: "Gaitan" pulsiert und expandiert sich immer wieder neu durch 10 elektronische Noise und Ambiant Stücke in etwas über 40 Minuten. Die Dronen brechen immer wieder in vereinzelte Melodiefetzen- und Ansätze. Hier fühlt man sich an die Arbeiten von JK Broadrick wie Final oder auch Jesu, erinnert. Während einem sonst die frühe Zerfahrenheit eines Tim Heckers in den Sinn kommt. "Gaitan" ist noisig, roh und auf einzigartige Weise stumpf, statisch und kalt. Nadja von Dronemeister Aidan Baker, kommen einem hier in den Sinn. Während die äußere Aufmachung im, für Inam Records gewohnten handgemachten braunen Kartonagegewand mit gestempeltem Schriftzug und Grafik daherkommt, mutet das Inlay mit seinen Farben und Formen schon fast psychedelisch an. Natürlich auf nur sehr wenige Exemplare limitiert und handnummeriert. Zu erstehen über inamrecs@yahoo.com

Rating: 7.5/10



Rapoon/ Relapxych .O "s/t" Split LP (Droehnhaus/ Psych.KG)

Split und Remix LP von Rapoon mit den schwedischen Newcommern Relapxych .O. Das Stück von Relapxych .O ist ein langes, beinahe mystisch und verschlossen wirkendes Drone- Stück, mit etwas Hintergrundpercussion, welche dem Stück mehr Tiefe und Dunkelheit verleiht. Gegen Ende baut sich ein etwas lauterer, dröhnender Klangwall auf, das Stück wird psychedelischer und halluzinogener. Rapoon steuern auf ihrer Seite ein recht wunderbares und schönes Klavierstück bei, das von manipulierten Stimmsamples unterlegt ist. Mit zunehmender Spielzeit wird es etwas düsterer und versprüht noch mehr Ambiancen. Dann folgt noch ein Remix desselben Tracks, welcher nicht allzu weit vom Original entfernt ist und mit etwas elektronischen Spielereien ausgestattet wurde. Die LP ist durchaus ein kleines Sammlerstück, schon alleine, weil nur 200 Exemplare davon gepresst wurden und jede handnummeriert ist. Außerdem kommt jede LP mit einem anderen handgemalten Cover, das den Händen von autistischen und behinderten Jugendlichen entstammt, das vorliegende von der 17 jährigen Tina. Es sieht ganz reizend aus.

Rating: 7/10



Sand Snowman "Two Way Mirror" CD (Tonefloat Records)

"Two Way Mirror" von Sand Snowman ist eine reizende, auf den ersten Blick fast Singer-Songwriter- artige Platte, die aber viel mehr zu bieten hat. Denn erst mit Kopfhörern wird deutlich, wie viel an Atmosphäre da im Hintergrund mit vielen kleinen Details geschaffen wird. Der Überbau an Gesang und Akustik Instrumentierung wirkt fragil und angenehm unvorhersehbar mit viel Folk-Appeal, was nicht zuletzt durch den fast chorartigen männlichen und weiblichen Gesang getragen wird. Das sind 9 zarte, undurchschaubare Stücke die funktionieren, vielleicht auch durch ein eigenartiges Gefühl von Leere, die den Liedern in den eher dronigen und ambientartigen Grundstrukturen unterliegt. Die auf "Two Way Mirror" dargebotenen Arrangements sind minimalistisch in ihrer Instrumentierung aus Akustikgitarren, Piano und den sanften Gesängen. Es entsteht fast ein schüchternes, intimes Verhätnis zu den Stücken. Genaueres Hinhören ist bei "Two Way Mirror" durchaus gefragt und zwischen Tür und Angel werden diese Stücke ihren Glanz nicht entfalten. Erhältlich ist "Two Way Mirror neben einer 180g Vinylversion auch als CD Gatefold- Album mit dezenter und sehr schöner Aufmachung, die ersten 500 Exemplare enthalten außerdem die aus 8 zusätzlichen Stücken bestehende Bonus CD "The Magpie House".

Rating: 8/10



Seht "Dead Bees ((The((Quiet) Earth)) Suite)" (Pseudo Arcana) CD

"Dead Bees" ist ein gelungenes, schönes 2 Track Drone Album, welches durch seine ruhige und melancholische Länge positiv auffällt. Was soll man da eigentlich groß beschreiben, frage ich mich. Kann ja gar nicht klappen. Wer gerne Maeror Tri oder Asmus Tietchens hört, sollte sich einmal mit "Dead Bees" von Seht auseinandersetzen. Die Drohnen bauchen sich über lange Leitern auf und wabern ruhig ihrer majestätischen Bestimmung entgegen. Riesige, ruhige Wellenberge. Irgendwo weit draußen. Drohnenozean. Stephen Clovers Seht Projekt ist wie ein guter Whisky, lange Wirkung mit vielen Geschmacksnuancen, die sich immer wieder und wieder aufbauen und recht unvermutet entfalten. Man hat lange davon, im Falle von "Dead Bees" zumindest schon über 60 Minuten. Die Aufmachung ist sehr einfach und unspektakulär gehalten, vergrößerte Bienenaufnahmen usw. Da hätte man mehr und Interessanteres leisten können.

Rating: 7/10



She Said Destroy "This City Speaks In Tongues" CD (Tabu)



Ein technisch versiertes, dabei aber hemmungslos unsensibles Album liefern She Said Destroy aus Norwegen ab. "This City Speaks In Tongues" ist erbarmungslos und unterkühlt wie der skandinavische Winter. Die Songs sind stumpf und maschinell stampfende Frickel-Nervtöter, die nie richtig zu fließen beginnen. Dem aktuellen Trend entsprechend haben auch einige sphärischer Ausarbeitungen Platz in den Songs gefunden. Hauptsächlich wird jedoch mit Technik geprotzt – und vor Allem extrem genervt. Uninspiriert und uninspirierend. Die Scheibe kann ohne weiteres ungehört bleiben. (Konstantin Hanke)




Soulgate's Dawn "Messiah" CD (Bastardized Recordings)



Was SOULGATE'S DAWN hier präsentieren ist tausend mal gehörter und ebenso oft reproduzierter Trend-Metal, der sich ständig selbst zitiert und Innovation strikt negiert. Immer wieder die selben Riffs, die selben Strukturen, die selbe Aufmachung. Ein Album voll gähnender Langeweile als Indikator für ein Genre in der Sackgasse. (Konstantin Hanke)



Strotter Inst. "Minenhund" CD (Hinterzimmer/ Public Guilt)

"Minenhund" ist das neueste Werk von Christoph Hess aka Strotter Inst., diesmal in transatlantischer Zusammenarbeit vom Qualitätslabel Public Guilt (USA) und dem Schweizer Hinterzimmer Label. Zuallererst fällt die schöne Aufmachung in der braunen Kartonage- Verpackung aus 100% recycleten Materialien auf. Zudem enthält die CD noch eine Art Poster mit einer sensationellen Aufnahme einer alten Bergwerksmine, aus welcher gerade Gestein in Wägen von je vier Männern hinausgeschoben wird. Harte, ehrliche und so ursprünglich wirkende Arbeit. Genauso ehrlich wirkt "Minenhund," und die 14 darauf enthaltenen Stücke kommen rhythmisch und basslastig, vielschichtig und gebrochen- stampfend daher. Tief geht's hinab in den dunklen Berg. Warm und dumpf ist es da und so fühlen sich auch die Klangtexturen von Hess an. Interessanterweise fühlt man sich immer wieder an die großen Pan Sonic erinnert, wenn man so durch den musikalischen Mikrokosmos von Strotter Inst. streift. So wie der Raubbau in einer Mine industrielle Züge haben kann, so muss im Zusammenhang mit Christoph Hess' Klangkonstrukten auf den Industrial verwiesen werden, der ähnlich mechanisch, stampfend und polternd sein Unwesen treibt. Einziger Unterschied: Die Klanggebilde und Loops von Hess klingen eben kaum kalt, sondern warm, dicht und kompakt – was auch an der Herstellungsweise liegen mag, die ja durch allerlei Plattenspielerwurstelei- und Bastelei mit verschiedenen, recht unkonventionellen Hilfsmitteln, schön analog daherkommt. "Minenhund" überzeugt durchweg und ist eine ganz großartige Angelegenheit.

Rating: 8/10



Sujo "Blood Saints" CD-R and 3" CD-R (Inam Records)

(no cover available)

Sujo macht nosige, lärmende Drone- Stücke mit dichten, kompakten Shoegaze Anleihen. Insgesamt vielleicht etwas roh und ungehobelt in ihrer Ausstrahlung, dennoch aber irgendwie ganz ansprechend und überzeugend. Sujos abstrakte Klangbilder wirken in ihrer Ausführung schwer und durchdringend bis hin zu schwelgerischer Brachialität. Ansprechend sind auch die Aufmachungen beider CDs: einerseits die niedliche 3" CD-R mit Pergament Inlay, andererseits die "Blood Saints" CD-R in einer schönen Kartonage Hülle. Liebe für's Detail und Handarbeit, wird bei Inam Records auf jeden Fall groß geschrieben. "Blood Saints" wie auch die selbstbetitelte 3" CD-R sind im Übrigen auf nur 48 Stück limitiert. Zu erstehen über inamrecs@yahoo.com

Rating: 7/10



Theo Travis/ Fear Falls Burning "The Tonefloat Sessions" LP (Tonefloat Records)



Vor rund einem Jahr lud Tonefloat Records die beiden Musiker Theo Travis und Dirk Serries (FFB) dazu ein, gemeinsam eine Platte zu machen. Diese Einladung nahmen beide gerne an und jeder nahm dazu seinen Anteil in einem Rutsch daheim im eigenen Studio auf. Serries, wie gewohnt mit Gitarre und Effekt Pedalen zu Gange, Travis mit seinen Ambitronics und Flöten. Nach den Aufnahmen wurden die Ergebnisse getauscht. Rund ein Jahr später wurde die LP veröffentlicht und die beiden Musiker traten zusammen live auf. Die beiden je knapp über, beziehungsweise unter 20 Minuten dauernden Stücke der "The Tonefloat Sessions" LP sind ruhig und leise, ja eher düster, aber wirklich sehr schön. Sie strahlen eine intime, fast schüchtern-traurige Wärme aus, die von einer mysteriösen Undurchsichtigkeit durchdrungen ist. Trotzdem wirken beide Stücke in sich klar und ruhend. Minimale Instrumentierung und ein sachtes Gefühl von Einatmen und Ausatmen von großen Wahrheiten, welche wie kleine Inseln aus tiefster See zu leichten Paukenschlägen aufsteigen und nach oben an die Oberfläche der Welt drängen. Besonders starke zweite Seite, mit den sanften wie eindringlichen Flötenklängen, dazu die weiten Gitarrenakkorde. Die Aufmachung empfindet alte, klassische Jazz Platten nach, die mit den bekannten blauen Schriften. Limitiert auf insgesamt nur 600 Exemplare, davon 200 auf blauem und 400 auf schwarzem 180g Qualitätsvinyl.

Rating: 9/10



The Antikaroshi "Crushed Neocons" CD (Exile On Mainstream)



THE ANTIKAROSHI treten in klassischer Rockbesetzung an, musizieren aber nicht in seinen typischen Mustern und Formen. Postrock? Mitnichten, denn mit den damit assoziierten tortoisigen oder mogwaiesquen Klangflächen haben die Jungs aus Berlin und Potsdam nicht wirklich viel am Hut. Aber im Geiste von Postrock werkelt das Trio an der Dekonstruktion des Rockformats 'Song' und an der Wiederzusammensetzung der Sounds und Fragmente zu einem 'Rock-Track'. Diese geben sich mal fummelig-vertrackt, mal fluffig-rollend, sind durchsetzt mit präzise gesetzten Breaks, komplex-zerrupften Melodien und erdigen Rhythmus-Fundamenten. 'Crushed Neocons' bewegt sich irgendwo zwischen Postrock-Idee, DC-Punk/Hardcore-Rauheit und Jazz-Schrägheit. Eher eine Scheibe zum Zuhören, als zum nebenbei Hören. (Konstantin Hanke)




To Blacken The Pages "North" CD (Colony Records)

Anknüpfend an die letzten Veröffentlichungen von To Blacken The Pages, ist "North" eine noch mehr auf den Dynamiken von puren Gitarren- Rückkopplungen basierende siebenteilige Reise, hin zu den dunkleren Regionen des Lebens. Auch neu ist der Gesang auf dem dritten Stück "Give To The Sea, welcher sachte und ruhig dahinschwebt, während im Hintergrund die Gitarrenwand kontinuierlich anschwillt und lauter wird. Hinter To Blacken The Pages versteckt sich immer noch der in Dublin, UK ansässige Paul McAree, Künstler und Kurator. Die Gitarren auf "North" schwellen meist lange über Minuten hin, an – man braucht Muse und Hingabe um "North" richtig zu ergreifen, am besten in den Abendstunden, nach getaner Arbeit und in schläfriger Stimmung. Die Aufmachung von "North" ist fragmenthaft mit grobpixeligen, ausschnittartigen Bildern – sie stehen in Beziehung mit den langsamen, einzelnen Akkorde der dunklen Gitarre und fügen "North" somit zu einem ganzen Bild zusammen. www.toblackenthepages.com

Rating: 7/10



Vaka "Kappa Delta Phi" CD (Murkhouse Recordings)

Vier lange Jahre vergingen, in denen Karl Daniel Lidén seine ganz eigene Soundvision von Vaka beharrlich verfolgt und schlussendlich mit "Kappa Delta Phi" aufgenommen und der Welt zugänglich gemacht hat. Mit "Kappa Delta Phi" legt er ein außerordentlich vielschichtiges und komplexes Album vor, das im Vergleich mit den bekannten Bands des Genres regelrecht frisch und unorthodox daherkommt. Weite, ausladende und epische Rockstrukturen und Urgebrüll vermengen sich hier mit feinem Klavier, Synthie- und Orgelkompositionen. Im einen Moment kommt die rohe, brutale und brachiale Power von Neurosis an die Oberfläche, im nächsten Moment ist es die geschickte Verwegenheit einer Band wie Nine Inch Nails, die das Zepter führt. "Kappa Delta Phi" ist durchgehend schwer, bedrückend und offenbart sich in einem homogenen, eigenständigen Sound, der den Hörer mit zunehmender Spielzeit wie ein unberechenbarer Sturm mitzerrt und mitreißt und am Ende irgendwo ausgekotzt liegen lässt. Insgesamt in 6 Studios wurde "Kappa Delta Phi" aufgenommen, darunter auch die legendären Studios 301 in Stockholm, in denen schon einst Abba aufgenommen haben. Zahlreiche Gastmusiker halfen, die Klangvision von Lidén zu verwirklichen, darunter befreundete Musiker von Dozer, I Are Droid, Lowrider, Ghost Brigade, Come Sleep und A Swarm Of The Sun. "Kappa Delta Phi" ist ein reifes, durchdachtes Album, mit vielen interessanten Spannungsbögen und man kann Karl Daniel Lidén nur die Aufmerksamkeit wünschen, die dieses großartige Album tatsächlich verdient hat. Aufmachung und Artwork dieses aus 100% recycleten Materialien hergestellten Digipacks stammen von Wreck Creative Studios und überzeugen durch schöne Rottöne und großartige Logos. Übrigens, "Kappa Delta Phi" kommt erstaunlicherweise komplett ohne Gitarren aus...

Anspieltips: "I Of Everything", "Somersaults", "Stalemates"

Rating: 9/10



Wolves In The Throne Room "Black Cascade" CD (Southern Lord)

Nach ihren ersten beiden Studioalben "Diadem of Twelve Stars" und "Two Hunters" veröffentlichen die in unseren Breiten kontrovers diskutierten Öko- und Eso-Schwarzmetaller von Wolves In The Throne Room ihr neues Album "Black Cascade" über Southern Lord. Die vier gebotenen Stücke sind allesamt wie ein guter Wein, den man erst atmen lassen muss, damit er seinen vollen Charakter entfalten kann. Der mächtige, analoge Klang der Aufnahme klingt warm, fast punkig und irgendwie so erdverbunden. Aufgenommen wurde "Black Cascade" von Randall Dunn (Sunn O))),Earth, Grails...) auf ein 2 Inch Tape und auf einer 1973'er Neve Console abgemischt. "Black Cascade" ist so gesehen eine recht warme, homogene Angelegenheit, die überhaupt nicht kalt, metallisch und artifiziell klingt, was im Black Metal Bereich doch durchaus nicht ungewöhnlich wäre. Hier geht es definitiv nicht um Gesichtsbemalungen und Nietengürtel. Musikalische Alchemie nennt die Presseinfo "Black Cascade," und das zu Recht! Einfach tief in den Wald marschieren, sich unter Bäume setzen, fern ab von jeglichem menschlichen Einfluss und dort die vier langen schwarzen Tracks zu einer kleinen Andacht werden lassen.

Rating: 7/10



ZU "Carboniferous" CD (Ipecac Recordings)

Italiens ZU veröffentlichen mit "Carboniferous" bereits ihr 14. Album seit der Bandgründung im Jahr 1999. "Carboniferous" ist wahrlich ein monströses, gigantisches Werk an experimentellem Metal, Math, No-Wave, Noise, Punk und Jazz. Wo ZU vorbeigekommen sind, wächst kein Gras mehr. So viel ist schnell sicher. Das Saxophon klingt wie ein Schwein, das gerade abgestochen wird. Nett garniert wird "Carboniferous" von den Vocal- Einlagen von Mike Patton, der auf zwei Tracks Gesang beisteuert, wie er besser nicht passen könnte: Auch hier kommt einem Schweinegegrunze in den Sinn. Nicht verwunderlich also, dass ZU mit "Carboniferous" auf Ipecac gelandet sind. King Buzzo von den Melvins gibt auch auf einem Stück mit der Gitarre sein Bestes zur Unterstützung, was irgendwie auch ebenso wenig verwundert wie der Pattonsche Gastauftritt. ZU zeigen auf "Carboniferous" ganz hervorragend, mit welcher Leichtfertigkeit sie unorthodoxe, derbe und so herrlich kernige Kompositionen kreieren können, die man auf Anhieb nicht so leicht zu durchschauen vermag. Das Album ist sicher eine der bisher interessantesten, und soundmäßig dynamischsten Veröffentlichungen des laufenden Jahres!

Rating: 8/10

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